Volle Karre: Mitfahrgelegenheiten werden als günstige Reisevariante immer beliebter

Unterwegs in fremden Autos

Korbach - Je teurer Benzin und Bahn, desto interessanter werden Mitfahrgelegenheiten – nicht nur für Studenten. Und ökologisch ist es auch noch, gemeinsam statt einsam zu fahren.

Laura Hille (23) und Bastian Wegner (25) haben noch zwei Plätze frei in ihrem VW Polo. Die beiden Studenten fahren heute von Korbach über Kassel nach Dresden, um 14 Uhr geht es los. Weil sie keine Lust haben, mit einem nur halb besetzten Auto in die sächsische Landeshauptstadt zu fahren und sich gerne das Spritgeld teilen wollen, suchen sie über das Internet-Portal mitfahrgelegenheit.de nach Mitfahrern: „Wir würden dich in Autobahnnähe einsammeln und in Dresden am Hauptbahnhof raus lassen“, schreiben sie.

Wer in Bastians Polo mitfährt, zahlt 23 Euro für die 424 Kilometer lange Fahrt. Zum Vergleich: Bei der Bahn würde die Fahrkarte von Korbach nach Dresden ohne Frühbucherrabatt und Bahncard 80 Euro kosten. Üblich sind Preise zwischen fünf und sieben Euro pro 100 Kilometer. Und auch für die Fahrer lohnt es sich: Wer zwei Passagiere mitnimmt, hat oft die Benzinkosten raus. Die Ersparnis lockt immer mehr Menschen. Die Zeiten, in denen vor allem Studenten solche Angebote nutzten, sind längst vorbei. „Da sind alle Gesellschaftsschichten dabei“, sagt Bastian Wegner, auf dessen Rücksitz bereits Dichter, Landtagsabgeordnete und Soldaten Platz genommen haben. „Nur Rentner sind selten“, sagt Laura Hille.Mitfahrzentralen gibt es bereits seit den 50er Jahren. Mit dem Internet haben sie aber rapide an Bedeutung gewonnen: Mit einem Mausklick werden Fahrer und Passagiere zusammengebracht. Das Prinzip ist einfach: Ziel eingeben, einen Fahrer anrufen und den Treffpunkt ausmachen.

Die Stadt Korbach verlinkt auf ihrer Internetseite auf das Angebot des Branchenprimus www.mitfahrgelegenheit.de. Die Seite hat nach eigenen Angaben 4,7 Millionen registrierte Nutzer, bietet ständig mehr als 900 000 Fahrtangebote an und ist damit die größte Plattform für Mitfahrgelegenheiten in Europa. Ein Bewertungssystem für die Fahrer hilft dabei, die Spreu vom Weizen zu trennen und und Mitfahrer vor unliebsamen Überraschungen zu bewahren.Auch Laura und Bastian nutzen diese Plattform – auch wenn sie sich, wie viele andere, darüber ärgern, dass mitfahrgelegenheit.de im Frühjahr kostenpflichtig geworden ist: „Bei Strecken über 100 Kilometer müssen die Fahrtanbieter jetzt elf Prozent des Fahrpreises an den Betreiber zahlen“, sagt Bastian Wegner.

Beide nutzen das Angebot seit fünf Jahren regelmäßig – als Fahrer und als Mitfahrer: „Zusammen kommen wir bestimmt auf 30 Fahrten im Jahr“, sagt Bastian. Während Korbach als Start und Ziel noch relativ exotisch ist, steigen die Chancen, ein Auto mit der gewünschte Route zu finden, mit der Nähe zu Autobahnen: „In Diemelstadt steigen schon einige Leute hinzu. Von Kassel aus kommt man überall hin“, sagt Laura.

Die 23-Jährige hat fast ausnahmslos gute Erfahrungen mit Mitfahrgelegenheiten gesammelt: „Ich saß einmal mit fünf Leuten in einer Mercedes A-Klasse und ein Fahrer hatte mal seinen halben Hausstand dabei. Aber normalerweise gibt es ausreichend Platz für Gepäck und einen Sitzplatz“, berichtet sie.

Mitfahrgelegenheiten gibt es unter anderem hier:

www.mitfahrgelegenheit.de

www.flinc.org

www.blablacar.de

www.mitfahrzentrale.de

www.bessermitfahren.de

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