Konrad Waldeyer legt umfassendes Werk über „Die historischen Grenzsteine Waldecks“ vor

Steinerne Zeugen der Landesherrschaft

+
Dr. Klaus Wendt vom Waldeckischen Geschichtsverein und der Autor Konrad Waldeyer aus Scherfede stellten in Bad Arolsen das neue Buch über „Die historischen Grenzsteine Waldecks“ vor..Foto: -sg-

Korbach - In seinem neuen Buch dokumentiert Konrad Waldeyer alle auffindbaren Grenzsteine der Grafschaft und des Fürstentums Waldeck. Am Mittwoch stellte er das Mammutwerk vor.

„Es erfüllt den Waldeckischen Geschichtsverein mit Stolz, so ein großartiges Buch herauszugeben“, betonte der Vorsitzende Dr. Klaus Wendt bei der Vorstellung des großformatigen Bandes, dem eine CD mit genauen Angaben zu allen etwa 1600 Grenzsteinen beigelegt ist. „Das ist eine ungeheuere Arbeit. Konrad Waldeyer hat ein grandioses Werk abgeliefert.“

Das Werk lasse sich wissenschaftlich, aber auch für Wanderungen entlang der historischen Grenze nutzen, sagte Dr. Wendt. Er war sicher: „Die Schnadekundigen werden uns das Buch aus der Hand reißen.“

Waldeyer wohnt in Scherfede. Er hat sich jahrzehntelang als Orts-, Stadt- und Kreisheimatpfleger im Kreis Höxter engagiert. 1980 wandte er sich erstmals alten Grenzsteinen zu. Nach seiner Pensionierung als Verwaltungsleiter der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe erforschte er alle Grenzsteine im Süden Höxters, 2011 erschien die Dokumentation als Buch.

Drei Jahre geforscht

„Ich habe Spaß dran gefunden“, erzählte er. Durch seine Kontakte zu drei Fachleuten aus Landau, Ehringen und Bad Arolsen sei er auf die Idee gekommen, auch alle Grenzsteine Waldecks zu untersuchen.

Bis Herbst 2013 hat er alle Standorte aufgesucht, in diesem Jahr nochmals einzelne. Das Ergebnis ist ein 300-seitiges, reich bebildertes Buch mit der CD - die schiere Datenmenge hätte den gedruckten Band gesprengt.

Interessant sei gewesen, dass Waldeck an verschiedene Territorien grenze, entsprechend sei eine vielfältige Steingestaltung zu erwarten gewesen. Und Waldeck habe als Territorium lange Bestand gehabt.

Fünf Herrschaften grenzten einst an das Land: Das Bistum Paderborn im Norden, das zu „Kurköln“ und später zu Preußen gehörende Herzogtum Westfalen und die Kölner Stadt Volkmarsen, die beiden hessischen Landgrafschaften Kassel und Darmstadt sowie die Gebiete Naumburg und Fritzlar, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts zum Mainzer Bistum gehörten.

In „Rezessen“ haben sich die Landesherren einst auf Grenzverläufe geeinigt. Genaue Karten gab es noch nicht, so wurden die Landschaften beschrieben und Grenzsteine gesetzt. Die ältesten in der Grafschaft Waldeck schätzt Waldeyer auf die Zeit um 1510, der erste datierte Stein wurde 1540 im Fürstental nördlich des Edersees aufgestellt.

Erst Anfang des 18. Jahrhunderts seien erste Grenzkarten aufgekommen, berichtete Waldeyer, bis 1769 sei Waldeck komplett erfasst und mit Grenzsteinen ausgestattet gewesen. Danach seien nur noch Steine ergänzt worden. So finden sich auch preußische Hoheitszeichen, nachdem sich das Königreich 1866 Kurhessen und Hessen-Darmstadt einverleibt hatte. Der jüngste Stein des Freistaates Waldeck trägt das Datum 1924.

Um alle Steine zu erfassen, hat Waldeyer zunächst alte Landkarten und „Rezesse“ ausgewertet. Mit den Angaben hat er auf den digitalen Karten des Hessischen und des Nordrhein-Westfälischen Bodenmanagements nach möglichen Standorten gefahndet. Mit den Koordinaten hat er sich Tagestouren zusammengestellt, bei denen er zu Fuß jeden Stein gesucht hat. Diese hat er fotografiert und nach gängigem wissenschaftlichen Standard dokumentiert - von der Beschreibung der Inschriften und kunsthistorischen Besonderheiten bis zu den genauen Geodaten. Diese Angaben finden sich auf der CD.

