Stichprobe: So sicher sind die WLAN-Netzwerke der Korbacher

Wo „Susie“ und „Cheffe“ surfen

Korbach - Offene oder schlecht gesicherte Funknetzwerke (WLAN) machen es Kriminellen leicht. Eine halbstündige Autofahrt mit dem Smartphone quer durch die Stadt zeigt auf, ob sich die Korbacher der Risiken bewusst sind.

Die gute Nachricht: Alle der rund 100 von WLZ-FZ stichprobenartig überprüften Funknetzwerke sind nach dem relativ sicheren WPA2-Verfahren verschlüsselt. Anscheinend wissen die Korbacher, was ihnen ansonsten blühen könnte: Ein Unbefugter könnte beispielsweise auf das Konto des Zugangsbesitzers im Internet surfen, Daten von der Festplatte stehlen oder verändern oder – schlimmer noch – den angezapften Computer nutzen, um etwa Kinderpornografie zu verbreiten. Router-Hersteller machen Verschlüsselung zum Standard Studien diverser IT-Sicherheitsunternehmen zufolge waren noch vor wenigen Jahren bis zu 70 Prozent der privaten Funknetzwerke unverschlüsselt. 2009 etwa hatte ein „Schwarzsurfer“ in Lelbach Computerbesitzer aufgeschreckt. Mittlerweile gibt es kaum noch offene Netzwerke – was auch daran liegt, dass die Router-Hersteller die Verschlüsselung zur Standardeinstellung gemacht haben. Um WLAN-Netze zu überprüfen, muss auf dem Smartphone oder Laptop einfach die Suchfunktion für drahtlose Netzwerke aktiviert werden. Bereits nach wenigen Minuten enthüllen fremde WLAN-Router ihren Netzwerknamen (SSID) und die Art der Verschlüsselung. Die erste Entdeckung bei der Rundfahrt durch die Stadt: Die meisten Korbacher haben es bei den Werksbezeichnungen wie „Fritzbox“, „UPC“ oder schlicht „WLAN“ belassen. Bei „Roman“ und „Susie“ dürfte es hingegen den Nachbarn sofort klar sein, wer der Besitzer des Netzwerks ist. Einer outet sich als „HomerSimpson“-Fan, ein anderer macht mit „Cheffe“ klar, wer hier das Sagen hat. Auch kleine Werbebotschaften werden verbreitet: „KOCOS Friend of Energy“ sendet ein Router aus. Viele verwenden ihren Nachnamen oder Straßennamen. Nur drei der getesteten Netzwerke haben ihre SSID verborgen. Ein Trend hat sich in Korbach aber offenbar noch nicht durchgesetzt: So manche Nachbarn machen ihrem Ärger übereinander mittels WLAN-Namen Luft. Dies haben die Nutzer des sozialen Netzwerkes Reddit gezeigt, die eifrig kuriose Netzwerknamen sammelten. Viele davon eigneten sich auch, um störende Nachbarn zurechtzuweisen. So nannte ein entnervter Nutzer sein WLAN „Hör verdammt noch mal auf, Pingpong zu spielen“. Eine Verschlüsselung ist der wichtigste Weg, um das eigene WLAN-Netzwerk sicherer vor Eindringlingen zu machen. Noch weitere Tipps gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (siehe Hintergrund). Wer der Funktechnik trotzdem nicht traut und auf Nummer sicher gehen will, sollte prüfen, ob nicht ein kabelgebundenes Netzwerk möglich ist. Als eine Alternative zum WLAN bietet sich außerdem ein sogenanntes DLAN an, das auch unter den Bezeichnungen PowerLAN oder HomePlug verkauft wird. Dabei werden die Daten über das Hausstromnetz übertragen. Lediglich eine Steckdose muss in der Nähe sein, an die ein Adapter angeschlossen wird.

Hintergrund:

WLAN ermöglicht viel Freiheit beim Surfen im Netz, macht es aber auch Eindringlingen einfacher. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt Tipps für mehr Sicherheit: l Betreiben Sie kabellose Verbindungen grundsätzlich nur mit aktivierter Verschlüsselung. Nutzen Sie dabei nach Möglichkeit das WPA2-Verfahren. l Achten Sie dabei unbedingt auf die Wahl eines sicheren Passwortes. Es sollte mindestens aus 20 Zeichen bestehen. l Beschränken Sie den Zugang zu Ihrem Funknetzwerk durch die Einstellung zulässiger MAC-Adressen. Hinweise dazu finden sich in den jeweiligen Bedienungsanleitungen. l Ändern Sie das Passwort des Routers. Geschieht das nicht, kann jeder mit dem Standardpasswort des Herstellers mit Administratorenrechten auf den Router zugreifen und ihn nach seinen Wünschen konfigurieren. l Stellen Sie die Sendeleistung des WLAN-Routers so ein, dass Sie noch problemlos Signale empfangen können, die Sendeleistung jedoch nicht allzu weit darüber hinaus reicht. l Schalten Sie Ihr WLAN für andere unsichtbar, und begrenzen Sie die Zugriffsmöglichkeiten. Wireless Router senden Netzwerk-Namen, die für alle anderen „im Netz“ sichtbar sind. Schalten Sie diese Funktion (den sog. Broadcast) ab. Ihr WLAN-Netzwerk ist so nur für Sie selbst sichtbar. Unberechtigte Dritte könnten es nur noch über eine Spezial-Software sehen. l Der Netzwerkname sollte möglichst keine Rückschlüsse auf Sie erlauben (durch Name, Straße, Wohnort usw.) und auch nicht den Herstellernamen und Gerätetyp enthalten.l Einfach, aber effektiv: Wenn Sie nicht im WLAN aktiv sind, dann schalten Sie es ab – das ist der beste Schutz gegen Eindringlinge.

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