7500 Besucher feiern mit ihren Stars beim Schlagerfestival „Viva Willingen“

Stimmungskanonen an der Regenfront

Willingen - „Malle im Upland“, das ist der Anspruch von „Viva Willingen“. In Sachen Wetter konnte es am Samstag allerdings kaum ein größeres Kontrastprogramm geben.

„Da fällt schon der erste Schnee“, scherzte denn auch Jürgen Drews während seiner Regentschaft als König von Willingen und hätte am liebsten die entschlossen feiernden Fans in eine Flotte von Jumbos gepackt und ihr Potenzial mit nach Mallorca genommen.

Seine Krone und auch einen Hermelin hatte der „König von Mallorca“ für den gleichnamigen Titel schon mitgebracht, mit dergleichen Requisiten konnte die Schlager-Majestät schon einmal demonstrativ blankziehen und der Schlechtwetterfront mit durchtrainiertem Oberkörper die Stirn bieten. „Gratulation, ihr habt gerade kollektiv an der größten Ice-Bucket-Challenge der Welt teilgenommen“, lobte er das Publikum für seine Ausdauer am Ende seines knapp einstündigen Auftritts, der zahlreiche seiner Klassiker wie ein erst gesungenes, dann gerapptes „Bett im Kornfeld“ enthielt. Bei der von einer Zugabe zur nächsten springenden Show ging es musikalisch alles andere als museal zu, wobei „Mama Lou“ und die eine oder andere eingestreute Andeutung an die Anfänge der Karriere bei den Les Humphries Singers auf den gerade erst aufgenommenen finalen Höhepunkt vorauswiesen: Die fetzige Dance-Nummer „If you wanna dance with me“, zu der auch die nächste Stufe in Sachen Light-Show gezündet wurde, wurde diesen Sommer mit dem einstigen Mentor Les Humphries aufgenommen. Mit der Anti-Döner-und- Pizza-Ballade „Ich will Pommes mit Senf“ (die deutsche Fassung von Nick Kamens „I promised myself“) verscheuchte Robert Haag die letzten Tropfen, so- dass die Schlagerfreunde während seiner Liebeserklärung „Deutschland my love“ schon wieder die Schirme zuklappen und bei „I sing a Liad für di“ schon wieder ungestört schunkeln konnten. „Döner macht schöner“ konterte Tim Toupet gleich zu Beginn seines Auftritts und fragte anschließend bei den Fans erst mal den aktuellen Pegel ab, ehe die musikalische Reise mit „Allez, Allee“ weiterging. „So ein schöner Tag“ lautet der Titel seines größten Hits, der schon wieder ganz zum Blick über das Festivalgelände passte, auf dem nur noch der matschige Untergrund und die zahlreichen Schlammspritzer an Hosen, Ärmeln und Gesichtern an die gerade erst überstandenen Güsse erinnerte.

Als Flieger, Tiger und Giraffe leisteten indessen die Mitglieder der Remmi-Demmi-Band tatkräftigen Support bei Tim Toupet. Als Gauchos gingen die Mitglieder der Showband, die zudem zwei eigene Auftritte absolvierte, mit Willi Herren auf Fußball-Weltmeisterschaftsreise. „Scheiß drauf“ und „Bäng, bäng, für die anderen wird’s eng“ waren weitere Höhepunkte im Repertoire der Stimmungskanone aus Köln, die mit Neffe Theo als Mitspieler und Duettpartner auch ein umfangreiches Potpourri von Tabaluga bis zum Lieder der Schlümpfe anstimmte. Zwischen den voll auf Animation ausgerichteten Bühnenzeiten der beiden Party-Acts, die jeweils sämtliche Ballermann-Partyrituale durchexerzierten, traten zwei solide Handwerker des Schlagers auf, beide auf ihre Arte eine Reverenz an Jubilar Udo Jürgens, der dieses Jahr 80 wurde. In seiner Hommage „Ich will auch mal nach New York“ folgte Jörg Bausch der bekannten Reiseroute, machte den Fans, die ihren Liebling mit und ohne Transparente feierten, aber mehr als eine Liebeserklärung: „Mit euch will ich unsterblich sein“ lautete denn auch der Schlussvers von „Mit uns wird das ganz großes Kino“. Auch „Niemals zu alt für die ganz große Liebe“ von Andreas Martin war dem Altmeister des Schlagers gewidmet.

Auf Wunsch zahlreicher später dazugekommener weiblicher Fans absolvierte der unverschämt früh angesetzte „Der Benniii“ seinen Auftritt ein zweites Mal. Dabei versetzte der Nachwuchsstar die seitdem stark angewachsene Fanschar mit seinem jugendlichen Charme und den Titeln „Mona Lisa“ und dem Wunsch nach „Sieben Tage Sonnenschein“ in noch größere Begeisterung. Den Auftakt der Veranstaltung hatte Mike der Bademeister bestritten, der Benniii, Buddy, Axel Fischer, Jochen Bendel und die Show-Acts Remmi-Demmi-Boys und Reiner Irrsinn hatten die Stimmungskurve weiter hochgezogen, ehe Markus Becker auf sein rotes Pferd steigen konnte. Der von Moderator Jürgen Bangert als „Pandabär“ des Stimmungsschlagers angepriesene Act bereitete mit seinem von Jürgen Drews geschriebenen Hit denn auch den Boden für den Komponisten, der die Fans mit einer grandiosen Show durch die massive Regenfront lotste. Auch im weiteren Verlauf kam keiner der Show-Magneten und Schlagerhoffnungen um Komplimente für die 7500 unverdrossen feiernden Fans herum. Das bislang auf freche Remakes mit Niedlichkeitseffekt spezialisierte Duo „Schwesterherz“ bezauberte die feierfreudige Schlagergemeinde unter anderem mit einer gerappten Version von Juliane Werdings „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“ und einer Discofassung von „Wunder gibt es immer wieder“. War Jürgen Drews so etwas wie der Meister beider Welten, so erwies sich auch im weiteren Verlauf der Mix aus reinen Stimmungsacts und Interpreten mit eigener musikalischer Handschrift als Teil des Erfolgsrezepts von „Viva Willingen“. Mit Ballermann-Königin Anna-Maria Zimmermann und Norman Langen hatten die Veranstalter zunächst noch einmal zwei Interpreten an der Late-Night-Front aufgeboten, deren Repertoire gleichermaßen ans Herz appellierte wie an die Freude an der Bewegung. „Tanzen bis die Sonne wieder für uns scheint“ lautete die Message von „Sieben Wolken weit“, eine der sieben Sternstunden für die Fans von Frau Zimmermann. Norman Langen, der wie Jürgen Drews und Markus Becker vom La-vida-loca-Quartett tänzerisch begleitet wurde, nutzte seinen Auftritt für eine Premiere: „Ich wähl’ deine Nummer“ heißt der neue, von Matthias Reim verfasste Titel. Mickie Krause zum AbschlussAls nächstes und größtes Highlight in Sachen Show stürmte die Eurodance-Formation „Venga Boys“ die Bühne. Das Quartett um Kim Sasabone verzückte die Fans mit der klassischen Show und den Hits „We’re going to Ibiza“, „Shalala“, „Boom boom boom boom“, „Uncle John from Jamaica“, „Up & down“ und „We like to party“. Danach hieß es Bühne frei für Mickie Krause, der bis Mitternacht und darüber hinaus die passenden Hits für die vorgerückte Stunde zum Besten gab.

4361305

Kommentare