„Ein Fulltime-Job“

„Es ist ein Fulltime-Job gewesen, aber ich hab‘s gern getan“, berichtete er. Welch enorme Leistung hinter dem Werk steht, dokumentieren wenige Zahlen: Waldeyer hat bei 148 Touren mit durchschnittlich sieben Kilometern 2200 Standorte aufgesucht. Dabei hat er rund 1000 Kilometer zu Fuß, 150 Kilometer mit dem Rad und etwa 8000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt. In drei Jahren habe er etwa 4500 Arbeitsstunden aufgewandt, die Datenauswertung für das Buch habe ein Drittel der Zeit in Anspruch genommen.

An den 2200 Standorten hat er nur rund 1600 Steine gefunden. Manche sind verschwunden - lange blieben die historischen Zeugnisse unbeachtet, so manches Exemplar wurde bei der Feldarbeit mit schwerem Gerät zerstört oder fand einen Platz in privaten Gemäuern.

Waldeyer hat zwei Fälle dokumentiert: Ein zerbrochener Stein wurde am Eingang eines Vasbecker Landgasthauses eingemauert. Außerdem haben die Deringhäuser einen Stein im Foyer ihres Dorfgemeinschaftshauses aufgestellt, um ihn zu erhalten.

Und er kennt einen Fall, in dem Kumpel einem Landauer einen Stein geschenkt haben. Der wandte sich an einen Heimatforscher der Stadt, der den Stein an der Grenze zu Wolfhagen an der Stelle eines verlorenen Exemplars aufstellen ließ. Waldeyer ordnet das „Geschenk“ der Grenze bei Königshagen zu.

Sogar im Hessenpark im Taunus hat Waldeyer einen Stein entdeckt, der einst zwischen Welda und Volkmarsen stand. Dank seiner Forschungen hat er zudem zwei bislang unidentifizierte Exemplare aus dem Grenzsteinmuseum in Herzhausen zugeordnet, sie könnten damit an ihren eigentlichen Standort zurückkehren.

Besteht nicht die Gefahr, dass Leute dank der exakten Angaben im Buch Steine stehlen? Waldeyer setzt eher auf den gegenteiligen Effekt: dass Leute mehr auf sie achten und sie bei Wanderungen gezielt aufsuchen. Und dank seiner Dokumentation wären sie als Diebesgut leicht zu identifizieren. Grenzsteine stehen als „Kleindenkmäler“ unter besonderem Schutz, wer sie verrücke oder gar stehle, mache sich strafbar, betonte der Jurist Dr. Wendt.

Das Buchprojekt „hat mir sehr viel Spaß bereitet“, hob Waldeyer hervor. „Ich habe viele hilfsbereite Menschen kennengelernt, wir sind auch gemeinsam Strecken abgelaufen.“ Aber auch moderne Technik habe ihm die Arbeit erleichtert: die digitalen Karten, das Navigationsgerät im Auto, GPS-Geräte für die Erfassung der Steine.

Dr. Wendt dankte dem Präsidenten der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement, der für den Abdruck der Karten „günstige Konditionen“ eingeräumt habe. Das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg verzichtete für seine historischen Karten ganz auf Gebühren.

Hinweise willkommen

Das Thema lässt Waldeyer nicht ruhen: Fertig sei inzwischen auch seine Untersuchung der Grenzsteine um Freienhagen, berichtete er - Dr. Wendt regte an, sie zum nächsten Freischießen als Heft zu veröffentlichen. Außerdem will Waldeyer die Steine rund ums Kloster Hardehausen dokumentieren.

Aber auch zu den Waldecker Grenzsteinen sucht der Forscher weiter nach Hinweisen, weitere Funde sind denkbar. Aktualisierungen will er im Internet veröffentlichen. Wer etwas dazu beitragen kann, erreicht ihn unter Telefon 05641/742145 oder per Mail unter den Adressen k.waldeyer@web.de und konrad.waldeyer@googlemail.com.

Waldeyer sei der beste Kenner der Grenzen Waldecks, stellte Dr. Wendt fest - und ernannte ihn offiziell zum „Grenzsteinbeauftragten für Waldeck“.

Das Buch „Die historischen Grenzsteine Waldecks“ von Konrad Waldeyer ist als Band 20 der Reihe „Waldeckische Forschungen“ des Waldeckischen Geschichtsvereins erschienen. Es kostet - einschließlich der CD - für Mitglieder 20 Euro, für andere Interessenten 29,80 Euro. Erhältlich ist es in der Geschäftsstelle des Geschichtsvereins im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen sowie in den nächsten Tagen im heimischen Buchhandel. ISBN: 978-3-932468-20-9.

Von Dr. Karl Schilling

Kommentare