23 Betriebsratsmitglieder wollen sich für Standortsicherung einsetzen

Super-Wahljahr bei Continental

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Sechs von 23 Betriebsratsmitgliedern werden für ihre Arbeit freigestellt: Vorsitzender Jörg Schönfelder (2.l.), sein Stellvertreter Björn Schöffl (l.), Arno Goos, Steffi Sonntag, Michael Till, Hans-Peter Wittmar. Volker Hansmann (r.) setzt sich bei Continental für Schwerbehinderte ein und ist für das Thema Sucht zuständig.

Korbach - „Es ist das Superwahljahr der Mitbestimmung“, erklärt Betriebsratsvorsitzender Jörg Schönfelder. Die 3346 wahlberechtigten Conti-Mitarbeiter waren nicht nur zur Aufsichtsratswahl eingeladen, sondern auch zur Betriebsratswahl. Die meisten setzten dabei auf bereits bekannte Gesichter.

2452 Continental-Mitarbeiter machten in der letzten Märzwoche ihre Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Das Ergebnis zeigte deutlich: In den vergangenen vier Jahren waren die Arbeitnehmer mit ihrer Vertretung zufrieden. Vor allem die sechs freigestellten Betriebsratsmitglieder bekamen ungewöhnlich viele Stimmen. Insgesamt 23 Mitglieder hat die Arbeitnehmervertretung bei Continental, ihr Vorsitzender bleibt Jörg Schönfelder. Zweiter Vorsitzender ist Björn Schöffl. Arno Goos, Steffi Sonntag, Michael Till und Hans-Peter Wittmar werden ebenfalls für ihre Betriebsrats-Arbeit freigestellt.

Standort sichern

„Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter nicht nach Listen, sondern nach Persönlichkeiten wählen“, erklärt Schönfelder das Wahlverfahren. Deswegen seien die insgesamt 70 Kandidaten alle auf einer Liste angetreten. 23 von ihnen gehören nun zum neuen Betriebsrat, der sich größtenteils durch bewährte Arbeitnehmervertreter auszeichnet. Nur drei Gesichter sind neu. Die Wahlbeteiligung stieg von rund 68 Prozent auf 73,28 Prozent.

In den Aufsichtsrat der ContiTech Schlauch wählten die Mitarbeiter Karin Bangert und Björn Schöffl. Währenddessen entschieden sich 450 Delegierte für Jörg Schönfelder, der die Korbacher weiterhin in der Continental AG vertreten soll.

„In erster Linie geht es bei unserer Arbeit um die Standortsicherung und damit um die Beschäftigungssicherung“, erklärte Schönfelder. Dazu gehören etwa Gespräche über die Neuregelungen für Qualifizierungsprogramme. Auf der einen Seite sollen auf Wunsch der Unternehmensleitung Lohnkosten gespart werden, indem für Qualifizierungen Urlaub genommen werden soll. Auf der anderen Seite sollen so aber deutlich umfassendere Maßnahmen möglich werden. „Wie wir dieses Projekt konkret ausgestalten, wird eine Fragestellung für die kommende Amtszeit werden“, erklärte Schönfelder.

Verträge neu aushandeln

Auf der Tagesordnung für den Betriebsrat steht außerdem der Umgang mit einem neuen Strukturprogramm, das es inzwischen für Conti-Tech gebe. Der Markt habe sich verändert, so seien Schläuche etwa bei der Servolenkung von der Elektronik abgelöst worden, und Conti-Tech fehlten Nachfolgeprodukte, die diese Lücken füllen könnten. Außerdem befinde sich die Automobilbranche weiterhin in der Krise und der Verlagerungsdruck für Betriebsstätten sei groß. „Langfristig werden wir in diesem Bereich also Beschäftigung verlieren“, zitierte Schönfelder aus dem Strukturprogramm. Die Lage sei nicht dramatisch, Kündigungen seien nicht geplant, aber dennoch müsse sich der Betriebsrat mit den Zukunftsfragen beschäftigen.

Das gelte auch für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter: 2015 laufe die Standortsicherungsvereinbarung für die Reifen-Sparte, ein Jahr später für Conti-Tech aus. Mit der Vereinbarung haben sich die Mitarbeiter bisher bereit erklärt, statt 37,5 Stunden 40 Stunden zu arbeiten. Im Gegenzug gab es Zusagen für Investitionen und Auslastungen. „Diese Verträge müssen nun neu ausgehandelt werden“, kündigte der Betriebsrat an.

Auch Mitarbeiter, die nach vielen Jahrzehnten in Nachtschichten die Belastung nicht mehr aushalten könnten, und das hohe Maß an Flexibilität, das von den Beschäftigten gefordert sei, haben die Betriebsratsmitglieder im Blick. „Außerdem müssen wir Wege finden, um auch Teilzeitstellen möglich zu machen“, so Schönfelder, „den Menschen wird eine Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer wichtiger“.

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