Philipp Hiller zeigt seine Werke im Korbacher Bürgerhaus

Auf Umwegen zur Kunst

Philipp Hiller mit dem Roland, den er mit Graffiti verschönt hat.

Korbach - Gut besucht war am Freitag die Eröffnung der ersten Ausstellung des 29-jährigen Korbacher Künstlers Philipp Hiller zum Thema „Buntes Treiben“ im Korbacher Bürgerhaus.

Der junge Kreative, im Korbacher Raum bekannt durch seine künstlerische Gestaltung großräumiger Flächen mit Graffiti, zeigt zurzeit mehr als 60 Werke seiner Schaffensperiode der vergangenen zwei Jahre: Farbspray-Arbeiten im Graffiti-Stil sowie Aquarelle und Acrylmalereien von Landschaften, Architekturzeichnungen und anderes. Ein Video im Eingangsbereich dokumentiert zudem die künstlerische Entwicklung.

Stadtrat Reinhard Möllenhoff begrüßte den jungen Künstler, seine Familie und die zahlreichen Besucher. Er hieß Philipp Hiller als einen Korbacher willkommen, der mit dieser Ausstellung die hiesige Kulturszene weiter verbessere.

Jörg Kleine, Chefredakteur der Waldeckischen Landeszeitung und mit Hiller gut bekannt, hielt bei der Eröffnung auf Wunsch des Künstlers die Laudatio. Mit feinsinnigem Humor ging er unterschiedlichen Fragestellungen nach, beispielsweise, was eigentlich Kunst sei und ob es überhaupt Kunst sei, was Philipp Hiller da mache. Denn dieser, so Kleine, habe bereits in der Schule Wasserfarben gehasst, und seine Schwestern hätten ihm während der Schulzeit heimlich seine Bilder vollenden müssen.

Später habe Philipp bekanntlich etwas Handwerkliches erlernt, nämlich Elektriker bei der Conti, dann jedoch einen coolen Typen auf Sylt kennengelernt, der sein Denken und seine Wünsche in neue Bahnen gelenkt habe. Mit einem Freund vom Handball habe er schließlich mit Graffiti begonnen, Workshops dazu abgehalten, das Fachabitur nachgeholt und an der Fachhochschule Detmold das Studium der Innenarchitektur mit dem Bachelor abgeschlossen. Und nun, während der Vorbereitung auf seine Masterprüfung, sei er sogar als Tutor tätig und vermittle wiederum sein Können anderen Lernenden.

Dazwischen habe er noch Aufträge zu Wandgestaltungen mittels Graffiti angenommen, die mittlerweile einen recht hohen Bekanntheitsgrad aufwiesen, sagte Kleine weiter. Auch Reisen habe er unternommen, um sein künstlerisches Können zu verbessern, beispielsweise nach Italien, Prag und Sylt.

Kleine sah aktuell eine breite Anlage des Künstlers: Philipp habe sich nicht nur in eine einzige künstlerische Richtung entwickelt. In seinen Augen habe er eine großartige Entwicklung durchgemacht, so dass sein Vater sich auch nicht mehr zu sorgen brauche, „wovon der Junge einmal leben soll“.

Auch Bürgermeister Klaus Friedrich freute sich über die vielen Anwesenden und gratulierte Hiller zur ersten Ausstellung, die ja erfreulicherweise in Korbach stattfände.

Hiller selbst fand es einfach „krass“, dass so viele Leute zur Eröffnung seiner Ausstellung gekommen waren. Diese sei eine Idee des Bürgermeisters vor zwei Jahren gewesen, und er hoffe, es sei nun für jeden Geschmack etwas dabei. Auch seine Kunstwerke seien eben letzten Endes lediglich Farbe auf einem Blatt, und das dort Dargestellte nehme jeder Betrachter in unterschiedlicher Weise wahr.

Der Künstler erinnerte in einem Rückblick an die Probleme, die seinerzeit in seinem Elternhaus mit Beginn seiner Mal-Karriere auftraten. Der Reiz des illegalen Graffiti-Sprayens habe ihn allerdings nie heimgesucht, so Hiller humorvoll, habe doch sein Vater einmal angedroht, ihm in einem solchen Fall „die Hände abzuhacken“. Nun aber seien die Probleme innerhalb der Familie überwunden, und sein Schaffen werde akzeptiert.

Hiller bedankte sich bei allen, die ihn bei dieser Ausstellung unterstützt hätten. Lang anhaltender und herzlicher Applaus belohnte seine Ausführungen. Anschließend sorgte Sebastian Hamel, Singer, Songwriter und guter Freund von Hiller, für die musikalische Untermalung.

Die Ausstellung von Philipp Hiller ist noch bis zum 30. August geöffnet. (rw)

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