Johannesgemeinde feiert am 26. August ihr 50-jähriges Bestehen · Rückblick auf stürmische Zeite

„In unserer Gemeinde ist vieles anders“

Korbach - Mit einem bunten Fest feiert die Johannesgemeinde am 26. August ihr 50-jähriges Bestehen. Es soll so bunt sein, wie die Gemeinde selbst, wünscht sich Pfarrer Oliver Okun und blättert zum Jubiläum durchs Fotoalbum.

Viele Menschen in diesen Straßenzügen haben eine Lebensgeschichte, die geprägt ist von Flucht und Vertreibung, von der Suche nach Heimat und einem Neuanfang. Ihre Wurzeln liegen in vielen, ganz verschiedenen Ländern der Welt, sie haben ihre Traditionen und Träume mitgebracht, ihre Sorgen und Ängste.

„Das macht uns zu einem besonders bunten und vielseitigen Bezirk“, sagt Pfarrer Oliver Okun, „bei uns ist manches anders“. Seit sieben Jahren ist er Pfarrer in der Johannesgemeinde und längst kennt er die Menschen und ihre Geschichten in „Korbach West“.

Mit diesem schnöde klingenden Namen startete die Gemeinde vor 50 Jahren in ihre Geschichte. „Nach dem Krieg waren viele Flüchtlinge nach Korbach gekommen“, sagt Okun, „es wurde viel gebaut und die Gemeinde wuchs“. Also sollte ein neuer Bezirk innerhalb der Evangelischen Kirche Korbach entstehen. Bereits 1956 hatte Pfarrer Delius die neu gegründete Pfarrstelle übernommen, zum Treffpunkt wurde das Pfarrhaus am Nordwall erkoren. Gemeinsam mit Architekten entwarf Delius ein neues Gemeindezentrum und das Pfarrhaus. „Auf eine geplante Kirche wurde später verzichtet“, hat Pfarrer Oliver Okun herausgefunden.

Als Pfarrer Delius 1960 starb, übernahm vorübergehend Vikar Völker die frisch gegründete Gemeinde, bis 1961 Siegfried Dembowski nach Korbach kam. „Er ist die prägende Gestalt dieser Gemeinde“, sagt Okun. Unter seiner Federführung wurde das neue Gemeindehaus 1962 eingeweiht, ein Kindergottesdienst entstand und der Jugendarbeit wurde ein Schwerpunkt gewidmet.

Wohnzimmeratmosphäre

Dembowski war es auch, der der Gemeinde seinen Namen gab. „So schrecklich nichtssagend sei Korbach-West“, hat Dembowski einmal gesagt. Den Namen des vierten Evangelisten schlug er schließlich vor, weil er seiner eigenen Theologie nahe stand. Der Gemeinde gefiel der Vorschlag, das Ergebnis fiel einstimmig aus. Ein reges Gemeindeleben entwickelte sich - von Anfang an geprägt von der besonderen Situation der Menschen. Die Pfarrer Hannelore Schneider, Friedemann Seiler, und Helmut Scheumann folgten Demboswki im Amt. Nur eines blieb der Gemeinde vorenthalten: „Der Gesamtkirchenvorstand wollte, dass die Gottesdienste weiterhin in der Nikolaikirche stattfanden“, sagt Okun, „statt im Gemeindehaus“.

Inzwischen feiert die Johannesgemeinde ihre Gottesdienste in ihren eigenen Räumen. „Bei uns herrscht ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre“, sagt Oliver Okun schmunzelnd, „das schätzen viele Menschen hier“. Nicht immer sei es einfach, die Distanz der Menschen zur Kirche zu überwinden. Ehrenamtliche Mitarbeiter würden sich schwerer finden lassen als anderswo und manchmal gehe er eben mit Übersetzern zu Tauf- oder Traugesprächen. „In unserer Gemeinde wollen wir für alle Menschen und ihre Geschichten Raum bieten“, sagt Pfarrer Oliver Okun.

Gottesdienst im Freien

Und das soll auch das Gemeindefest zum 50. Geburtstag widerspiegeln. Siegfried Dembowski hat sich zum Fest angekündigt, das mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel um 12 Uhr beginnt. Anschließend sind kleine Interviews mit Wegbegleitern der vergangenen 50 Jahre geplant, ein buntes Programm für große und kleine Menschen und kulinarische Genüsse. Die DRK-Tanzgruppe, der Chor „Knapp daneben“ und die Line Dancers gestalten das Fest mit. Alle sind herzlich eingeladen.

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