Spannendes literarisches Kolleg über „Sängerkrieg auf der Wartburg“ in Lelbach

Auf den Verlierer wartet der Henker

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Ins Mittelalter entführten (v. l.) Holger Schäfer, Cornelia Ilse und Dr. Lothar Jahn die Zuhörer in der Alten Schule Lelbach mit dem „Sängerkrieg auf der Wartburg“.

Korbach-Lelbach - Die Veranstaltungen in der Alten Schule sind für Leute, die das Besondere lieben; und davon scheint es in und um Korbach herum eine ganze Menge zu geben.

Der Musiksaal der Alten Schule war wieder bis auf den letzten Platz gefüllt, und diejenigen, die nach Lelbach gepilgert waren, erlebten einen unterhaltsamen Sonntagspätnachmittag, bei dem Lothar Jahn, der auch bisweilen in das musikalische Geschehen eingriff, den musikologisch-literarischen Hintergrund lieferte, Holger Schäfer mit seiner Flöte, seinen Harfen und gekonnter Gesangs- und Rezitationskunst für mittelalterliche Spielmannsstimmung sorgte. „Ich habe viel Neues erfahren und abwechslungsreich und spannend war es auch“, so eine Zuhörerin, die zum ersten Mal in die Alte Schule gekommen und von dem Gehörten sehr angetan war.

Rivalität, Neid, Missgunst

Um einen Sängerstreit, der zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf der Wartburg stattgefunden haben soll, ging es. Sechs der bedeutendsten Barden ihrer Zeit, unter ihnen Größen wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach, hatten sich auf der Burg getroffen, um herauszufinden, „wer wohl am besten sänge“.

In wohlgesetzten Worten und zu Herze gehenden „Melodeien“ pries man die Tugenden des gastgebenden Landgrafen Hermann, die Schönheit seiner Gemahlin, die Freuden der Minne. Wie das geklungen haben mag, ließen Holger Schäfer und Lothar Jahn in gekonnter Troubadoursmanier mit einigen Liedbeispielen ahnen: „Man hoert nicht mer süezen schal“ (Neidhart von Reuental), „Es ist in den Wald gesungen“ (Der Tugendhafte Schreiber), „Unter der Linde“ (Walther von der Vogelweide), um nur einige zu nennen. Aber auch Unerfreuliches soll sich zugetragen haben. Wie so häufig, wenn Künstler zusammentreffen, gab es Rivalität, Neid, Missgunst. Das war früher offensichtlich nicht viel anders als heute. Beim Wartburgkrieg ging man sogar so weit, dem Unterlegenen den Tod anzudrohen.

Ein „ordentliches“ Ende des Wartburgkrieges gibt es nicht. Jeweils abweichende Fassungen sind in die großen Liederhandschriften des Spätmittelalters eingegangen.

Groß aber waren die literarischen Nachwirkungen des Sängerkrieges in der Romantik und Neuzeit: Novalis’ Roman „Heinrich von Ofterdingen“, E.T.A. Hoffmanns Novelle „Kampf der Sänger“, dann aber vor allem Richard Wagners Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“, in der Richard Wagner gegen die mittelalterliche Überlieferung zum ersten Mal den Tannhäuserstoff mit dem Wartburgkrieg verbindet. Eindrucksvoll Lothar Jahns Schilderung der Tannhäusergeschichte: locker, humorig, gar nicht professoral-musikologisch. Als besondere Leseempfehlung gab Jahn den Zuhörern das jüngst erschienene Buch von Robert Löhr „Krieg der Sänger“ mit auf den Weg.

„In Extremo“

Selbst von der Rockszene sei das Sängerkriegsthema aufgegriffen worden, erinnerte sich ein rockerfahrener Besucher der Alten Schule. Die Rockband „In Extremo“ habe den Sängerkrieg als Thematik für ihr Album „Sängerkrieg“ verwendet. Und sogar den Anfang des Titelsongs hatte er noch parat: „Damals wie heute zanken die Barden wie Walther und Neidhart vor achthundert Jahren...“

Für Holger Schäfer und Lothar Jahn gab es dankbaren Beifall und auch für Cornelia Ilse. Sie sei von Alter Musik besessen, berichte Jahn, lasse kaum ein Konzert aus und habe jetzt in der Alten Schule ihren ersten Auftritt. (bsch)

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