Halle steht für ein Stück Geschichte

Usselner „Zelt“ wird 100

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Dieses Foto entstand beim Pfingstsportfest 1949. Das Diemelbad war wegen kühler Witterung nicht in Betrieb. Links hinter dem Sportplatz befindet sich die Schützenhalle, deren 100-jähriges Bestehen jetzt gefeiert wird. Rechts davon sieht man hier das 1972 abgebrochene Spritzenhaus der Feuerwehr und ganz rechts die Grundschule. Foto: pr

Willingen-Usseln - Ob „Frankfurter Wecker“, Konzerte - beispielsweise mit Star-Trompeter Walter Scholz -, Theateraufführungen, Kabarettabende oder die traditionsreichen Schützen- und Heimatfeste: Das Usselner „Zelt“ erweist sich immer wieder als idealer Veranstaltungsort mit ganz besonderer Atmosphäre.

„Unser Zelt wird 100“ ist das Motto der Jubiläumsveranstaltung, zu der die Schützengesellschaft am kommenden Samstag, 14. Juni, einlädt. Sie beginnt um 20 Uhr (Einlass: ab 19.30 Uhr). Der Eintritt ist frei. Geboten wird Unterhaltsames, Musikalisches und Historisches.

Auf der Gemeindebleiche

Die 100-Jahr-Feier gibt Anlass zum Rückblick. Offensichtlich war es sehr mühsam, früher jedes Jahr zum Kriegerfest Trink- und Tanzzelt auf- und wieder abzubauen und alle Balken, Bretter, Bänke und Gerätschaften zwischenzulagern. So wurde 1914 nach längeren Diskussionen die „Kriegerhalle“ auf der ehemaligen Gemeindebleiche gebaut. Die Kosten waren mit 7000 Mark veranschlagt, wurden aber um 1000 bis 1500 Mark überschritten.

Die Einweihung wurde groß gefeiert, das Kriegerfest 1914 fiel jedoch wegen des Kriegsausbruchs aus. In der Halle wurden dann während des Ersten Weltkriegs Kriegsgefangene untergebracht, die bei Usselner Bauern arbeiteten.

Ständig verbessert

Im Laufe der 100 Jahre fand eine Vielzahl baulicher Verbesserungen und Erweiterungen statt. Einige Stichworte dazu: 1920 elektrisches Licht, die erste manuell betriebene Kegelbahn oben in der Halle, Kauf einer Bühneneinrichtung; 1921 fließendes Wasser; 1924 Verlegung der Kegelbahn in den Keller und Bau des Kegelraums („Hölle“), Einrichtung eines Speiseraums; 1929 massive Ausmauerung der Außenwände und Erweiterung der Halle; 1936 Bühnenanbau; 1947 Beginn der Instandsetzung der beschlagnahmten Halle; 1950 Rückkauf der Halle vom Land Hessen; 1956 Bühnenvorbau; 1962 Bau der vollautomatischen Kegelbahn; 1967 Anbau neuer Toiletten; 1972 große Renovierung und Abriss des Spritzenhauses; 1973 Bau des Kursaals; 1976 separater Kellereingang zur „Hölle“; 1986 und 1992 neue Bühnenvorbauten; 1994, 1995 und 1997 abschnittsweise grundlegende Sanierung der Halle.

Mit Waldecker Stern

Auch in diesem Jahrtausend hat sich eine Menge getan: 2005 Bau einer neuen Thekenanlage und Renovierung des Bierkellers; 2008 neue Beschallungs- und Mikrofonanlage; 2011 Erneuerung von 95 Tischplatten; 2014 Einbau eines Eichendielenbodens mit Waldecker Stern und neue Lichtsteuerungstechnik. Die Usselner Schützenhalle gilt heute als eine der schönsten und besteingerichteten Hallen der Region.

Vorsitzender Ralf Heine und die Mitglieder des Festausschusses, die sich in den letzten Monaten mit der Geschichte des Gebäudes befasst haben, haben anlässlich des Jubiläums auch einmal die vielseitigen bisherigen Nutzungen der Schützenhalle zusammengetragen. So befand sich im Bereich der heutigen Sektbar früher das sogenannte „Vereinszimmer“. Es wurde zeitweise an die Schule vermietet, diente als Probenraum des Männergesangvereins „Eintracht“ und wurde als „Spielschule“ - so wurde früher der Kindergarten genannt - genutzt. Über Jahrzehnte hinweg trafen sich hier auch die Schützenbrüder sonntags zum gemütlichen Schoppen und Kartenspiel.

Vielseitig genutzt

In den Kellerräumen befand sich in den 1920er-Jahren die Schreinerei Ferron. In der Schützenhalle trafen sich die Mitglieder des Sportvereins zum Turnen. Der Dramatische Verein lud zu Theateraufführungen ein, und 1925 fand die erste Kinovorstellung statt.

Einige weitere Kapitel in der Geschichte der Halle: 1933 Belegung durch eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes; 1941 Vermietung an die Continental-Gummiwerke als Reifenlager; 1945 Einzug von „Fremdarbeitern“; 1957 Vermietung als Quartier für britische Soldaten; ab Ende der 1980er-Jahre wiederholte Durchführung von Antik- und Trödelmärkten. Unvergessen sind zudem zahlreiche andere Veranstaltungen: Höllenfeten, Tanz-, Disko- und Rockabende, Hühnerausstellung, McDonalds-Schützenfeste und in den letzten Jahren die herausragenden Kabarettabende. Mit dem Jubiläumsfest am kommenden Samstag steht ein weiterer Höhepunkt bevor.

Von Ulrike Schiefner

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