Vincent Geisert aus Dorfitter gehört zu einem „Stormchaising“-Team

Sturmjäger trotzt Wind und Wetter

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Vöhl-Dorfitter - Wenn es blitzt und donnert, wenn der Hagel prasselt und ein Sturm aufzieht, dann ist Vincent Geisert in seinem Element. Dann packt der „Sturmjäger“ seine sieben Sachen und macht sich mit seinem Team auf eine spannende Reise.

Früher, wenn die Regentropfen gegen die Fensterscheibe donnerten und die Blitze den Himmel erhellten, dann stand der kleine Vincent mit großen Augen an der Fensterscheibe und konnte gar nicht genug bekommen von diesem Spektakel. „Das Wetter hat mich schon immer gefesselt“, sagt er heute. Doch wenn der Himmel heute zuzieht und in den Foren von Unwettern die Rede ist, dann stellt sich der 30-Jährige nicht mehr staunend hinter die Fensterscheibe. Dann zieht er sich eine warme Jacke an, schnappt sich seinen Karton mit Windmesser, Kameras und Laptop und stürzt sich Mitten ins Wetter.

Der Ruf des Wetters

Meistens hat der junge Mann aus Dorfitter dabei Unterstützung: Denn Vincent Geisert gehört zum „Stormchaising-Team Harz-Heide“. Sechs Wetterbegeisterte folgen in dem kleinen Verein seit sechs Jahren dem Ruf des Wetters durch ganz Deutschland. Bevor sie sich selbst auf den Weg machten, nahmen sie an einer Internetschulung teil, bei der sie die wesentlichen Informationen zum Sturmjagen bekamen.

„Natürlich geht die Arbeit vor“, sagt Vincent Geisert, „aber immer wenn es uns möglich ist, pflegen wir dieses Hobby“. Richtig planbar ist es nicht, am Tag vor einem Unwetter aber beginnen die Beratungen im Team und mit professionellen Meteorologen.

Mit seinem Auto macht er sich dann auf den Weg. An der Autoscheibe befestigt er das Stativ für die Kamera, auf den Beifahrersitz montiert er den Laptop. Fürs erste wird dann spekuliert: Modellläufe zeigen, wo sich Unwetter aufbauen, Forenmitglieder berichten von auffälligen Wolken oder ersten Regentropfen und schon ahnen die Sturmjäger, in welche Richtung es geht. „Wenn man weiß, worauf man achten muss, dann erkennt man ein Unwetter lange bevor es losgeht“, sagt Geisert. Hilfe bekommt er dabei vom Niederschlagsradar. Das misst Regentropfen in vielen Kilometern Entfernung und gibt Meldung an den Autofahrer.

Aufregendes Fotoalbum

„Meine Aufgabe ist es dann, mich seitlich vor das Wetter zu setzen“, sagt Geisert. „Ein bisschen wie beim Spielfilm Twister“, fügt er dann schmunzelnd hinzu. Einem Tornado allerdings ist Vincent Geisert bisher noch nicht begegnet. „Das steht noch aus“, sagt er und fast beginnen seine Augen ein bisschen zu leuchten.

Gewitter, Regen, Stürme und schlimme Hagelstürme hat Geisert aber schon gesehen. Mit seinem Windmesser, den er dank Magnettechnik am Auto befestigt, der Digitalkamera und der Digicam bewaffnet, stand er dann fast mittendrin und staunte. Stürme mit einer Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometern und Hagelkörner, die so groß waren wir Tennisbälle: Viele Unwetter hat Geisert schon aufgespürt. „Dann geht es darum, möglichst gute Fotos und Videos zu machen, das ist unser Anspruch“, sagt der 30-Jährige. Denn auf der Internetseite des Teams zeigen die Sturmjäger das Ergebnis ihrer Arbeit.

Infos für den Wetterdienst

Und auch dem Deutschen Wetterdienst können die ehrenamtlichen Hobby-Meteorologen zuweilen zuarbeiten. „Wir melden außergewöhnliche Daten an eine Hotline“, erklärt der Dorfitteraner, der eigentlich aus Hannover kommt. Die Informationen, die dort eingespeist werden, nutzt dann auch der Wetterdienst. „Wir haben genaue Regeln, welches Wetter wir dort melden“, erklärt der Wetterbeobachter. Stürme, die schneller werden als 90 Stundenkilometer oder Hagelkörner, die größer als 2,5 Zentimeter sind, interessieren zum Beispiel die Mitarbeiter der Hotline.

Manchmal durchnässt bis auf die Haut, aber mit einmaligen Bildern im Gepäck kehrt Vincent Geisert dann nach Hause zurück.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.skywarn.de und www.stormchasing-harz-heide.de.

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