Sturmschäden am Kilian: Eckpfeiler wird erneuert

Ein Turm, der hat vier Ecken

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Am Kilian fehlt seit dem Sturm Anfang Juli der rechte Eckpfeiler. Er soll in den nächsten Wochen ersetzt werden.Foto: Kleine

Korbach - Das Wahrzeichen der Hansestadt wird am Kirchplatz abermals von einem Bauzaun „geschmückt“: Am Turm der Kilianskirche soll in den kommenden Wochen die fehlende gotische Fiale erneuert werden.

Beim schweren Sturm Anfang Juli zum Abschluss des Altstadt-Kulturfests war einer der vier Eckpfeiler von der Turmgalerie gekracht. Zudem gingen Schieferplatten zu Bruch.

Die Schäden am Dach des Kirchenschiffs und an der „Münze“, der kleinen seitlichen Kapelle, sind inzwischen repariert, erklärt Pfarrer Markus Heßler. Vor dem Winter soll auch der Zierpfeiler in rund 50 Metern Höhe erneuert werden. Zugleich will die Kirchengemeinde die Standfestigkeit der drei anderen Fialen prüfen.

Wann die Arbeit beginnt, steht noch nicht exakt fest, sagt der planende Ingenieur Jürgen Kepplin. Zu klären ist beispielsweise, aus welchem Stein der neue Eckpfeiler gefertigt wird. Der Kilian besteht weitgehend aus heimischem Bruchsteinkalk.

Die Kosten für die Erneuerung liegen voraussichtlich bei deutlich über 10000 Euro, signalisiert Pfarrer Heßler. Der Sturmschaden sei aber durch die Versicherung gedeckt.

Eckpfeiler am Turm sind Baujahr 1896

Was nur wenigen Korbachern bewusst ist: Die Fialen sind keineswegs historische Originale, darauf verweist auch eine Inschrift aus dem Jahr 1896. Unter Ägide des in Korbach aufgewachsenen Architekten und damaligen Berliner Stadtbaumeisters August Orth (1828 bis 1901) wurde die Kilianskirche Ende des 19. Jahrhunderts gründlich saniert.

Um das reichlich marode gewordene gotische Baudenkmal zu retten, hatte sich das aus Korbacher Honoratioren bestehende Baukomitee sogar an Kaiser Wilhelm II. gewandt. Beigefügt war eine Denkschrift des in Berlin höchst geachteten Architekten August Orth. So sicherte der Kaiser damals eine Unterstützung von bis zu 40000 Goldmark zu, um Korbachs Wahrzeichen wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Genau bei dieser Sanierung sind auch die Eckpfeiler an der Turmgalerie neu entstanden.

Auch in früheren Zeiten wandelte sich das Gesicht der über 600 Jahre alten Kilianskirche kräftig. Wiederholt schlug im 16. und 17. Jahrhundert der Blitz ein und zerstörte den Turmhelm, der ehedem stolze 92 Meter empor ragte. Die heutige barocke Haube wurde 1709 vollendet. Seither ist der Kiliansturm rund 20 Meter niedriger.

Von Jörg Kleine

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