Korbacher Amtsgericht verurteilt 36-Jährigen zu Bewährungsstrafe

Den Urlaub im Luxus nicht bezahlt

Korbach - In einem Vöhler Wellnesshotel hatte er sich und seiner Freundin ein Luxuswochenende spendiert - und nicht bezahlt. Gestern verurteilte das Korbacher Amtsgericht einen 36-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe.

Es war ein kurioser Fall: 26 Vorstrafen hatte der Angeklagte auf dem Konto, die meisten davon wegen Betrugs. Vor Gericht allerdings waren seine Fälle nie gelandet. Per Post hatten ihn die Strafbefehle erreicht und mit ihnen die Zahlungsaufforderungen: Geldstrafen von insgesamt 22 700 Euro muss er inzwischen zahlen. Das kann der 36-Jährige aber nicht und sitzt deswegen inzwischen in der Justizvollzugsanstalt in Frankfurt.

Von dort aus wurde er gestern zum Amtsgericht nach Korbach gebracht, wo sein neuer Betrugsfall verhandelt wurde: Im Dezember 2012 hatte der gebürtige Italiener mit seiner damaligen Freundin in einem Vöhler Wellnesshotel eingecheckt. Damals war er bereits arbeitslos. „Aber ich wollte meiner Freundin imponieren“, erklärte der 36-Jährige. Mit dem Hotel habe er abgemacht, in zwei Raten zu bezahlen. Die kamen allerdings nie an. Das Paar buchte das Jahreswechsel-Angebot für 1149,90 Euro. „Es war ein wundervolles Wochenende“, erinnerte sich der Angeklagte, „wir hatten ein sehr leckeres Sieben-Gänge-Menü und möchten uns für die Gastfreundschaft der Familie herzlich bedanken.“ Essen, Trinken, Wellness und Übernachtung gönnte sich das Paar. Die Bezahlung blieb der 36-Jährige schuldig. Lediglich 109,90 Euro der Rechnung beglich er.

Dafür musste er sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. „Es tut mir leid, dass es so weit gekommen ist“, erklärte der Frankfurter, „ich möchte mich vielmals dafür entschuldigen, dass ich die Gastfreundschaft der Familie so mit Füßen getreten habe.“ Er habe gedacht, das Geld auf dem Konto reiche noch.

Das glaubte ihm die Staatsanwaltschaft nicht: „Sie waren arbeitslos und haben sich in einem Luxushotel eingemietet“, befand die Staatsanwältin, „das konnten Sie sich nicht leisten.“ Vorsätzlich sei der Betrug gewesen und in voller Absicht geschehen. „Sie hätten mal auf Ihr Konto gucken müssen“, betonte auch Richter Kalhöfer-Köchling.

Schließlich räumte der gebürtige Italiener ein: „Ich weiß auch nicht, warum ich das immer tue. Damit schade ich ja auch der Ehre meiner Familie. Meine Mutter ist sehr enttäuscht.“ Die habe ihm immer den Rücken gestärkt und sogar angeboten, die Kosten zu übernehmen. „Aber das muss ich jetzt alleine schaffen“, betonte der 36-Jährige. Deswegen sitzt er seit zwei Monaten in der Justizvollzugsanstalt in Frankfurt. „Wenn ich meine kompletten Schulden absitzen muss, bleibe ich auch noch für die nächsten drei Jahre“, erklärte er. Inzwischen hat er dort einen Job angenommen und begonnen, seine Schulden zurückzuzahlen. Allerdings wünsche er sich, bald in Freiheit eine Arbeitsstelle zu bekommen. „Und dann bezahle ich auch endlich meine Schulden im Hotel“, erklärte er. Denn er wolle einen neuen Weg einschlagen. „Ich will nie wieder straffällig werden“, betonte er.

Die Staatsanwältin beantragte dennoch, den Angeklagten sechs Monate ins Gefängnis zu schicken - ohne Bewährung. Richter Kalhöfer-Köchling war anderer Meinung: Wie bei vielen anderen Angeklagten auch, die zum ersten Mal zu einer Haftstrafe in dieser Höhe verurteilt würden, könne die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden.

Kritik übte der Richter an der südhessischen Justiz: „Da hätte früher die Notbremse gezogen werden müssen, 26 Geldstrafen ohne Haftstrafe, das hätte es bei uns nicht gegeben.“

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