Korbach

Tagesklinik: Vom Versuch zur Notwendigkeit

- Korbach (lb). Eine „Psychiatrie ohne Betten“, das war das Ziel: Vor zehn Jahren eröffnete die Vitos Klinik Haina in Korbach eine Tagesklinik mit angeschlossener Ambulanz. Am Freitag feierte die Einrichtung Geburtstag.

„Wir wollten nicht mehr stationär, wir wollten etwas anderes, etwas neues machen“, erklärt Lutz Lenhard, Leiter der Korbacher Tagesklinik. Tatsächlich herrschte so etwas wie Aufbruchstimmung, als die Vitos Klinik Haina 1999 im ehemaligen Forstamt in der Friedrich-Bangert-Straße eine Depandance eröffnete. Das Konzept: Anders als in stationären Einrichtungen werden die Patienten tagsüber in der Klinik betreut, nachts und an Wochenenden sind sie zu Hause. „Wir wussten, es gibt Bedarf in Korbach, aber wir wussten nicht, ob unser Angebot angenommen wird“, erinnert sich Dr. Rolf Speer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Doch schon nach acht Tagen waren alle 15 genehmigten Plätze in der Tagesklinik belegt. „Nach einem Jahr war klar: Das Gebäude ist zu klein“, so Lenhard. Aber erst 2004 zog die Ambulanz in ein zweites Gebäude in die Enser Straße um, die Tagesklinik hatte das alte Forstamt nun ganz für sich. „Eine Erfolgsgeschichte“, zieht der Leiter der Tagesklinik Bilanz, weist jedoch auch auf ein Problem hin: Nach wie vor liegt die Zahl der Plätze bei 15. „Meistens sind wir bis 18 überbelegt. Mehr dürfen wir nicht. Vom Bedarf her könnten wir locker zehn Plätze mehr anbieten“, sagt die stellvertretende Leiterin Petra Sonnauer-Urbasch: „Wir haben deshalb eine Warteliste.“ Und die sei „peinlich lang“, bedauert Lenhard. Die Tagesklinik wolle indes ihr Angebot ausweiten, speziell auf Menschen mit Persönlichkeitsstörung ausgerichtet, kündigt der Leiter an. Das Personal werde derzeit dafür geschult. Verändert hat sich derweil die Klientel in den vergangenen zehn Jahren: „Die Patienten werden immer jünger“, erklärt Sonnauer-Urbasch. Soziale Probleme kämen häufig hinzu. Mit Fachvorträgen am Morgen im Bürgerhaus und einem Tag der offenen Tür und Kurzvorträgen am Nachmittag in den beiden Häusern der Außenstelle feierte die Einrichtung schließlich am Freitag ihr zehnjähriges Bestehen. Mit unter den Gratulanten: der Erste Kreisbeigeordneter Peter Niederstraßer. „Vor zehn Jahren war die Tagesklinik ein Versuch, heute ist sie eine unverzichtbare Notwendigkeit“, sagte Niederstraßer in seinem Grußwort. Die teilstationäre Betreuung ermögliche es den Patienten, ihr Alltagsleben weiterzuführen, erhöhe die Bereitschaft, sich überhaupt in eine Behandlung zu begeben und verringere die Zahl der Rückfälle. Entscheidend sei, dass die Klinik den Menschen eine Perspektive gebe, erklärte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich.Etliche Korbacher nutzten die Möglichkeit, in die Häuser in der Enser und Friedrich-Bangert-Straße hineinzuschnuppern. Mitarbeiter der Tagesklinik und Ambulanz versorgten die Besucher mit Informationen und stellten die Behandlungsangebote wie Entspannungsübungen oder Kunsttherapie vor, die auch selbst ausprobiert werden konnten.

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