Georg Nagel aus Schmittlotheim sammelt seit den 50er-Jahren Pins aus der Landwirtschaft

Ein Stück Geschichte in der Schachtel

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Vöhl-Schmittlotheim - Er kennt alle, würde sie jederzeit wiedererkennen und weiß um ihre Geschichte: 2000 Pins stecken ordentlich sortiert in den Glaskästen von Georg Nagel. Seit fast 60 Jahren sammelt er die Schmuckstücke und jedes von ihnen hat einen Bezug zur Landwirtschaft.

Georg Nagel war gerade 16 Jahre alt, als er mit seinem Großvater seinen ersten Schlepper kaufte. Der hatte 22 PS, hieß Bauernschlepper und wurde damals von der Firma Deutz in Köln hergestellt. Bis heute hat Georg Nagel das Schmuckstück nicht abgemeldet. Der Oldtimer steht in seiner Garage und trägt statt des alten Kennzeichens aus der Besatzungszone das FKB-Schild aus den 60er-Jahren. Damals als junger Landwirt bekam Georg Nagel auch die erste Anstecknadel – eine rote, schlichte Nadel mit dem Logo der Firma Deutz. „Als Junge ist man stolz auf so eine Nadel gewesen“, erinnert sich der Schmittlotheimer. Dass er eines Tages 2000 verschiedene Exemplare in seinen Schubladen liegen haben würde, ahnte Georg Nagel damals nicht. Die rote Nadel wurde zur Seite gelegt und erst viele Jahre später fiel sie dem jungen Landwirt wieder ein. In einer landwirtschaftlichen Zeitschrift entdeckte er eines Tages, dass es offensichtlich Sammler in ganz Deutschland gibt, die sich den Werbe-Pins aus der Landwirtschaft verschrieben haben. „Ich nahm Kontakt mit einem Sammler auf“, erzählt Georg Nagel. Und das war die Stunde null seiner eigenen Sammelleidenschaft. Denn damals erkannte er, welche Welten ihm noch offenstanden. „Es gab Menschen, die hatten mehr als 1000 Pins“, erzählt Nagel schmunzelnd, „da dachte ich, das gibt’s doch nicht.“ Doch schnell füllten sich seine eigenen Schachteln. Sammler von Berlin bis Holland, von Hamburg bis München tauschten per Post ihre Pins mit ihm. Und immer mal wieder bekam er auch selbst welche geschenkt. Als sein Nachbar ein Busunternehmen eröffnete, machte Nagel den Busführerschein. Mehr als 40 Jahre lang chauffierte er auch seine Kollegen zu Besichtigungstouren von Landmaschinenfabriken und Messen in ganz Deutschland. „Dann stand ich mit den Kindern in einer langen Reihe, um die neuste Nadel zu bekommen“, erinnert er sich lachend.Und immer brachte er eine neue Nadel mit nach Hause. Manche Firmen gibt es heute­ gar nicht mehr, andere wurden aufgekauft. Und so befindet sich in den Schachteln auch ein Stück Zeitgeschichte. Die älteste Nadel stammt aus den 50er-Jahren und wurde damals von der Firma Fendt hergestellt. Sie ist inzwischen ein bisschen dunkel geworden und zeigt einen alten Schlepper. Ihr Wert dürfte wohl bei rund 100 Euro liegen. Daneben liegt die neueste Nadel der gleichen Firma. Die hat der 75-Jährige im vergangenen Jahr aus Hannover mitgebracht – Kostenpunkt: 1,50 Euro. „Sehr modern“, sagt der Schmittlotheimer schmunzelnd. Dazwischen liegen zeitlich gesehen rund fünf Nadeln des Unternehmens, die nicht nur Aufschluss über neue Landmaschinentechnik, sondern auch über Marketingstrategien der Firmen geben. Und gibt es noch eine Nadel, von der Georg Nagel träumt? „Eine gibt es da schon“, sagt er. Die hat er in einem Katalog gefunden und kostet mehr als 100 Euro. Die Firma Niemeyer hat einst mit der Nadel, die vier Sternräder zeigt, für ihren Heuwender geworben. „Die anderen Nadeln habe ich fast alle“, sagt Nagel, „aber nach dieser hier werde ich noch ein bisschen suchen.“

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