Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg tritt mit vielen positiven Eindrücken die Heimreise an

Ukrainer danken für Hilfe

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Die Konvoi-Gruppe vor dem Rathaus in Lutsk.

Waldeck-Frankenberg - Nach einer rund 50 Stunden langen Fahrt erreichte der Hilfstransport der Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg am vergangenen Samstagmittag sein Ziel in der rund 1400 Kilometer entfernten ukrainischen Stadt Lutsk.

Fast 22 Tonnen Hilfsgüter brachten die zehn ehrenamtlichen Mitglieder mit drei Sattelzügen in die Stadt im Westen des Landes. Dort wurden die Krankenbetten, Rollatoren, Schulmöbel und Kleidung für Krankenhäuser, Kinderheime und Schulen zunächst an den „Europäischen Vektor“ übergeben. Die karitative Organisation in Lutsk wird die Hilfsgüter nach der Abwicklung der Zollformalitäten und allen behördlichen Überprüfungen an die entsprechenden Einrichtungen verteilen.

Über mehrere Monate lang hatte der Verein Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg unter der Leitung des Vorsitzenden Wilfried Vogel die Möbel, Hilfsmittel und Reha-Materialien aus verschiedenen Einrichtungen in Waldeck-Frankenberg und im angrenzenden Nordrhein-Westfalen abgeholt, eingelagert und für den Transport in die Ukraine vorbereitet. Dazu gehörte auch ein umfangreicher Schriftverkehr mit dem „Europäischen Vektor“, dem direkten Partner für die humanitäre Hilfe in Lutsk. Gleichzeitig galt es, alle grenz- und zolltechnischen Voraussetzungen für den Transport zu schaffen.

Abfertigung an der Grenze dauert über acht Stunden

Nach der pünktlichen Abfahrt am vergangenen Donnerstagvormittag am Korbacher Kreishaus erreichte der Konvoi mit den drei Lkw und einem Begleitfahrzeug am Freitagabend die Grenze zur Ukraine. Die Fahrt zuvor durch Polen (mit Übernachtung) verlief ohne Probleme. Die Lkw-Warteschlange an den Grenz- und Zollabfertigungsanlagen zwischen Polen und der Ukraine war zwar auf den ersten Blick kürzer als erwartet, dennoch dauerte die Abfertigung bis in den frühen Samstagmorgen, insgesamt über acht Stunden. Daher war die zweite Übernachtung in einem Hotel direkt hinter der Grenze entsprechend kurz. Am Samstagvormittag bewältigte die Konvoigruppe die letzten fast 150 Kilometer bis nach Lutsk auf teilweise sehr schlechten Straßen. Am Ziel wurden die Lkw zunächst auf dem Zollhof und unter amtlichem Verschluss abgestellt.

Im Hotel „Ukraine“ in der Innenstadt von Lutsk bezog die Gruppe anschließend für die folgenden vier Tage ihr Quartier. Vertreter des gemeinnützigen Partners begrüßten die Miglieder der Konvoigruppe. Ein erster Rundgang durch die Stadt Lutsk folgte am späten Nachmittag.

Nach einer ruhigen Nacht ohne den Druck möglicher Unwägbarkeiten unternahm die Gruppe einen weitere Rundtour durch die etwa 200000 Einwohner große Industriestadt Lutsk im Oblast Wolhynien.

Bei einem Festessen außerhalb der Stadt begrüßte der Parlamentsabgeordnete Serhiy Martyniak die Konvoigruppe und dankte ihr für das jahrelange soziale Engagement für die Menschen in der Ukraine. Folkloristische Darbietungen verschiedener Musik- und Gesangsgruppen aus der Region begleiteten die Gäste aus Korbach gesamten Abend über.

Am Montagmorgen wurden die Lastwagen unter der Aufsicht des Zolls in einer Lagerhalle abgeladen und dort verschlossen eingelagert. Erst in etwa drei Monaten sind alle notwendigen Genehmigungen von verschiedenen Behörden in der Ukraine vorhanden, und erst dann können die Hilfsgüter als humanitäre Zuwendung aus dem Ausland an die Menschen in Lutsk und in den Nachbarorten verteilt werden.

Während eine kleine Gruppe des Konvois diese Arbeiten begleitete, besichtigten die anderen Mitglieder des Vereins gemeinsam mit Vertretern des „Europäischen Vektor“ eine kleine Schule in dem Dorf Zamlytschi. Dort werden etwa 220 Kinder und Jugendliche bis zur Klasse 10 unterrichten. In diese Schule waren aus der Hilfslieferung des vergangenen Jahres auch Möbel für die Klassenräume gebracht worden.

