Prozess „Drogenfahrten nach Holland“ in Kassel · Plädoyer eines Verteidigers

Trio war keine kaltschnäuzige Bande

Kassel/Korbach. - Schadensbegrenzung als Verteidigungsstrategie. Diese Überschrift könnte man den Worten des Anwalts von Artur F. (23/Name von Redaktion geändert) geben, der gestern in der Verhandlung vor dem Landgericht Kassel sein Plädoyer hielt.

Dort müssen sich seit neun Prozesstagen neben Artur F. (23) auch die Geschwister Josef K. (27) und Hanna K. (22/Namen ebenfalls geändert) aus Korbach verantworten, weil sie zwei Jahre lang (Juli 2009 bis Juli 2011) in 64 Fällen Marihuana jeweils in Mengen von bis zu zwei Kilo in Groningen (Niederlande) erworben und in Deutschland verkauft haben sollen.

Dafür haben sie Autos gemietet und Kuriere angeheuert.­ Während Artur F. derzeit noch eine Haftstrafe absitzt, ist das Geschwisterpaar auf freiem Fuß.

Artur F. habe vor Gericht ein Geständnis abgelegt und zugegeben, dass er an allen 64 Fällen beteiligt gewesen sei, sagte dessen Anwalt. Er weiß, dass sein Mandant nicht um eine weitere Haftstrafe herumkommen wird, deshalb versucht er diese für Artur F. zu mindern, indem er vor allem die angenommene Menge des aus den Niederlanden geholten Marihuanas und dessen Qualitätseinstufung über den Wirkungsgrad nach unten drücken möchte.

Während der Staatsanwalt in seinem Plädoyer von einer stetigen Menge von mindestens 1,5 Kilogramm pro Fahrt aufgrund von Aussagen der Kuriere ausgegangen ist, nimmt die Verteidigung andere Zeugenaussagen, um ihre These zu stützen, dass die durchschnittliche Menge bei rund einem Kilogramm pro Fahrt gelegen habe.

Den durchschnittlichen Wirkungsgrad der Drogen habe die Anklage mit 15 Prozent auch zu hoch angesetzt, meinte der Anwalt, er deute die Zeugenaussagen so, dass der bei rund zehn Prozent gelegen habe müsse. Der Verteidiger wies darauf hin, dass die Angaben über Menge und Qualität der Drogen nicht mehr genau ermittelt werden könnten und bei einer Schätzung vor Gericht nur das Mindestmaß angenommen werden dürfe.

Der Verteidiger hat weitere Argumente, um das Ziel minderschweres Vergehen zu erreichen. Er teile die Ansicht des Staatsanwalts nicht, dass das Trio als Bande agiert habe und extrem kaltschnäuzig gegenüber den Kurieren gewesen sei. Einige Zeugen, die als Kuriere im Einsatz gewesen seien, hätten ausgesagt, dass diese Holland-Fahrten ein Freundschaftsdienst gewesen seien, einer habe sogar ein Geldangebot von Artur F. ausgeschlagen.

Auch die Kripobeamtin aus Korbach habe ausgesagt, dass ein freundschaftlicher Ton zwischen den drei Angeklagten und den Kurieren geherrscht habe.

Der Verteidiger schloss sich bei der Länge der Haftstrafe dem Vorschlag des Staatsanwalts an und plädierte ebenfalls auf vier Jahre und sechs Monate Haft nach Jugendstrafrecht.

Die jetzige Haftstrafe von zwei Jahren, die im Sommer enden würde, sollte aber bei der neuen Strafe hinzugerechnet werden. Dann blieben noch zwei Jahre und sechs Monate übrig, die auch für den Drogenentzug genutzt werden sollten.

Die Verteidiger der beiden anderen Angeklagten wollen ihre Plädoyers am 29. April vortragen. (rsm)

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