Für Ensemble der Freilichtbühne Korbach beginnt Haupt-Probenphase

Auf der Suche nach den Charakteren

+
504915-20120326211000.jpg

Korbach - Der Text ist schon so halbwegs im Kopf und nun kommt die Rolle in Bewegung. Das Ensemble der Freilichtbühne hat am Wochenende die zweite Probenphase für die Aufführungen "Die Feuerzangenbowle" und das Kinderstück "Nora Drachenbezwingerin" eingeläutet.

"Wir haben bisher nur den Text gelernt, deshalb wisst ihr nun, was zu tun ist, aber in den kommenden Tagen sollt ihr kennenlernen, warum etwas zu tun ist", sagt Regisseur Jens Lessing den Schauspielern vor Beginn dieses viertägigen Intensivkurses im Bürgerhaus. Er und der extra wieder aus Wien angereiste Theaterprofi Günther Treptow arbeiten gemeinsam mit den Schauspielern vor allem an den Charakteren der Rolle.

"Ein Schenkelklopfer"

Seit Oktober beschäftigen sich Lessing und die Schauspieler mit dem Lustspiel, das vermutlich jeder durch den Film mit Heinz Rühmann kennt. Vorlage ist der Roman von Heinrich Spoerl aus dem Jahr 1933. Viele Dinge wie etwa Kostüme oder Requisite sind noch ungewiss, aber eins wissen die Akteure der Freilichtbühne heute schon. "Das wird ein Schenkelklopfer", sagt der Vereinsvorsitzende Volker Thielemann, der als Lehrer auf der Bühne stehen wird. "Wir haben bei den Proben viel Spaß und müssen selbst oft lachen." Die Zuschauer sollten aber keine Kopie von dem Film erwarten, aber einen schönen Abend, erklärt der Vorsitzende, und Lessing konkretisiert: "Wir bringen eine Mischung aus Spielfilm und Roman auf die Bühne." Noch müssen sich die Zuschauer aber rund drei Monate gedulden, denn erst ab dem 16. Juni lautet bei der Premiere die Frage: "Wat is’n Dampfmaschin’?"

Szenenwechsel. Freilichtbühne, Samstagnachmittag, 24. März, eine Kinderschar läuft, sitzt, geht und steht auf der Freilichtbühne. Dieser Termin geht vielleicht in die Vereinsgeschichte ein. "So früh waren wir in unseren 75 Jahren noch nie auf der Bühne", sagt Thielemann. Derweil sind die rund 40 Darsteller im Alter von vier bis 45 Jahren in der Aufwärmphase für die Probe ihres Stückes "Nora Drachenbezwingerin" von Lena Hach, das ebenfalls am 16. Juni Premiere hat. Jeder kennt das Warmmachen im Sport - damit sollen die Muskeln locker werden. In der Aufwärmphase eines Schauspielers soll der Akteur hingegen körperlich nicht locker werden, sondern Spannung aufbauen. Regisseur Thorsten Heck und Günther Treptow haben sich dafür das Spiel Hip-hop-yeah ausgedacht, bei dem sich alle auf der Bühne bewegen und wenn Heck eines der Signalwörter "hip", "hop" oder "yeah" ruft, soll jeder eine Pose einnehmen und darin verharren, bis Heck ein neues Signal gibt.

Die Kinder proben das Stück seit Anfang Dezember. Für Heck ist jetzt vor allem ein Ziel wichtig: "Wir haben bisher nur in Räumen geprobt und jetzt kommt diese große Bühne. Die Kinder müssen jetzt lernen, den gesamten Raum für ihr Spiel auszunutzen." Auch viel Fantasie ist jetzt gefragt, denn Heck zeigt den Akteuren, wo bald ein Haus oder eine Drachenhöhle auf der Bühne stehen wird, aber noch sind diese Requisiten nicht da, aber jeder Darsteller muss sie bereits jetzt für seine Wege auf der Bühne mit einplanen. Zu dem Stück sagt Heck vorerst nur eines: "Es lebt nicht so sehr vom Inhalt, sondern mehr von den Charakteren." Und die gilt es in den kommenden Wochen zu entwickeln, sie in die Schauspieler fließen zu lassen, damit sie auf der Bühne sichtbar zum Leben erweckt werden.(r)

Kommentare