Die Schneeproduktion soll bei entsprechenden Temperaturen möglichst kommende Woche anlaufen

Upländer stehen in den Startlöchern

Die Schnee-Erzeuger stehen bereit, um das Skigebiet Willingen bei entsprechenden Minusgraden in weiße Pracht zu hüllen.

Willingen - Die Upländer sind optimistisch. „Nächste Woche wird‘s kälter“, vertraut nicht nur Seilbahn-Geschäftsführer Jörg Wilke auf die Prognosen der Wetterdienste. „Dann können wir mit der Schneeproduktion beginnen.“

Bei Jörg Wilke, dem Sprecher des Skigebiets Willingen, steht das Telefon nicht still. „Die Menschheit wartet auf Schnee“, sagt er und lässt den Blick über die grünen Hänge schweifen. Neben vielen Wintersportfreunden, die Auskünfte zum Skibetrieb haben wollen, sprechen derzeit auch täglich Vertreter von Fernsehsendern, Rundfunk und Zeitungen bei ihm vor. „Alle wollen wissen, wie schlecht es Willingen geht“, schmunzelt er. Natürlich ist es für die Liftbetreiber, die Skiverleih-Firmen und für die Skischulen bitter, dass die Temperaturen in den letzten Tagen zeitweise bis in den zweistelligen Bereich kletterten, Frau Holle sich offensichtlich total in den USA verausgabt und die Schneekanonen bisher nicht anlaufen konnten. Die Upländer sind jedoch zuversichtlich, dass sich die Situation bald bessert und der Winter Einzug hält.

Jörg Wilke und der Leiter der Tourist-Information, Ernst Kesper, verweisen in diesem Zusammenhang auf das Vorjahr. Nach einem winterlichen Intermezzo im Dezember 2012 lief der Skibetrieb 2013 erst am 16. Januar an. Mit 353 000 Übernachtungen im Zeitraum von Dezember bis März erzielte die Uplandgemeinde letztendlich dennoch ihre bisher beste Wintersaison überhaupt.

Fast 100 Schnee-Erzeuger

Die Willinger stehen in puncto künstliche Beschneiung in den Startlöchern. Sowie es die Temperaturen erlauben, werden im Skigebiet knapp 100 Schnee-Erzeuger angeworfen. „Wir beginnen bei minus drei Grad mit der Schneeproduktion“, so Jörg Wilke. Es sind etwa drei bis vier frostige Tage und Nächte notwendig, um die Willinger Skipisten zu beschneien. Der Inhalt des Schneiteichs auf dem Ettelsberg reicht für eine Grundbeschneiung. Im Klartext: Acht Kilometer Pisten können auf einer Breite von 30 bis 35 Metern in einer Stärke von rund 30 Zentimetern beschneit werden. Der Teich wird bei Wasserentnahme natürlich auch wieder entsprechend nachgefüllt.

Wind war zu stark

Wieso haben die Willinger im Gegensatz zu den Winterbergern im Dezember noch keinen Schnee erzeugt? „Es wäre zwar von den Temperaturen her möglich gewesen, aber der Wind war zu stark“, so Jörg Wilke. „Auf unserem offenen Gelände wäre der Schnee nicht da gelandet, wo er gebraucht wird“, sagt er und verweist auf die vollkommen unterschiedlichen topografischen Gegebenheiten.

Die Krokusferien in den Niederlanden beginnen dieses Jahr am 15. Februar, eine „Brot- und Butterzeit“ für alle, die im Upland vom Fremdenverkehr leben. Jörg Wilke: „Ich bin sehr optimistisch, dass es uns gelingt, bis dahin eine Handbreit Schnee unter die holländischen Ski zu bekommen.“

Große Nachfrage

Aus dem niederländischen und belgischen Bereich gab es übrigens in den letzten Wochen aufgrund des Schneemangels einige Stornierungen. „Sie wurden aber durch andere Buchungen ausgeglichen“, berichtet Tourismus-Manager Ernst Kesper. Die Weihnachts- und Neujahrszeit war aus seiner Sicht ausgesprochen erfolgreich. „Der Nachfragedruck war wie immer um die Feiertage sehr hoch.“ In dieser Woche haben nun nur noch die Hessen Schulferien. „Einige Gäste reisen vorzeitig ab, aber im sehr geringen Ausmaß.“

Ernst Kesper betont, dass den Urlaubern vielseitige Alternativen zum Wintersport geboten werden. Die Tourist-Information gibt den Besuchern eine aktuelle Auflistung der Freizeitangebote an die Hand.

Breites Spektrum

Das Spektrum reicht vom Besucherbergwerk und der Besucherbrauerei über Bowling-Center, die drei Usselner Museen, Eissporthalle, Glasmanufaktur, Hochheideturm, Kartbahn, zwei Kinos und Kletterhalle bis zum Lagunenbad, das kürzlich in der Ferienzeit an einigen Tagen mehr als 2000 Badegäste anlockte. Auch im Outdoor-Bereich gibt es etliche Möglichkeiten (Sommerrodelbahn, Wanderungen, Wild- und Freizeitpark, Besuch der Mühlenkopfschanze und anderes).

„Bis Sonntag war viel zu tun“, zieht Gerlinde Scriba, die Vorsitzende des Hotel- und Gaststätten-Kreisverbands Korbach-Willingen, Bilanz. „Jetzt ist es sehr ruhig geworden in Willingen“ - Gelegenheit für die Mitarbeiter der Hotels und Gastronomiebetriebe, freie Tage nachzuholen. Wie so viele im Upland hofft auch Gerlinde Scriba im Interesse der Betriebe und Gäste auf kältere Temperaturen und Schnee.

Und wie sieht es mit der Präparierung der Mühlenkopfschanze aus, wo vom 31. Januar bis 2. Februar das Weltcup-Skispringen stattfindet? „Es ist uns seit 1995 immer gelungen, die Schanze zu präparieren, und es wird uns auch diesmal gelingen.“ Dieter Schütz, der Pressesprecher des Skiclubs, sieht der Großveranstaltung ganz entspannt entgegen. Er macht derzeit ein paar Tage Urlaub an der Ostsee, verfolgt aber von Scharbeutz aus das Geschehen in der Heimat. „An der Schanze stehen sieben Schneekanonen“, zwei weitere Kanonen und zwei Schneelanzen befinden sich an der EWF-Biathlon-Arena. „Anfang nächster Woche wird die Schneeproduktion sicherlich anlaufen können.“

Abgeschabtes Eis

Schütz berichtet, dass an der Willinger Eissporthalle zehn Lkw-Ladungen abgeschabtes Eis bereit liegen. „Das reicht aus, um den Anlauf zu präparieren.“ Der entsprechende Arbeitseinsatz ist für den 18. und 19. Januar geplant.

Vor dem Skispringen findet noch eine weitere Veranstaltung statt, für die sich die Willinger sehnlichst Schnee wünschen: Der erste deutsche Winterwandertag vom 19. bis 23. Januar. Wie berichtet, sind rund 60 Einzelveranstaltungen geplant, darunter auch verschiedene Aktivitäten im Schnee (Schneeschuhwanderungen, Langlaufkurse, Pferdeschlittenfahrten, Rodelspaß). Wirtschaftsförderer Dieter Pollack, in dessen Händen die Organisation liegt, weist darauf hin, dass dafür notfalls hochwertige Ersatzveranstaltungen angeboten werden, sodass bei den Teilnehmern garantiert keine Langeweile aufkommt. (bk)

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