Mit DHL geschickter Koffer kommt erst nach sieben Tagen am Urlaubsort an

Wut über falsche Versprechungen

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Alles Nötige für den Urlaub hat Birgit Iske-Kräling in ihrem Koffer vorausgeschickt – DHL lieferte ihn indes erst nach sieben statt zwei Tagen.Foto: Wilhelm Figge

Korbach-Lengefeld - Mit dem Voraussenden von Urlaubsgepäck verspricht DHL angenehme Reisen. Eine Lengefelderin wartete beinahe bis zum Urlaubsende auf ihren Koffer. Dadurch entstandene Kosten beglich DHL nach langem Zögern nur teilweise.

Was Birgit Iske-Kräling am Postschalter mitgeteilt worden sei, klang so angenehm: Ihren Koffer könne sie vorausschicken, binnen eines Tages käme er am Urlaubsort an. Am 18. September gab sie ihr Gepäck vorsichtigerweise schon drei Tage vor Beginn des Wanderurlaubs auf - ihr Koffer erwartete sie indes weder am 21. September, noch kam er an den folgenden Tagen an.

Birgit Iske-Kräling stand derweil nur mit den Kleidern da, die sie am Leib trug und täglich waschen musste. „Am schlimmsten war aber das Fehlen meiner Wanderschuhe“, erklärt sie: „Ohne die machte der ganze Urlaub keinen Sinn.“ Sie wandte sich an eine kostenpflichtige DHL-Hotline: Zwar gab es keine Auskunft über ihren Koffer, aber nach 75 Minuten und 11,25 Euro erklärte ihr der Leiter eines Servicecenters, sie könne sich Ersatzkleidung kaufen und die Rechnung an die Post schicken. Mit Wanderschuhen und -socken für knapp 200 Euro machte sie sich dran, dass Beste aus ihrem Urlaub zu machen.

Ihr Koffer lagerte derweil ab dem 22. September drei Tage in einem Postzentrum, knapp 25 Kilometer vom Urlaubsort entfernt - Selbstabholung nicht gestattet. Bei seiner Ankunft am 25. September war es fast schon Zeit, das Gepäck für die Rückreise aufzugeben. Birgit Iske-Kräling lehnte seine Annahme ab. Zurück nach Lengefeld schaffte das Gepäckstück es tatsächlich an einem Tag.

Dazu, wie es zu der Verzögerung kam, macht DHL keine Angaben. Eine Laufzeit von sieben Tagen entspreche aber nicht den Qualitätszielen des Unternehmens: „Nach einem unabhängigen TÜV-zertifizierten Messverfahren sind 90 Prozent aller nationalen DHL-Paketsendungen einen Tag nach der Einlieferung beim Empfänger“, erklärt DHL-Pressesprecher Thomas Kutsch auf Nachfrage von WLZ-FZ.

Nach ihren Erfahrungen mit der Hotline adressierte Birgit Iske-Kräling die Rechnung über Wanderschuhe, Telefonkosten und 100 Euro für „entgangene Urlaubsfreuden“ direkt an Dr. Frank Appel, den Vorstandsvorsitzenden von Deutscher Post/DHL. Die Antwort durch den Kundenservice enttäuschte ihre Erwartungen erneut: Statt der geforderten 308,60 Euro erhielt sie ein Kulanzangebot über 50 Euro. „Eine Verzögerung begründet keinen Schadenersatzanspruch“, heißt es in einem Schreiben vom 8. Oktober - die Rechtslage lasse keine andere Entscheidung zu. Zwischen Birgit Iske-Kräling und dem Mitarbeiter, der ihr zum Kauf der Wanderschuhe geraten hatte, habe es diesbezüglich ein Missverständnis gegeben, sagt Thomas Kutsch. Die Lengefelderin beharrt darauf, dass der Servicecenter-Leiter ihr den Kostenersatz zugesichert habe.

Nachdem sie das Kulanzangebot abgelehnt und DHL den Fall nach Anfragen von WLZ-FZ erneut untersucht hat, hat das Logistikunternehmen einen neuen Vorschlag vorgelegt: 100 Euro plus einen Blumenstrauß im Wert von 25 Euro. Statt der Pflanzen hat sich Birgit Iske-Kräling vier Paketmarken geben lassen, völlig zufrieden ist sie nicht: „Ich hätte mir gewünscht, dass DHL seine Mitarbeiter besser schult, damit sie den Kunden nicht so viel Falsches erzählen.“ Die Frage, ob das Unternehmen sich für die kostspielige Fehlinformation des Servicecenter-Leiters verantwortlich fühlt, lässt DHL unbeantwortet.

Von Wilhelm Figge

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