Jung, Schwill und Lungwitz singen in Flechtdorfer Klosterkirche

Symbiose von Licht,Stein,Wort und Ton

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Sorgten für einmalige Stimmung im alten Kloster: Thomas Schwill, Eberhard Jung und Georg Lungwitz vor raffiniert beleuchtetem Gemäuer.

Diemelsee-Flechtdorf - Zu einem Konzert voller Überraschungen hatte der rührige Förderverein Kloster Flechtdorf in die prächtig illuminierte Klosterkirche und den ehemaligen Kreuzhof des Klosters geladen, und viele waren gekommen.So groß war der Andrang, dass Stühle herbeigeschafft werden mussten und eine Reihe von Zuhörern trotzdem nur einen Stehplatz fanden.

Einmal mehr bewiesen die drei Vollblutmusiker aus der Alten Schule Lelbach - Eberhard Jung, Thomas Schwill und Georg Lungwitz - dass sie musikalische Allrounder sind.

Gregorianische Choräle

Hatten sie bei den letzten Bad Arolser Barockfestspielen mit frechen, frivolen und mit Wiener Schmäh gewürzten Operettenmelodien das Publikum in der ausverkauften Reitbahn begeistert, präsentierten sie sich im ersten Teil des Flechtdorfer Konzertes am Freitagabend mit gregorianischen Chorälen, also mit einstimmigen lateinischen Gesängen, wie sie die Benediktinermönche zur Blütezeite des Flechtdorfer Klosters psalmodiert haben mögen.

Auch die kürzlich renovierte Vogt-Orgel kam zu Ehren: Georg Lungwitz interpretierte eine Komposition von Buxtehude und Eberhard Jung präsentierte eine Orgelmesse eines gewissen Theodor Grünberg (1756 - 1820). Mit dem Choral zu vier Stimmen „Hinunter ist der Sonne Schein“ von Melchior Vulpius (1609) schloss der erste Teil.

Zu den drei Herren aus Lelbach hatte sich die Flechtdorfer Pfarrerin Claudia Frank gesellt und sie wusste sich neben den drei „Profis“ gut zu behaupten. Verantwortlich war sie auch für die Auswahl und Lesung der Texte: einige zentrale Bibelstellen im ersten Teil und nachdenklich machende Verse moderner Autoren („Eine kleine Frist“ des Holländers Herman van Veen beispielsweise oder „Das ist unsere Zeit“ von Johannes Falk/Winnie Schweitzer) im zweiten.

Lob den Beleuchtern

Ein buntes Programm erlebten die Zuhörer im zweiten Teil des Abends „open air“ im ehemaligen Kreuzhof des Klosters neben der Klosterkirche in einer ganz einmaligen Stimmung. Die Mauern des Klosters wurden passend zum Programm beleuchtet und in Szene gesetzt. Die beiden Lichttechniker hatten offensichtlich ganze Arbeit geleistet. „Die Herren in Schwarz, die selbst meistens im Dunkeln sitzen, aber für das richtige Licht sorgen“ - so der Vorsitzende des Fördervereins - erhielten viel Beifall.

Was es im zweiten Teil zu hören gab? Kunstvolle Musik der Renaissance, ein derbes Trinklied, ein besinnliches Abendlied, eine Puccini-Arie bis hin zu den Ohrwürmern „Scarborough Fair“ und „Bridge over troubled water“ von Simon and Garfunkel. Abwechslungsreich war das, was es zu hören gab, und unterhaltsam, nie lärmend.

Laute Töne hätten nicht in den Kreuzhof gepasst. Um so besser passte hierher der Segen, mit dem die Zuhörer entlassen wurden, und das gemeinsame Schlusslied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius. Die Stimmung dieses Liedes machte friedfertig und milde und ließ auch überkritische Nörgelfritzen schnell vergessen, dass nicht alle Töne ganz „comme il faut“ waren.

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