Band aus Marburg siegt beim Korbacher Bandcontest

Überraschung: „Surprise, Surprise“

Korbach - Klasse statt Masse war einmal mehr das Motto beim Band-Contest im K20.

„Sincerity“ war der Jury-Sieger in der dritten Vorrunde des Bandcontest im Korbacher Jugendhaus. Doch das Trio, das vor drei Jahren schon einmal sämtliche Preise abgeräumt hatte, verzichtete in einer noblen Geste auf ihre Finalteilnahme und ließ den ebenfalls stark aufspielenden Band-Contest-Debütanten von „Surprise, Surprise“ aus Marburg den Vortritt beim Rennen um den ersten Preis und Studio-Zeit für eine EP bei Marburg-Records. „Wir haben jetzt die Mittel für ein eigenes Album zusammen gebracht, das wir im Mai aufnehmen werden, deshalb wollen wir einer starken Band mit unglaublich viel Potenzial nicht im Weg stehen“, so Sincerity-Frontman Andreas Mourao dos Santos. Perfekter Sound Als mit Abstand eingespielteteste Band des Abends brachte das Posthardcore-Quartett aus Sachsenhauen seinen uneinholbaren Erfahrungsvorsprung bis hin zum gelungenen Stage Dive des Frontmans in einer dichten Vorstellung auf die Bühne. Der musikalischen Performance des Materials, das am Karsamstag 2011 erstmals im Jugendhaus erklang, war das Jahr Reifezeit eindeutig anzuhören, es gab keine Lücken oder Brüche im geradezu monolithisch perfekten Sound der Band. Bei den Feinheiten und nahtlosen Übergängen gaben sich die Überraschungsfinalisten „Surprise,Surprise“ noch ein paar Blößen, hätten aber in einer anderen Konstellation durchaus gute Siegchancen gehabt, zumal nicht nur der Sound, sondern auch die Interaktion mit dem Publikum stimmte – angefangen beim gelungenen Dialog zwischen Frontman und Chefshouter Christoph Bartels und den zahlreich mitgereisten Fans bis hin zum lautstarken Finalcoup. Spektakuläe Effekte Die beiden Gitarristen David Wiesner und Benjamin Braun machten ordentlich Tempo, letzterer zeichnete zudem für lyrische Vocals im Stil von „System of a Down“ verantwortlich, die in Sachen Sound an mehr als einer Stelle von „Don‘t read your Horoscope“ oder „Devine“ Pate gestanden hatte. Vertraute Klangwelten also, ergänzt durch spektakuläre Effekte, etwa wenn sich Gitarrist David Wiesner am Ende von „Tanks and Elephants“ die Bass-Drum schnappt und auf das Sänger-Podest springt, um mit wuchtigen Schlägen den Takt anzugeben. Die Band-Contest-Veteranen Sarah, Nils, Jan hatten beim dritten Anlauf ihre Lehren aus den ersten Versuchen gezogen und mit Trompeter Jan Knoche und Keyboarder Christopher Peel eine große Besetzung aufgeboten. Die vermittelte der sonst eher introvertierten Sängerin Sarah Schulte deutlich mehr Souveränität als in den Vorjahren und eine gewisse Relaxtheit bei den humorvollen Ansagen der Hits Dabei handelte es sich um durchaus eigenwillige und eigenständige Arrangements, etwa mit der Trompete als zweiter Stimme bei „Kein Zentimeter“ von Cluouseau oder den geblasenen Ausrufezeichen am Ende jeder Textzeile bei Billy Tennants „Surrender“, das mit einem wilden Trompetenaufschrei zu Ende ging. Beim eingängigen Refrain des ebenfalls erfrischend anders aufbereiteten „Pumped up kicks“ ging das Publikum voll mit. Das komplizierte Simultan-Medley aus drei ineinander verschachtelten Hits (Empire State of Mind, Grenade, Just a dream) und ebenso vielen Vokalisten geriet vielleicht etwas zu anspruchsvoll. Beim mitreißenden Abtanzer „We found love“ (Rihanna) mit faszinierenden Keyboard Vibes von Chrisopher Peel warf das Quintett noch einmal alles in die Waagschale, doch aufgrund der Abitur bedingten kurzen Probezeit blieben am Ende zu viele Wünsche offen. Bleibt zu hoffen, dass die perfektionierte Version beim Altstadtkulturfest zu hören sein wird. Korbacher Quartett passt Im Finale treffen nun die Kasseler Deutschpostpunker von „Nirgendwo“ auf die Wildunger Psychedelic-Spaßfunker von „Hazeomatic“ und die Marburger Post-Hardcore-Band „Suprise, Surprise“. Letztere waren auch Publikumssieger des Abends, konnten in dieser Kategorie aber nicht das Ergebnis von „Hold Head High“ vom ersten Abend toppen. Da das Korbacher Quartett allerdings aus terminlichen Gründen passen muss, zieht die „Carnivourous Society“ als Publikumsfavorit nach und hält das Deathcore-Banner hoch. Armin Hennig

1080426

Kommentare