Im Rahmen des Zeitungsprojekts „News to use“ entdecken die EWF-Auszubildenden die Heimatzeitung neu

„Über den Tellerrand hinaus schauen“

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„News to use“: Die Auszubildenden bei der Energie Waldeck-Frankenberg Lukas Wilhelmi, Lena Wagener, Carolin Maslauke und Markus Schmidt lesen im Rahmen des Projektes jeden Tag die Zeitung – zur Freude von Ausbilder Jürgen Theile.

Korbach - Seit einem halben Jahr lesen sie jeden Tag die Waldeckische Landeszeitung: Die Auszubildenden der Energie-Waldeck Frankenberg nehmen am Zeitungsprojekt „News to use“ teil und erzählen zur Halbzeit, was sie von dem Projekt halten.

Wenn Jürgen Teile in Bewerbungsgesprächen mit möglichen Auszubildenden sitzt, dann macht er sich manchmal Sorgen. „ Wenn es um Allgemeinbildung geht, um aktuelle Fragen aus der Weltpolitik oder der Region, dann sind die Antworten zuweilen recht sparsam“, erzählt der Ausbilder für Industriekaufleute bei der Energie Waldeck-Frankenberg. Weil aber die Ausbildung nicht nur eine fachliche Ausbildung sei, sondern eben auch auf das Leben vorbereiten wolle, legt Jürgen Theile Wert auf Allgemeinwissen. „Und dabei unterstützt uns das Projekt ‚News to use‘“, sagt er.

Die Erfahrung haben auch die Auszubildenden der EWF gemacht, die seit einem halben Jahr im Rahmen des Projektes Zeitung lesen (siehe Kasten). „Am Anfang war ich etwas besorgt, dass ich für das Projekt jeden Artikel in der Zeitung lesen muss“, erinnert sich Lena Wagener. Aber diese Sorge hat sich zerschlagen. „Inzwischen hat sich das Zeitungslesen eingespielt“, sagt sie, „manches lese ich intensiv und anderes überfliege ich“. So geht es auch Kollege Markus Schmidt: „Früher habe ich nur den Sportteil gelesen, heute konzentriere ich mich auch auf das Lokale“. Themen, die er früher gar nicht in Betracht gezogen hätte, würden sich ihm plötzlich erschließen. „Und so motiviert mich das Projekt, über den Tellerrand hinaus zu schauen“, sagt Markus Schmidt.

Auch Azubi Lukas Wilhelmi hat die Zeitung für sich entdeckt: „Ich habe auch schon früher Zeitung gelesen“, sagt er, „aber seit dem Projekt lese ich sie viel intensiver“. Manche Themen recherchiere er weiter im Internet, für andere sei die Zeitung zuständig, ergänzt der angehende Elektroniker.

Am Ende des Monats wird das neu erworbene Wissen dann geprüft - für jede richtige Antwort gibt es beim Internettest Punkte. „Auf die kommt es mir aber gar nicht so an“, sagt Carolin Maslauke, „ich empfinde diesen Test mehr als Rückmeldung für uns selbst“. Und wenn sie mal etwas nicht weiß? „Na dann weiß ich es nach dem Test eben besser“, sagt sie. Neben überregionalen Themen wird in dem monatlichen Test auch regionales Wissen abgefragt. Und da können die Auszubildenden seit dem Projekt mitreden: Welchen Schulen droht das Aus? Welche Argumente gibt es gegen die Reaktivierung der Bahnlinie? Oder wie sieht der Regionalplan für Windkraftanlagen aus? „Meistens wissen wir die Antworten“, sagt Carolin Maslauke, „sonst schlagen wir eben noch mal nach“. Und wo sie die Antworten finden, das wissen die Azubis jetzt.

Eine Zeitung auf dem Frühstückstisch: Für viele Generationen begann auf diese Weise der Tag. In Zeiten des Internets nehmen sich viele junge Erwachsene diese Zeit nicht mehr. Das Projekt „News to use“, eine Initiative der hessischen Zeitungsverleger, will auch jungen Menschen wieder einen Weg zur Zeitung eröffnen. In Zusammenarbeit mit heimischen Betrieben sorgen die Waldeckische Landeszeitung/Frankenberger Zeitung gemeinsam mit der Waldecker Allgemeinen/Frankenberger Allgemeinen dafür, dass Auszubildende ein Jahr lang morgens kostenlos eine der Zeitungen im Briefkasten haben. Jeden Monat absolvieren die Azubis einen Test, der das erworbene Zeitungswissen prüft und von der Uni Gießen im Rahmen des Projektes ausgewertet wird. Im Landkreis nehmen am Programm teil: Hoppe (Bromskirchen), Continental (Korbach), Berufsförderungswerk, Stadt Korbach, Gemeindeverwaltung Willingen, Stadt Frankenberg, FingerHaus (Frankenberg), Veltum (Sachsenhausen), EWF (Korbach), Tulla Gerüstbau (Korbach). (resa)

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