Diemelsee: Schiedsmänner Herbert Grebe und Fritz Wilke ausgezeichnet

Streitigkeiten miteinander lösen

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Diemelsee - Bellende Hunde, Grenzabstände, zu hohe Bäume: Wenn Nachbarn sich wegen dieser und ähnlicher Dinge streiten, sind in Diemelsee die Schiedsmänner Herbert Grebe und Fritz Wilke gefragt. Beide engagieren sich seit zehn Jahren ehrenamtlich.

Schiedsmänner sind für Pierre Brandenstein, Direktor des Korbacher Amtsgerichts, wichtige Bindeglieder zwischen Justiz und Kommunen. Schiedsleute schlichten vor allem nachbarschaftsrechtliche, aber auch verschiedene zivil- und strafrechtliche Streitigkeiten außergerichtlich. Sie nehmen den Gerichten damit Arbeit ab.

„Schiedsmänner sind Ansprechpartner für die Bürger vor Ort“, betont Brandenstein. Um den Diemelseer Schiedsmann Herbert Grebe (Heringhausen) und seinen Stellvertreter Fritz Wilke (Rhenegge) für ihr zehnjähriges Wirken auszuzeichnen, kommt er am gestrigen Vormittag daher gern in die Adorfer Gemeindeverwaltung. Für den Juristen ist es ein Zeichen der Wertschätzung, die Ehrung dort vorzunehmen, wo das Ehrenamt ausgeübt wird.

Mit Urkunden bedankt sich der Amtsgerichtsdirektor im Namen der hessischen Justizverwaltung für den Einsatz - verbunden mit dem Wunsch „für eine weitere Tätigkeit“. „Die Amtszeit läuft im April ab, aber wir hoffen auf eine Fortsetzung“, schließt sich Bürgermeister Volker Becker an. „Wir machen aber nur im Gespann weiter“, stellt der 60-jährige Fritz Wilke, Bankangestellter im Vorruhestand, mit einem Lächeln klar.

Gewählt werden die Schiedsleute für fünf Jahre durch die Mitglieder der Gemeindevertretung. Das Amtsgericht als Dienstaufsicht benennt sie. Die Kosten für den ehrenamtlichen Einsatz trägt die Kommune.

Dass die Arbeit den beiden Diemelseern im vergangenen Jahrzehnt nicht zur Last gefallen ist, wird schnell deutlich, wenn sie zurückblicken: Beide sind stolz auf die zahlreichen Fällen, in denen sie einen Streit direkt vor Ort schlichteten. „Im Laufe der Zeit bekommt man schnell ein Gespür dafür, ob eine Vermittlung zwischen den Parteien möglich ist“, berichtet der 64-jährige Grebe, der knapp 40 Jahre in der Diemelseer Gemeindeverwaltung arbeitete. Die Menschen und die Verwaltungsabläufe zu kennen, sei ihm als Schiedsmann oft zugute gekommen, ergänzt der ehemalige Haupt- und Personalamtsleiter.

Ortskenntnisse und die Fähigkeit, auf die Leute zuzugehen, sind auch für Brandenstein das A und O. „In unserem Amtsgerichtsbezirk arbeiten viele Schiedsmänner so erfolgreich, weil sie die Fälle vor Ort miteinander lösen“, ist er überzeugt.

Wenn trotz aller Bemühungen keine Einigung zwischen den Parteien möglich ist, stellen Schiedsleute wie Grebe und Wilke die sogenannte „Sühnebescheinigung“ aus. Sie ermöglicht den Betroffenen, den Rechtsweg zu beschreiten.

Durchschnittlich fünf „offizielle Fälle“ pro Jahr zählten die Diemelseer in ihrer bisherigen Amtszeit. Hinzu kommen jährlich zehn bis fünfzehn „Tür- und Angelgeschäfte“. Als Beispiel für letztere nennt Grebe einen Nachbarschaftsstreit um eine einst gemeinsam gepflanzte Birke, deren Blätter der Wind aber immer nur auf eines der beiden Grundstücke trug. Bei einem Ortstermin schlichtete der Schiedsmann den Fall sprichwörtlich zwischen Tür und Angel. „Seitdem leben alle wieder in guter Nachbarschaft“, freut sich der bisherige und vielleicht auch neue Schiedsmann.

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