Berufsschüler üben und lernen mit Verkehrswachten Waldeck und Frankenberg

Fit für die Straße gemacht

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Auf Kollisionskurs: Christine sammelt Erfahrungen am Motorradsimulator, Aykut kommt auf dem Gurtschlitten zum unsanften Halt.

Korbach - Mit Schlittenfahrten, Simulator und Verrenkungen haben Korbacher Berufsschüler ihre Verkehrssicherheit trainiert.

„Hab ich jetzt einen Unfall gebaut?“, fragt Christine nach einer unübersichtlichen Situation am Motorrad-Simulator. „Ne“, erklärt Friedhelm Schieferdecker von der Verkehrswacht der Berufsschülerin, „kommt noch.“ An der nächsten Kreuzung verpasst sie knapp einen Radfahrer, einen virtuellen Passanten durchnässt sie beim Durchfahren einer Pfütze. Als sie aber mit 37 Stundenkilometern einen parkenden Bus passiert, überfährt sie einen Schüler. Dass Schieferdecker Recht behalten hat, soll Christine sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen: „Deshalb üben wir ja“, sagt er.

Unfall von Aufprall bis Befreiung geübt

Mehr als 400 Korbacher Berufsschüler schärfen mit Hilfe der Verkehrswacht Waldecker Land und der Ortsverkehrswacht Frankenberg ihre Sinne für die Risiken des Straßenverkehrs - oft am eigenen Leib: Mit sechs bis zehn Stundenkilometer fahren sie beim Gurtschlitten einem unsanften Halt entgegen - ohne Knautschzone entspreche das einem Aufprall mit etwa 40 Stundenkilometern, erklärt Ferdinand Hagenbach, Vorsitzender der Ortsverkehrswacht Frankenberg. Der Aufprall selbst sei halb so schlimm, versichern junge Testpersonen wie Aykut. Die Übung soll verdeutlichen, wie wichtig der Anschnallgurt ist - ohne die Sicherung wäre das Ende der Fahrt schmerzhaft. Wie wichtig der Riemen ist, zeigt auch der Überschlagsimulator. Die Verkehrswachtmitglieder drehen den voll besetzten Wagen auf den Kopf, die Mädchen folgen den Anweisungen, um sich ohne Verletzung zu befreien.

Richtig anschnallen, Ruhe bewahren und sich zur Vorbeugung von Genickverletzungen mit den Händen abstützen sind nur die ersten Schritte, danach mutet die Übung akrobatisch an: Sarah bewegt die Füße erst auf das Armaturenbrett, dann unter die Fahrzeugdecke, schließlich „läuft“ sie mit den Zehen nach vorne, bis ihre Beine sich unter ihr befinden und sie sich fallen lassen kann. „Mit den Füßen da dran zu kommen, war schwer“, verrät sie, „aber die Übung war interessant.“

Erkundung der eigenen Grenzen

Auch die Probleme des Alkohols am Steuer verdeutlichen die Verkehrswächter in Theorie und Praxis: Mit einer „Rauschbrille“ torkeln die Schüler bei Übungsspielen durch den Schulflur. Dort sind auch Infotafeln aufgestellt - neben wissenswerten wie bekannten Statistiken enthalten sie auch Erkenntnisse, die selbst einen erfahren Verkehrsexperten wie Ferdinand Hagenbach überrascht haben: Etwa, dass 24 Prozent der in Alkoholunfälle verwickelten Menschen Radfahrer sind.

Ihre Grenzen im nüchternen Zustand erkunden die Schüler bei Seh- und Reaktionstests. Dass es zu allererst auf die eigene Fahrtauglichkeit ankommt, hat schon Christine am Simulator festgestellt. Geradezu selbstmörderisch kreuzen Passanten und Radfahrer ihren Weg: „Warum läuft der einfach so über die Straße?“, empört sich Christine. „Wir wollen hier nicht die Schuldfrage klären, sondern schauen, wie du reagierst“, erklärt Friedhelm Schieferdecker die simulierte Achtlosigkeit.

Von Wilhelm Figge

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