Korbach: Alternative Nobelpreisträgerin spricht vor mehr als 250 Besuchern

Vandana Shiva prangert multinationale Saatgutkonzerne an

- Korbach/Willingen. "Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der nicht wissen möchte, was in seiner Nahrung steckt": Die indische Wissenschaftlerin und Umweltaktivistin Vandana Shiva hat bei ihrem Vortrag im Korbacher Bürgerhaus am Samstag eindringlich davor gewarnt, dass multinationale Konzerne wie Monsanto mit ihrem hochgezüchteten Saatgut und unter Einsatz von Gentechnik die regionalen Strukturen bäuerlicher Landwirtschaft auf Dauer vernichten.

Ihren Vortrag im Bürgerhaus zum Thema: „Artenvielfalt statt Gentechnik: Mit Ökolandbau die Welternährung sichern“ verfolgten zahlreiche Interessierte aus Waldeck-Frankenberg und benachbarten Regionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. „Die Bauern werden zur Sklaven der Gentechnik gemacht“, fasste die promovierte Physikerin die Erfahrungen in ihrem Heimatland Indiens zusammen. Das gleiche Schicksal drohe aber genauso Landwirten in Deutschland und Europa. Denn die marktbeherrschende Saatgutkonzerne träten wie Kolonialherren auf. Shiva verglich den Kampf gegen deren Methoden deshalb auch mit dem Widerstand Mahatma Gandhis gegen die britische Besatzungsmacht.

Vandana Shiva erhielt 1993 den alternativen Nobelpreis und wurde am Sonntag in Kassel mit dem Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert. Die Laudatio hielt der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Umweltdirektor der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer. Durch den Kontakt zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Upländer Bauernmolkerei, Josef Jacobi, kam der Besuch am Vortag der Preisverleihung zum Abschluss der „Fairen Woche“ in der Kreisstadt zustande. Die „leidenschaftliche Kämpferin für Artenvielfalt“ kritisierte rhetorisch einnehmend und klar Ursachen und Folgen des Einsatzes von gentechnisch verändertem Saatgut in der Landwirtschaft. Diese Agrogentechnik sei verantwortlich für die Zerstörung von Ökosystemen und Biodiversität, steigere den Pestizidaufwand und treibe Bauern in die fatale Abhängigkeit weniger Konzerne. Deren ausschließlich profitorientiertes Vorgehen trage weder dazu bei, den Hunger in der Welt zu beseitigen noch eine bäuerliche Landwirtschaft mit regionalen Absatzstrukturen zu erhalten.

Als Beispiel nannte sie den Umstand, dass nur zwei Prozent der weltweiten Soja-Produktion von Menschen verzehrt werde, „98 Prozent fressen Autos und die industrielle Tierproduktion.“ Vandana Shivas erfrischender Sinn für Humor sorgte dafür, manchen Anflug missionarisch wirkenden Eifers zu zerstreuen. Überzeugend zeigte sie das Lösungspotenzial einer artenvielfältigen, organischen und fairen Landwirtschaft auf. Es gelte, eine direkte und dauerhafte Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten herzustellen. Auf lange Sicht sei es die Solidarität der Mehrheit, also der beim Einkaufen fair handelnden Verbraucher, die dazu führe, die Herrschaft der mächtigen Minderheit zu brechen.

Mit ihrer Organisation „Navdanya“, die sie 1987 ins Leben gerufen hat, engagiert sich die Wissenschaftlerin weltweit gegen die genetische Veränderung von Saatgut und für die Erhaltung traditioneller Reissorten. Eine davon, einen Bio-Basmati-Reis aus der von Shiva gegründeten Kooperative, gibt es im Eine-Welt-Laden im Corvita zu kaufen. „Probieren und informieren“ hieß dort am Samstagvormittag die Devise, zum Beispiel Bananenpfannkuchen, Mango lassi (ein indisches Joghurtgetränk) und Schokoladenbrownies. Bei der Korbacher Aktion zur bundesweiten „Fairen Woche“ wartete ein Frühstück mit Kostproben fair gehandelter Produkte auf die zahlreichen Besucher. Während des Vormittags informierten Franz Harbecke, Vorsitzender der Eine-Welt-Initiative, und weitere Mitglieder des Arbeitskreises „Fairer Handel“ der Lokalen Agenda über die Vorteile fairer Handelsbeziehungen für Produzenten und Verbraucher. Häufig erörtert wurden die Ergebnisse der jüngsten Prüfung zertifizierter Produkte durch die Zeitschrift „Öko-Test“. Dabei wurde festgestellt, dass die Verbraucher einigen Siegeln, die Waren im Supermarktregal als fair gehandelt ausweisen, besser misstrauen sollten.

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