Korbach: Klaus Friedrich bleibt Bürgermeister in der Kreisstadt

Titelverteidiger mit knapp 70 Prozent - Video

Korbach - Mit 69,22 Prozent der Stimmen hat der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich seinen Titel gegegen Herausforderer Martin Dörflinger (30,78 Prozent) deutlich verteidigt. Der Rathauschef erntete brandenden Beifall.

Landrat Dr. Reinhard Kubat (SPD) zählte zu den ersten Gratulanten, als sich Klaus Friedrich (parteilos) und Ehefrau Doris gegen 18.45 Uhr den Weg durch die Besucher im Rathaus bahnten. Es war brechend voll im Sitzungssaal, und nicht nur dem Wahlsieger stand nach all den Wochen innerer Anspannung der Schweiß auf der Stirn. „Im Namen des Landkreises möchte ich dem alten und neuen Bürgermeister zu diesem grandiosen Erfolg gratulieren“, erklärte Kubat anerkennend. Wohl wissend, dass er sich mit Friedrich vor drei Jahren weiter oben im Kreishaus ein äußerst knappes Duell in der Landratswahl geliefert hatte.

Friedrichs damalige Niederlage und der mögliche Abschied aus dem Korbacher Rathaus hatten bei den Wählern am Sonntag offenbar keine Spuren hinterlassen. Mit knapp 70 Prozent landete Klaus Friedrich gegen seinen SPD-Herausforderer Martin Dörflinger einen klaren Erfolg. „Du wirst es richten“, resümierte Kubat mit Blick auf den Wahlgewinner: „70 zu 30 sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, dass du nicht allzu viel falsch gemacht hast“, fügte der Landrat an.

„Wir wissen dich in unseren Reihen als Mitstreiter und Kollegen zu schätzen“, betonte Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel – stellvertretend für etliche Rathauschefs aus dem Waldecker Land, die den Wahlabend hautnah in der Kreisstadt verfolgten. „Martin Dörflinger zollen wir natürlich auch unseren Respekt“, ergänzte Linnekugel.

Für den nach 2006 zum zweiten Mal wiedergewählten Korbacher Bürgermeister galt dieses Fazit allemal. „Einen besonderen Dank an Martin Dörflinger für einen fairen Wahlkampf“, unterstrich Klaus Friedrich in seiner ersten Stellungnahme. Er sah damit eine gute Basis für die künftige politische Zusammenarbeit in der Kreisstadt: mit sprichwörtlichen „Korbacher Verhältnissen“ und Entscheidungen über die Fraktionsgrenzen hinweg. Das hatte einen handfesten Hintergrund, denn im Parlament haben SPD und Grüne seit der Kommunalwahl 2011 eine Mehrheit. Friedrich wurde im Wahlkampf derweil von CDU und FWG getragen.

Mit fairer Geste gratulierte auch Dörflinger dem Wahlsieger, wünschte dem Bürgermeister beim kurzen Tête-à-Tête in der Menge viel Erfolg für die Zukunft. „Offensichtlich haben wir es nicht geschafft, genügend Wähler für uns zu mobilisieren“, sagte Dörflinger in einer ersten Analyse gegenüber der WLZ. Mit Blick auf die Zukunft signalisierte der SPD-Fraktionschef eine „kritische Zusammenarbeit“: Rot-Grün werde in der Korbacher Stadtpolitik am Ball bleiben und den Bürgermeister an seinen Versprechen messen.

Seine klare Niederlage trug Dörflinger mit Fassung und Disziplin. Respektvolles Handschütteln und tröstende Umarmungen gab es zuhauf – ob Parteifreunde oder politische Kontrahenten. Dörflinger lächelte freundlich, auch wenn es innerlich vermutlich knirschte. Denn als Herausforderer der stärksten Partei in der Kreisstadt hatte sich der gebürtige Korbacher sicherlich mehr Stimmen erhofft. Daraus machte er auch keinen Hehl. So zog es aus den Reihen von SPD und Grünen viele Beobachter von außerhalb ins Korbacher Rathaus – ob SPD-Landtagsabgeordneter Reinhard Kahl (Vöhl) oder Kreistagsvorsitzende Iris Ruhwedel (Frankenau). Zum Wahlschluss ab 18 Uhr warteten sie gebannt auf die ersten Ergebnisse, die Rathaus-Mitarbeiterin Karin Schmidt per Beamer in den Sitzungssaal projizierte. Schon gegen 18.10 Uhr kamen die ersten deutlichen Signale: Die Ortsteile Alleringhausen und Helmscheid hatten am schnellsten ausgezählt – und meldeten satte 80 Prozent für Klaus Friedrich.

Regelrechter Jubel brandete im jungen Wahlkampfteam des Amtsinhabers auf, als gegen 18.20 Uhr die Ergebnisse aus Hillerhausen und Eppe aufblitzten: In beiden Dörfern holte Friedrich fast 90 Prozent. Eppe: Fast 90 Prozent Dazwischen ging es Schlag auf Schlag im Sekundentakt. Nordenbeck, Nieder-Ense, Rhena – überall verbuchte der Bürgermeister mindestens 70 Prozent. Schon 2000 und 2006 hatte Friedrich vor allem in den Dörfern kräftig gepunktet. Als dann gegen 18,15 Uhr aus den Wahllokalen der Marker Breite und der Berliner Schule die ersten Ergebnisse der Kernstadt-Bezirke aufflackerten, war Friedrichs erneuter Wahlerfolg im Grunde schon besiegelt. Zumal Dörflinger in einem Bezirk der Marker Breite mit knapp 39 Prozent schon sein bestes Ergebnis erzielt hatte. So durfte Friedrich mit Ehefrau Doris strahlend ein Bad in der Menge nehmen. Und sein Dank ging an diesem Abend zuallererst auch an seine Familie.

Mehr über die Wahl lesen Sie in der WLZ-Ausgabe vom Montag, 24. September.

Das Wahlergebnis:

Martin Dörflinger (SPD) Klaus Friedrich (parteilos)
Wahlbezirk Stimmen Prozent Stimmen Prozent ungültig
Korbach 1945 33,26 3902 66,74 0
Alleringhausen 7 19,44 29 80,56 0
Eppe 30 10,31 261 89,69 0
Goldhausen 48 29,45 115 70,55 0
Helmscheid 20 20 80 80 0
Hillershausen 14 11,67 106 88,33 0
Lelbach 95 35,71 171 64,29 0
Lengefeld 57 23,95 181 76,05 0
Meineringhausen 101 23,06 337 76,94 0
Nieder-Ense 33 26,4 92 73,6 0
Nieder-Schleidern 15 21,74 54 78,26 0
Nordenbeck 19 19 81 81 0
Ober-Ense 18 18,75 78 81,25 0
Rhena 63 29,44 151 70,56 0
Strothe 29 24,17 81 75,83 0
Briefwahl 649 32,66 1338 67,34 0
Endergebnis 3143 30,78 7067 69,22 0

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