Weihnachtsfreunde machen sich Gedanken um ihren Brauch

Turmsanierung an der Kilianskirche dauert an

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Der Turm der Kilianskirche ist bis zur Galerie unter einem blauen Fangnetz verborgen. Von dort leuchten sonst zum Christkindchenwiegen die Weihnachtsfreunde mit ihren Laternen in alle vier Himmelsrichtungen. Foto: Cliff Rüssel/Archivfoto: Dennis Schmidt

Korbach - Möglicherweise wird es das Christkindchenwiegen in diesem Jahr nicht in gewohnter Form geben: Die Arbeiten am Turm der Kilianskirche rücken immer dichter an Weihnachten heran.

Unter dem blauen Fangnetz, das die Schieferhaube des Kilians umhüllt, arbeiten seit Wochen die Handwerker an der Eindeckung und den Eichenbalken. „Die Turmhaube ist bereits fertig geschiefert“, sagt Bauingenieur Jürgen Kepplin. Parallel dazu setzen die Zimmerer die Holzkonstruktion instand. „Dabei konzentrieren sie sich zurzeit auf die Außenhaut, so dass die Dachdecker arbeiten können“, sagt Kepplin. Die Handwerker stehen dabei unter Zeitdruck: Der Baubeginn hatte sich um sechs Wochen verzögert, weil ein Wanderfalke im Turm brütete. Statt im April wurde das Gerüst am Kirchturm deshalb erst ab Mitte Juni aufgebaut.

Derzeit laufe alles nach Plan, sagt Kepplin. Doch ob die Sanierung bis Heiligabend so weit abgeschlossen ist, dass die Korbacher Weihnachtsfreunde ihr Christkindchenwiegen wie gewohnt darbieten können, wird sich erst in den nächsten Wochen entscheiden. „Alles hängt jetzt vom Wetter ab“, sagt Fritz Willems, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Frosteinbrüche oder Sturmböen könnten das Projekt weiter verzögern.

Hermann Küthe, Sprecher der Weihnachtsfreunde, nimmt es mit Humor: „Wir würden ja gerne mal mit dem Bau-Aufzug auf den Turm fahren, um uns die 264 Stufen zu ersparen“, sagt der Korbacher.

Zuletzt sei das Christkindchenwiegen während des Zweiten Weltkriegs ausgefallen, berichtet der Weihnachtsfreund: Wegen der verordneten Verdunkelung zum Schutz vor nächtlichen Luftangriffen war der leuchtende Brauch damals verboten worden. Das Christkindchenwiegen hat eine fast 500-jährige Geschichte: 1543 sollen die Korbacher Bürger mit dem Schwenken der Laternen vom Kiliansturm aus die Pest vertrieben und das Christkind herbeigerufen haben. Die Weihnachtsfreunde erinnern daran, indem sie Heiligabend und noch einmal am Morgen des ersten Feiertages in alle vier Himmelsrichtungen singen und dabei ihre mitgebrachten Laternen hin und her schwingen.

Ein Weihnachten ganz ohne Christkindchenwiegen, das kann sich Küthe jedenfalls nicht vorstellen: „Wir lassen uns dann etwas einfallen“, verspricht er.

Von Lutz Benseler

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