Die Kinder des Grundschulchors überraschten ihre deutschen Gäste mit kleinen Gesangs- und Tanzvorführungen und erhielten dafür zunächst einige mitgebrachte Spiele und Bälle. Später sollen sie auch weitere Stühle und Tische erhalten.

Ein weiterer Besuch der Konvoigruppe galt dem Bezirkskrankenhaus in Lutsk. Die etwa 50 Jahre alte Klinik verfügt über 850 Betten und über insgesamt etwa 1700 Mitarbeiter. Vor mehr als zehn Jahren hatte die Konvoigruppe erste Ausstattungsgegenstände für die Modernisierung geliefert. Bei diesem Besuch stellte sie fest, dass weitere Hilfe aus Waldeck-Frankenberg dort nicht nötig ist.

Klinik und Schule für Behinderte besucht

Am Dienstag standen nach einem Empfang bei Mikola Romanjuk,dem Bürgermeister der Stadt Lutsk, Besuche und Besichtigungen der Entbindungsstation einer 140-Betten-Klinik in Rozhyshche, einer Schule für Kinder mit Behinderung und einer Regionalschule in Dubyshche auf dem Programm. Die Gebäude sind in den vergangenen Monaten vom „Europäischen Vektor“ und einem privaten Investor saniert worden. Außerdem wurden dorthin bereits auch Möbel und medizinische Geräte aus der Lieferung der Konvoigruppe im vergangenen Jahr gebracht.

Durch die Hilfsgüter der Konvoigruppe hat sich die Ausstattung von Einrichtungen für die Menschen in der Region Lutsk Stück für Stück verbessert. Die aktuelle Lieferung von 40 Krankenbetten, Rollatoren, Krankenstühle, Schulmöbel sowie Fahrräder, Kleidung und Spielzeug soll diese Entwicklung weiter voranbringen.

Überraschend ruhig zeigte sich bisher die politische Lage und damit allgemeine Situation in Lutsk. Der Krieg in der Ost-Ukraine war im Straßenbild und beim Alltag der Menschen kaum zu spüren. Immer wieder erinnerten Mahntafeln und Denkmäler an die bei den Demonstrationen in Kiew im vergangenen Jahr getöteten Bürger sowie die bis jetzt bei den Kämpfen im Osten gefallenen Soldaten. Meist spontane Aktionen von Bürgern, Vereinen und auch der Kirchen weisen auf den Konflikt hin. Doch das geschäftige und oft auch gesellige Leben der Menschen geht zumindest auf den ersten Blick weiter. Durch höhere Arbeitslosigkeit sowie höhere Preise für Nahrungsmittel, Kleidung und die alltäglichen Güter seien Auswirkungen des Krieges bis in den Westen zu spüren, erklärte ein Gesprächspartner der Konvoigruppe.

Dafür würden viele Ukrainer auch die neue Regierung in Kiew verantwortlich machen. In den Musik-, Gesangs- und Redebeiträgen bei den Begegnungen der Konvoigruppe mit den Verantwortlichen des „Europäischen Vektors“ wurden immer wieder die Liebe zum Land und der Willen, den ukrainischen Staat nicht zerreißen zu lassen, deutlich.

Sinnvolle Unterstützung für die Region Lutsk geleistet

Donnerstagmorgen will die Konvoigruppe wieder in Richtung Korbach starten . „Wir sind zwar so etwas wie eine Spedition, bringen aber humanitäre Hilfe von Mensch zu Mensch“, betontete Wilfried Vogel bei einer erster Bilanz der diesjährigen Konvoireise. „Wir wissen um die Spendenbereitschaft vieler Menschen und Institutionen in Waldeck-Frankenberg und sorgen dafür, dass die Hilfsgüter ankommen. Nach unserem aktuellen Hilfstransport in die Ukraine und dem Besuch der Einrichtungen werden wir erneut mit dem Gefühl auf dem Heimfahrt gehen, eine sinnvolle Unterstützung für die Menschen in der Region Lutsk geleistet zu haben. Die Hilfe kommt dort nicht nur an, sondern wird auch von den Menschen dankbar entgegengenommen“, erklärte er.

Unklar aber bleibt, ob und wie die Arbeit der Konvoigruppe ab Herbst fortgesetzt werden kann. Wilfried Vogel will den Vorsitz nach 25 Jahren abgeben. Der Konvoi wird in der Nacht von Freitag auf Samstag in Korbach zurückerwartet.

Von Thomas Korte

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