Paderborn/Usseln

Usselner Reliquien-Behälter geöffnet - Urkunde bestätigt Vermutungen

- Usseln/Paderborn (bk). Termin in Paderborn: Im Archiv des Erzbistums wurde am Freitag das Kästchen mit den Reliquien aus der Usselner St.-Sturmius-Kirche geöffnet.

Ein spannender Moment für Dechant Gisbert Wisse und die Upländer Gemeindereferentin Ursula Beste: Die beiden brachten den kleinen Bleibehälter, der bis vor Kurzem in einem Reliquien-Grab unter dem Altar der St.-Sturmius-Kirche verborgen war, in die Domstadt. Im Konrad-Martin-Haus, in dem sich das Archiv des Erzbistums befindet, öffnete Archivar Thomas Welter das im Mai 1971 mit rotem Band verschlossene und versiegelte Kästchen. Der Inhalt war sorgfältig in Watte verpackt: Zwei winzige Briefchen – jeweils etwa zehn mal 20 Millimeter groß – , in denen sich die Reliquien befinden. Eines der Päckchen ist wiederum versiegelt, das andere mit Klebeband umhüllt. Eine in lateinischer Sprache abgefasste und vom damaligen Paderborner Weihbischof und späteren Kardinal Johannes Joachim Degenhardt unterzeichnete Pergamenturkunde bestätigt die Authentizität der Reliquien: Sie stammen von St. Sturmius und dem heiligen Engelbert. Sturmius lebte im achten Jahrhundert. Er war im nordhessischen Raum als Missionar tätig. Der Legende nach soll er die Upländer am Christenbörnchen getauft haben. Er wurde um 747 von Bonifatius zum ersten Abt des Klosters Fulda ernannt. Sein Grab befindet sich im Fuldaer Dom. Der Fuldaer Bischof Adolf Bolte erfüllte 1970 die Bitte der Upländer Kirchengemeinde und überließ ihr die Reliquie. Sie wurde damals zusammen mit der Reliquie des Kölner Märtyrer-Bischofs Engelbert in den Altarstein eingefügt und kürzlich wieder entnommen. Wie berichtet, wurde die St.-Sturmius-Kirche profaniert; das Gebäude verlor also seinen sakralen Charakter. Es soll in Zukunft als Depot für kirchliches Kunstgut dienen. Gregor Tuszynski, Liturgie-Referent im Erzbistum, gehörte ebenso wie Dechant Gisbert Wisse und Gemeindereferentin Ursula Beste zu den Zeugen der aufschlussreichen und denkwürdigen Aktion. Er protokollierte jede Einzelheit. Da die jahrhundertealten Knöchlein (oder Knochensplitter) möglicherweise inzwischen zerfallen sind, wurde darauf verzichtet, die kleinen Verpackungen zu öffnen. Sie werden im Erzbischöflichen Generalvikariat mitsamt der Pergament-Urkunde neu versiegelt. Es ist angedacht, die Reliquien in Zukunft in der Willinger St.-Augustinus-Kirche aufzubewahren. Einzelheiten werden bei einem im November geplanten Besuch von Professor Dr. Christoph Stiegemann geklärt. Er ist Domkustos in Paderborn und zuständig für kirchliche Kunst im Erzbistum und somit auch für die zukünftige Usselner Depotkirche. Er ist übrigens der Sohn des Architekten Heinrich Stiegemann, der vor rund 40 Jahren die St-Sturmius-Kirche geplant hat.

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