Junges Paar aus Bochum gibt sich im ehemaligen Schieferbergwerk das Jawort

Trauung in Willinger „Unterwelt“

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Trauung unter Tage: Standesbeamter Sven Kesper mit dem Brautpaar Sandra Noll und Christian Maria Terborg aus Bochum in der Willinger Grube „Christine“.

Willingen - Trauung in der „Unterwelt“: Christian Maria Terborg und Sandra Noll aus Bochum gaben sich gestern in der Schiefergrube „Christine“ das Jawort. Sie sind die Ersten, die im Willinger Besucherbergwerk den Bund fürs Leben geschlossen haben.

Im schiefergrauen Gang setzte ein roter Teppich einen kräftigen Farbkontrast. Kerzen verbreiteten nur mäßige Wärme im acht Grad kühlen Stollen, doch das Brautpaar und seine Gäste waren gerüstet, ebenso Standesbeamter Sven Kesper, der sich zur Feier des Tages in der traditionellen Uniformjacke eines Steigers präsentierte. Christian Maria Terborg und Sandra Noll haben zwar nichts mit Bergbau zu tun. Die Hochzeit unter Tage vermittelte den jungen Leuten aus dem Ruhrgebiet jedoch ein Stück Heimatgefühl.

In Willingen finden jährlich 30 bis 50 Trauungen statt. Die meisten Paare, die sich trauen, „Ja“ zu sagen, sind übrigens nicht in der Uplandgemeinde zu Hause, sondern sind Gäste. Viele verbinden die Heirat mit ein paar Urlaubstagen im Weltcup-Ort.

Die drei Willinger Standesbeamten Dieter Pollack, Anja Schmitz und Sven Kesper besiegeln in der Mehrzahl der Fälle die Eheschließungen im Rathaus, doch rund zehnmal im Jahr wird der Bund der Ehe auch an außergewöhnlichen Orten geschlossen. So besteht seit fünf Jahren die Möglichkeit, im Hochheideturm auf dem Ettelsberg und im „Adlerhorst“, also im Aufwärmraum für Skispringer hoch oben auf dem Anlaufturm der Mühlenkopfschanze, zu heiraten. Beide Örtlichkeiten sind dank der Aufzüge barrierefrei zu erreichen. Das gilt auch für den früheren Schwalefelder Kirchsaal, wo ebenfalls gelegentlich Paare vor den Standesbeamten treten.

„In diesem Jahr hat auch erstmals eine Eheschließung in der Eimelroder Pfarrscheune stattgefunden“, bestätigte Dieter Pollack auf Anfrage der Waldeckischen Landeszeitung. Die Trauung im Besucherbergwerk stellte gestern eine weitere Premiere dar.

In Willingen wurde bis 1971 Schiefer abgebaut. Aufgrund der starken Konkurrenz beispielsweise durch Betriebe in Spanien, wo Tagebau möglich ist und die Preise dementsprechend günstiger sind, lohnte sich die Sache nicht mehr, und der Betrieb wurde eingestellt.

Das in der Grube „Christine“ eingerichtete Besucherbergwerk hat sich zu einer bedeutenden Touristenattraktion entwickelt. Karl-Wilhelm Schweinsberg und Jürgen Krause führen jährlich 5000 bis 6000 Besucher durch das frühere Bergwerk. Schweinsberg schätzt, dass der Anteil der Touristen bei etwa 95 Prozent liegt.

Die beiden Bergwerksführer berichten bei den Führungen viel Interessantes über Geologie, Bergbautradition sowie über die Gewinnung und Verarbeitung des Schiefers. Auf dem Weg durch die „Unterwelt“ sehen die Gäste nicht nur alte Stollen und Geräte, sondern auch Zeugnisse jener Zeit, als im Bergwerk ein Hydrierwerk eingerichtet werden sollte. 1944 wurden umfangreiche Vorbereitungen zur Herstellung synthetischen Benzins aus Kohle getroffen, doch letztendlich kam es in Willingen nicht mehr dazu.

Wie bereits berichtet, plant die Gemeinde einige Verbesserungen im Besucherbergwerk, insbesondere im Bereich der Beleuchtung, der Darstellung des Schieferabbaus und des Ausgangs. Bürgermeister Thomas Trachte hat bereits entsprechende Mittel aus dem Fördertopf des Leader-Programms beantragt.

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