Qualifizierungsoffensive am Fröbelseminar soll Fachkräftemangel entgegenwirken

TEA - in Teilzeit zum Erzieher

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Die Wartelisten für einen Platz in einer Kindertagesstätte sind in Hessen vielerorts lang. Ab 2013 haben unter Dreijährige jedoch Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Archivfoto: Patrick Seeger

Korbach - Erzieher fehlen, der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder aber steigt. Um Personen aus (sozial-)pädagogischen Berufen nachträglich zu qualifizieren, bietet das Evangelische Fröbelseminar in Korbach ab Sommer die „Teilzeit-Erzieher/innen-Ausbildung“ (TEA) an.

„Konkret fehlen bis zum Jahr 2013/14 allein in Hessen 3520 Fachkräfte“, berichtet TEA-Koordinatorin Michaela Peschel (siehe Interview). Erschwerend hinzu kommt, dass Eltern für ihre unter dreijährigen Kinder nach dem Kinderförderungsgesetz ab 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter haben, es mit der Schaffung von Betreuungsplätzen allein aber nicht getan ist.

Die Experten des Fröbelseminars (siehe Stichwort) werben daher vor allem für ihre Teilzeit-Ausbildung. „Wir haben die Hälfte der 27 Schulplätze zwar bereits vergeben, aber suchen dringend weitere Bewerber. Schließlich kann nur eine volle Auslastung der Ausbildungsplätze den Fachkräftebedarf abdecken“, betont Michaela Peschel und ergänzt mit Blick auf die Karrierechancen: „Wer jetzt mit der Ausbildung zum Erzieher beginnt, hat sehr gute Aussichten auf eine spätere Anstellung.“

Die bundesweit einmalige Qualifizierungsoffensive TEA hatte das Fröbelseminar 2010 zusammen mit der Arbeitsagentur Korbach sowie der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg auf den Weg gebracht. Die erste modularisierte Ausbildung für Erzieher (siehe Hintergrund) hat aus Sicht aller Beteiligten folgende Vorteile: l?Der Abschluss „Staatlich anerkannter Erzieher“ wird in Teilzeit erworben. lBeruf, Ausbildung und Familie lassen sich vereinbaren. lAufgrund des Fachkräftemangels – immer weniger junge Leute absolvieren die klassische Erzieherausbildung in Vollzeit – bestehen nach erfolgreicher Nachqualifizierung gute Chancen, in einer sozialpädagogischen Einrichtung Verantwortung zu übernehmen. TEA richtet sich laut Michaela Peschel somit an Frauen und Männer, die in einem sozialpädagogischen Beruf tätig sind oder waren und sich zum Erzieher weiterbilden wollen.

Dazu zählen beispielsweise Tagesmütter und -väter sowie Kinderpfleger und Sozialassistenten. Hinzu kommen Frauen und Männer mit Migrationshintergrund, deren (sozial)pädagogische Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt ist. Ein großes Feld sind etwa Lehrer aus osteuropäischen Staaten. „Unsere erste Klasse ist jetzt im vierten Semester.

Alle bringen viel persönliche und berufliche Erfahrung mit, sodass die Ausbildung lebendig und spannend ist“, freut sich Michaela Peschel über den bisherigen Erfolg und wirbt für die Neuauflage. Die Angst, noch einmal die Schulbank zu drücken, hätte sich bei allen schnell gelegt – zumal Frontalunterricht nur einen kleinen Teil der Ausbildung ausmache. Weitere Auskünfte zu TEA, den einzelnen Modulen und allen weiteren Ausbildungsgängen am Fröbelseminar, Westwall 20, gibt es bei Michaela Peschel unter Telefon 05631/505080 sowie E-Mail m.peschel@ev.froebelseminar.de. Zu den weiteren Angeboten gehört zum Beispiel die ebenfalls modularisierte Vollzeit-Ausbildung zum Erzieher, die es ermöglicht, sich Module für eine Hochschulausbildung anrechnen zu lassen.(nv)

Stichwort

Das Evangelische Fröbelseminar des Diakonischen Werkes in Kurhessen-Waldeck mit Standorten in Korbach und Kassel ist nach eigenen Angaben „eine traditionsreiche und innovative Ausbildungsstätte für sozialpädagogische Berufe mit einer Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz, Fachschule für Sozialpädagogik, Verbund-?studiengang „Erziehung und Bildung in der Kindheit“ und einer Fachschule für Heilpädagogik sowie einem „Lehrkindergarten.“(r)

Hintergrund

Die TEA-Eckdaten sind: l?Bedingungen zur Aufnahme: a) Realschulabschluss oder gleichwertiger Schulabschluss, b) mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung, c) (sozial-)pädagogische Berufserfahrung, d) Bestehen einer Eignungsprüfung am Fröbelseminar, e) Gesundheitsnachweis. l?Ausbildungsdauer: drei Jahre / sechs Semester plus einjähriges Berufspraktikum. l?Ausbildungsstart: ab Schuljahr 2012 / 2013 in Korbach. l?Wochenstunden: 21,5 Stunden (reine Unterrichtszeit 16,5 Stunden). In den Schulferien findet kein Unterricht statt. l?Unterricht: Donnerstag und Freitag, eventuell einen Samstag im Monat. l?Leistungsnachweise: Modulprüfungen, zum Beispiel Klausuren, Referate und mündliche Tests. l?Praktika / begleitende Berufstätigkeit: mindestens 15 Wochenstunden sozialpädagogische Praxis. l?Kosten: 70 Euro/Monat.(nv)

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