Gelungene Theateraufführung der Korbacher Gymnasiasten

Die Suche nach dem guten Menschen

Korbach - Eine rundum gelungene Darstellung des „guten Menschen von Sezuan“: Die Theater-AG der Alten Landesschule schaffte es, aus den vielen Einzel-
 charakteren des Stücks eine Einheit werden zu 
lassen.

Drei Götter, eine Mission: gute Menschen auf der Welt zu finden. Auf ihrer Reise kommen sie in den kleinen Ort Sezuan und suchen fast vergeblich mithilfe von Wasserhändler Wang (gespielt von Johanna Marie Engemann) ein Obdach. Am Ende werden sie nur bei der Prostituierten Shen Te (Xenia Rachmann) fündig, die, obwohl sie Geldsorgen hat, auch ihr letztes Hemd für die Armen gibt. Von den Göttern (Jonathan Schanner, Kai Wege und Niklas Johannsen) erhält sie zum Dank eine große Summe Geld, was ihr jedoch zum Verhängnis werden soll. Als bekannt wird, dass Shen Te zu Geld gekommen ist, von dem sie sich einen kleinen Tabakladen kauft, stehen plötzlich noch mehr Bittsteller vor ihrer Tür. Und weil sie einfach nicht Nein sagen kann, gerät die „Neureiche“ bald wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Um sich daraus zu retten, erfindet sie einen Vetter namens Shui Ta. Immer dann, wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht, schlüpft sie in seine Rolle, die dem Gegenteil ihres eigenen Charakters entspricht. Shui Ta ist herrschsüchtig und profitorientiert und in seiner Rolle baut Shui Ta eine erfolgreiche Tabakfabrik auf. Ihre wahre Persönlichkeit will allerdings noch immer anderen helfen und sie verliebt sich in Yang Sun, den sie vorm Selbstmord bewahrt. Dieser will sie allerdings auch nur ausnutzen, um eine neue Stelle als Flieger in Peking antreten zu können. Als die Hochzeit platzt und Shen Te zu allem Überfluss auch noch bemerkt, dass sie schwanger ist, ist es Zeit für Shui Ta, das Ruder zu übernehmen... Das Chaos ist perfekt Dieser macht sich bei allen Freunden Shen Tes unbeliebt und wird am Ende sogar wegen Mordes an ihr angeklagt. Als das Gericht nun auch noch aus den drei Göttern besteht, die Shen Te zu Beginn aufnahm, ist das Chaos perfekt und sie offenbart ihnen, dass sie Shen Te und Shui Ta zugleich ist. Eine wirkliche Lösung finden sie nicht – die Götter wollen schließlich die Regeln lockern, um ihre Mission für erfolgreich beendet erklären zu können. Drei Stunden lang gingen die Zuschauer in der Aula den Weg mit Shen Te gemeinsam. Das ganze Ensemble schaffte es, überzeugende Emotionen auf die Bühne zu bringen. Die Verzweiflung des betrügerischen Wasserhändlers Wang, der eigentlich doch sein Herz auf dem rechten Fleck hat, die Hilfsbereitschaft Shen Tes, die oft naive Züge trägt, ihr Mutterglück, ihre unbeantwortete Liebe und Zerrissenheit, Hinterhältigkeiten von ihren angeblichen Freunden – Momente zum Mitfühlen. Exzellent einstudiert und fast ohne Patzer brachte die Theater-AG des Korbacher Gymnasiums, geleitet von Gabriele Sommer, das Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertolt Brecht auf die Bühne. Nach monatelangem Proben ging es nach Ostern in die heiße Phase, zwei Probenwochenenden mit bis zu zehnstündigen Übungseinheiten standen auf dem Plan. Der Aufwand wurde mit reichlich Applaus der Zuschauer belohnt. Echte Herausforderung „Der gute Mensch von Sezuan“ war das zehnte Stück, das Gabriele Sommer in der Alten Landesschule auf die Bühne brachte. Mit der gemeinschaftlich getroffenen Stückauswahl hatten sie und ihre Mitstreiter sich vor eine große Herausforderung gestellt, vor allem wegen der umfangreichen Texte, die die Schüler neben Lern- und Abiturstress verinnerlichen mussten. Umso glücklicher waren alle am Ende, dass alles so gut gelaufen war. Alle zogen für das Gelingen des Theaterstücks an einem Strang, die 22-köpfige AG präsentierte sich als wahre Einheit. Unterstützung fand sie unter anderem bei der Freilichtbühne Korbach, die Kostüme bereitstellte, Michael Stiller und seinem Kunst-LK, der die Plakate entwarf, Technikern aus der Schülerschaft und den Hausmeistern. Olaf Schillmöller komponierte eigens für die Inszenierung ein Stück. Ein besonderes „Team“ bildete die Einheit der drei Götter. Die drei Schüler harmonierten perfekt miteinander und auch Xenia Rachmann und Johanna Marie Engemann bildeten ein unschlagbares Gespann auf der Bühne.Das offene Ende des Stücks rundeten die Darsteller selbst ab: Wang, der als Kontaktperson zu den Göttern quasi eine Schlüsselrolle einnahm, forderte die Zuschauer dazu auf, sich doch einmal Gedanken zu machen, ob es gute Menschen gibt und ob sie selbst gute Menschen sein könnten. Nicole Schäfer

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