Dr. Jürgen Römer tritt im Kümmell-Kunstladen auf

Mit Stuzzel und Gitarre das Publikum begeistert

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Vielseitge Begabungen: Dr. Jürgen Römer unterhielt seine Gäste mit musikalischem Talent und gab eine Kostprobe aus seinem Roman — als Kulisse wählte er seine Fotografieausstellung.Foto: Graf

Korbach - Zum lustigen „Nahmnd!“ hatte Dr. Jürgen Römer am Mittwoch in den Kümell-Kunstladen eingeladen - dort läuft gerade eine Ausstellung mit seinen Fotografien. Im Kunstladen begeisterte er sein Publikum mit fetzigen bis gefühlvollen Lieder auf der Gitarre und einer Lesung aus seinem Roman „Stuzzel“.

Wer dachte, er könne sich an diesem Abend im Kunstladen nur gemütlich zurücklehnen, lag falsch: Gleich zu Beginn sollten die Zuhörer selber aktiv werden und mitmachen, bei einer zusammenhangslosen „Dada-Lesung“ aus Jürgen Römers Roman. Dabei lasen die Besucher nacheinander einen beliebigen Satz vor. Das sehr „vergängliche Kunstwerk“, wie Dr. Jürgen Römer es beschrieb, lockerte die Runde auf.

Spontane Liederwahl von Rock bis Eigenkomposition

„We shall overcome“ war dann das erste Lied des Abends und alle Anwesenden wurden hierbei zum Mitsingen aufgefordert. Weiter ging es mit der Gitarre und Jürgen Römers spontaner Liederwahl. Viele der Stücke, die der Historiker aussuchte, begleiteten ihn durch seine Kindheit und Jugend, jedoch spielte er sie stets in eigener Interpretation. Das Repertoire des Hobbymusikers reichte von Reggaesongs wie „No woman, no cry“ über rockiges von den Rolling Stones bis hin zu einer eigenwilligen Interpretation des „The Who“-Hits „Behind blue eyes“, bei dem der Sänger anstatt der blauen, seine braunen Augen in den Vordergrund stellte.

Die Aktivität des Publikums war bei dem Titel „ Is she really going out with him?“ von Joe Jackson wieder ein mal gefragt, denn Jürgen Römer bat hier an bestimmten Stellen um Zurufe. Bereitwillig ließen sich die Zuhörer darauf ein. Obwohl der Hobbymuiker das letzte Mal vor mehr als 35 Jahren vor Publikum gespielt hatte, klappte an diesem Abend alles bestens.

Mit Stuzzel nach Schweden reisen

Auch die Lesung aus seinem 2010 erschienen Roman „Stuzzel: Schelm und Bruder“ kam gut an und weckte Neugierde. Der Roman um den Titelhelden „Stuzzel“ spielt im Mittelalter und erzählt von dem ereignisreichen Leben eines reisenden Mönchs. Er befasst sich mit theologischen Problemen, „hat aber auch viele lustige Szenen“, sagte Jürgen Römer. Er las ein zentrales Kapitel, in dem Stuzzel auf einer schwedischen Insel strandet und dort auf den Einsiedler Petrus trifft, der ihn für einige Zeit bei sich aufnimmt.

Anschließende Fragen der Zuhörer beantwortete der Autor gerne. Mit einem Lächeln auf den Lippen sagte er über seinen Roman: „Immer wenn es besonders Ernst wird, darf man dem Buch nicht alles glauben.“

„Gibt es uns denn überhaupt?“

Der Historiker ist seit 2012 Fachdienstleiter der Dorf- und Regionalentwicklung beim Landkreis Waldeck-Frankenberg. An diesem Abend glänzte er aber vor allem mit seiner Gitarre und legte nach der Lesung noch ein mal richtig los. Diesmal unter anderem mit einem selbstgeschriebenen Lied. „Gibt es uns denn überhaupt?“ war die zentrale Frage seines selbstkomponierten Werkes, in dem es um eine Bekanntschaft aus dem Internet geht, um Freundschaft und Einsamkeit.

Zum Abschluss des Abends waren erneut die Zuhörer gefragt: Passend zum 200. Todestag des Lyrikers Matthias Claudius stimmte der Gastgeber „Der Mond ist aufgegangen“ an.

Noch bis zum 14. Februar ist die Fotografieausstellung von Jürgen Römer im Kümmell-Kunstladen geöffnet. In der Prof.-Kümmell-Straße 9 stehen allen Interessenten die Türen jeweils samstags von 10 bis 13 Uhr und nach Absprache offen.

Von Nadine Graf

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