Mieterverein will Mieter zu Selbsthilfe befähigen · Im äußersten Fall „Rechtsschutz“

„Täuschung trifft Gutgläubigkeit“

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Nebenkosten belasten Mieter: Heizungsrechungen sind ebenso wie die für Wasser und Strom häufige Streitpunkte zwischen Mietern und Vermietern.

Korbach - Besonders die steigenden Nebenkosten belasten viele Mieter. Vermieter sind in dieser Sache oft wenig hilfsbereit. Der Mieterverein Nordhessen hilft, Abrechnungen nachzuvollziehen.

„Nach 23 Jahren kenne ich hier Mieter und Vermieter“, erklärt Christiane Wurdak, Rechtsberaterin beim Mieterverein Nordhessen. Die möglichen Probleme zwischen den beiden Seiten ändern sich im Lauf der Jahre - „auch wenn es meistens in der ein oder anderen Form um das liebe Geld geht“, erläutert die hauptberufliche Rechtsanwältin.

Vor einigen Jahren brachten nach einer Gesetzesänderung vor allem Kündigungen Menschen zur Rechtsberatung, danach war die große Frage, welche Schönheitsreparaturen welche Seite übernehmen muss. „Jede Änderung der Rechtslage führt Leute zum Mieterverein“, sagt Christiane Wurdak.

Streitpunkt Nebenkosten

Der derzeitige Schwerpunkt der Anfragen sind Nebenkostenabrechnungen. Es sei keine Ausnahme, wenn noch einmal zwei Drittel der Kaltmiete auf Strom, Wasser und Heizung entfielen - auch wenn Vermieter die Nebenkosten angehenden Mietern noch als wesentlich niedriger präsentiert hätten. „Da treffen dann Verschleierungstaktiken auf Gutgläubigkeit“, bedauert Christiane Wurdak.

Vermieter würden die Verantwortung für hohe Kosten gelegentlich auf die Versorgerfirmen abwälzen. Aber deren Berechnungsgrundlagen stammen von den Vermietern: „Das ist wie bei einer Maschine: Wenn ich oben was Falsches reinwerfe, kann unten nichts Richtiges rauskommen.“ Spätestens, wenn Menschen sich fragten, wieso ihre Heizkosten in einem milden Winter plötzlich steigen, sei die Verwunderung groß.

Wichtiges Anliegen des Mietervereins ist, dass die Mieter sich selber informieren - „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet die Devise. Bei der Rechtsberatung vermittelt die Anwältin beispielsweise, was in eine Kündigung hineingehört, oder sie fertigt Entwürfe für Schreiben an.

Hilfe auch vor Gericht

Wenn nötig, wendet sie sich direkt an Vermieter. Juristisch geschriebene Geschäftsbriefe kommen aber nicht immer gut an: „Wenn ich Vermieter auffordere, die Nebenkosten zu belegen, kriegen sie oft einen falschen Eindruck.“ Dabei versuche der Verein, Probleme gütlich zu lösen, zu Prozessen komme es nur äußerst selten. Es ginge letztlich meistens um „Streitwerte auf niedrigster Stufe“.

Wenn ein Streit doch vor dem Richter landet, übernimmt der Verein für Mitglieder unter bestimmten Voraussetzungen die Prozesskosten. Dies funktioniert ähnlich wie eine Rechtsschutzversicherung: Erst drei Monate nach Beitritt hilft der Verein und nur bei Fällen, die nach diesem Zeitpunkt eingetreten sind.

Die Mitgliederschaft im Mieterverein kostet 54 Euro im Jahr, beim Eintritt werden einmalig 25 Euro fällig, Zusatzkosten fallen danach nur selten an. Die Bürogemeinschaft der Mietervereine, der auch der nordhessische Verein angehört, erklärt dazu, dass die Mitgliedschaft eine Rechtsschutzversicherung überflüssig mache: Eine solche sei teurer und würde Streitigkeiten über Tierhaltung, Mieterhöhungen und Nebenkosten oft nicht abdecken.

„Jeder Fall einzigartig“

„Der Beitrag ist zwar nicht so hoch wie manche Nebenkostennachzahlung, aber für manche Mitglieder schon eine Menge Geld“, gibt Christiane Wurdak zu. Die Rechtsberaterin nimmt sich denn auch gebührend Zeit: Menschen, die mit Rechtsfragen nicht vertraut sind oder sprachliche Probleme haben, ließen sich nicht im Viertelstundentakt abarbeiten. Kleinere Probleme lassen sich auch über das Mietertelefon lösen, dringende Fragen, etwa die Überprüfung von Mietverträgen, bearbeitet sie auch zwischen den Sprechstunden. In Einzelfällen nimmt Christiane Wurdak auch an Wohnungsbesichtigungen teil. Jeder Fall habe seine eigenen Anforderungen.

Die Sprechstunden für Mitglieder des Mietervereins sind mittwochs von 14 bis 17 Uhr im Gemeindehaus der Kilianskirche. Am Beitritt Interessierte können sich unter 05631/7890 melden. Auf der Internetseite der Bürogemeinschaft der Mietervereine , www.mietervereine-hagen.de, gibt es weitere Informationen.

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