Korbach

Übernachtung ohne Frühstück

- Korbach (lb). Die Nacht in der Ausnüchterungszelle ist spartanisch, aber nicht umsonst

Wer hier übernachtet, macht das in der Regel nicht freiwillig: Spartanisch wäre übertrieben, um die Einrichtung der so genannten Gewahrsamszelle zu beschreiben. Ein paar Decken sind der einzige Komfort auf der blauen gefliesten Pritsche. In dem langgestreckten engen Raum gibt es keine Ecken und scharfen Kanten. Das vergitterte Fenster ist zusätzlich mit einer Plexiglasscheibe geschützt, der Heizkörper hinter einer Metallverkleidung versteckt. Über einen 180-Grad-Spion haben die Beamten von außen den kompletten Überblick. Regelmäßig kontrollieren sie die Zelle. Über eine Gegensprechanlage können sich die Insassen im Notfall bemerkbar machen.

Allein im Dezember haben im gesamten Landkreis bis jetzt 21 „Gäste“ eine Nacht auf den harten Bettstellen in den Polizeistationen verbracht. Darunter etwa Personen, die nach einem Familienstreit von der Polizei vorübergehend „aus dem Verkehr gezogen“ wurden. Das Hessische Gesetz über die Sicherheit und Ordnung gibt der Polizei die Möglichkeit der Gewahrsamnahme zum Schutz der eigenen Person, aber auch anderer Personen, zum Beispiel, wenn Straftaten bevorstehen können. „Das Gros aber sind Ausnüchterungen“, sagt Volker König, Sprecher der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg.

Wer seinen Aufenthalt selbst verschuldet, trägt auch die Kosten. Sechs Stunden Zelle kosten 22 Euro, jede weiteren sechs Stunden schlagen mit je sechs Euro zu Buche. Das regelt die Polizeikostenverordnung so. Hinzu kommen 34 Euro für den Transport zur Wache, 40 bis 67 Euro für die anschließende Reinigung des Raums und 76 Euro für eine ärztliche Untersuchung, der sich alle Alkoholisierten unterziehen müssen. Alles in allem kommen im Durchschnitt knapp 190 Euro für eine Übernachtung zusammen – „Und das ohne Frühstück“, sagt König.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Mittwoch, 29. Dezember.

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