Heimgeleuchtet

Südschiene

- Die Bahn treibt bei uns doch immer wieder schrille Blüten. In Arolsen mussten die Gleise vor über 120 Jahren einen weiten Bogen um die Residenzstadt machen – der Legende nach weil die Fürstenfamilie damals um die weiße Wäsche fürchtete.

So weihte Kaiser Wilhelm II. den Bahnhof dann eben in Helsen ein. Für uns Korbacher war die Bahn seit 1893 allerdings ein Segen, denn die Dampfrösser öffneten uns die weite Welt. Und ohne die Gleise wäre wohl auch das Gummiwerk niemals bei uns gebaut worden. So gesehen sollten wir Generationen von Lokomotivführern posthum noch ein Denkmal setzen, denn sie waren entscheidende Triebkräfte für die neue Blüte der alten Hansestadt. Auch unten am Südbahnhof soll sie ja bald wieder durchrollen, wie Kurhessenbahn, Nordhessischer Verkehrsverbund und Landkreis jüngst entschieden haben.

Nein, nicht nur, um den Frankenbergern mehr Möglichkeiten zu geben, in Korbach Kreisstadtluft zu schnuppern. Zugleich soll Conti die Gleise wieder stärker für den Güterverkehr nutzen können. Die neue Hauptstadtlinie schmeckt den Frankenbergern aber ganz und gar nicht. Dort geht nicht nur der Iller-Bürgermeister auf die Barrikaden, sondern für Autofahrer mitten in der Stadt auch die Schranke runter, wenn Züge aus Korbach dereinst wieder durchfahren.

Vielleicht sollten wir Korbacher deshalb den Bewohnern in der ehemaligen Kreisstadt das Bahnprojekt ein wenig schmackhafter machen: Conti könnte beispielsweise vor den Frankenberger Schranken mobile Verkaufsstände und fachmännischen Reifenservice anbieten. Auch die starke waldeckische Baubranche dürfte voller Ideen stecken, um das Bahnvorhaben im Süden auf die Schiene zu bringen. Schon soll es in Korbacher Ingenieursbüros erste Pläne geben für einen vierspurigen Tunnel unter der Eder, zusätzliche Brücken – oder gar einen Eisenbahnviadukt, der sich als Wahrzeichen der Moderne über die Ederauen spannt …

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