Seit Monaten kreisen politische Gedanken um den Kreisel

Tanz mit den Delfinen

Die Delfine auf dem Kreisel vorm Hanseplatz blieben 2013 nur ein paar Sommertage. Die politische Debatte darüber 2014 beschäftigt das Parlament der Hansestadt schon Monate.Fotos: Benseler

Korbach - Auf dem Kreisel leuchteten sie nur ein paar Sommertage im Juli 2013 – drei blaue Delfine. Im Korbacher Parlament sind die Meeressäuger derweil so lebendig wie nie zuvor.

Ja, es war ein heißer Sommertag an diesem 22. Juli 2013. Im kurzen Hemd präsentierte der Magistrat der Hansestadt beim Gruppenbild mit Dame den frisch gefertigten Kreisverkehr in der Flechtdorfer Straße in maritimem Flair. Drei blaue Alu-Delfine sprangen elegant über einen vom Bauhof gestalteten Ozean aus Kieselsteinen. Drei Tage später hatten die Tümmler aber schon das Weite gesucht.

Mancher Korbacher dachte schon sorgenvoll an Diebstahl, doch ließ der Bauhof schnell vermelden, die Tiere seien eigentlich von vornherein für den Kindergarten Laake bestimmt gewesen. Genau! Für die neue „Delfingruppe“!

Was der Spaß vorher auf dem Kreisel gekostet hat, das beschäftigt die Korbacher Parlamentarier inzwischen auch schon in der dritten Runde. Die neue Fraktion „Pro Korbach“ mit den zuvor abtrünnigen Abgeordneten Doris Jauer (ehemals Grüne) und Beate Mehrhoff (ehemals CDU) bringt jedenfalls den Bauhofchef Friedhelm Schmidt ordentlich zum Springen. Zumal „Pro Korbach“ auch die Kosten für das neue Symbol auf dem Kreisel genau unter die Lupe nehmen will – das Reifenkunstwerk der Conti-Auszubildenden.

Die folgende Debatte am Donnerstagabend im hohen Rat der Hansestadt dauerte derweil fast genauso lange wie zum Zwölf-Millionen-Euro-Projekt der Rathaussanierung. Schmidt listete in der geforderten Ausführlichkeit jeden Eimer Farbe, jeden Kubikmeter Fundamentbeton bis hin zum Oleanderkübel für den Tümmler-Kreisel auf. Bevor er dann überschwenkte vom Betonsockel bis zum „Eisenflechtwerk samt Bewehrung“ als Grundlage für das Conti-Kunstwerk.

Fazit: Im Rahmen der „Gesamtmaßnahme“ für den Kreisel ließen sich die Kosten nachträglich nicht auf den Cent berechnen. Aber im Rahmen der „internen Leistungsverrechnung“ zwischen Stadt und Bauhof schlagen für die Alu-Delfine samt steinernem Ozean rund 12500 Euro zu Buche. Außerdem wünschte der Kindergarten später, die Delfine doch besser in naturnäherem Grauton anzupinseln.

„Uns geht es nicht ums Zugverhalten von Delfinen, sondern um Vermeidung von Kosten“ durch solche „Spielereien“, stellte Jauer klar. Derweil fragte SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig mit leichter Ironie, „welche Kosten der Verwaltung für die Beantwortung der Frage entstanden sind“. Dem Freien Wähler Maik Hartwig war der Spaß da längst schon vergangen: „Ich frage mich, wo ist da der Sinn. Ich bin da echt sprachlos.“

Nun, in manchem Zoo springen Delfine ja auch munter durch Reifen. Vielleicht liegt hier ja die politisch korrekte Lösung für Korbachs Kreisel als Gesamtkunstwerk.

Von Jörg Kleine

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