Geplanter Verkauf von „Eon Mitte“ wirbelt den Energiemarkt gehörig auf

Versorger stehen unter Strom

Regionale Stromanbieter: Die Landkarte gleicht in Nord- und Mittelhessen einem Flickenteppich.

Korbach - Mit dem Verkauf der „Eon Mitte AG“ könnte sich die Landkarte der Energieversorger in Nord- und Mittelhessen drastisch ändern. Der heimische Versorger EWF in Korbach hat Interesse, sein Marktgebiet weiter auszudehnen. Doch in der politischen Debatte ist Spannung zu erwarten.

Pressemeldungen von Konzernen können reichlich verquast sein. „Eon stellt Regionalgeschäft in Deutschland neu auf“, ließ der deutsche Energieriese Eon AG aus der Düsseldorfer Zentrale am 4. Juni verkünden. Was unter dem Titel an Inhalt folgte, bedurfte einiger Interpretation, um auf den Kern zu kommen: Eon will seine vier größten regionalen Tochtergesellschaften behalten, die anderen aber verkaufen.

Dazu gehören die Eon Thüringen, die Eon Westfalen-Weser und die „Eon Mitte AG“ - die vor allem im südlichen Niedersachsen (Göttingen) und Hessen aktiv ist. In Waldeck-Frankenberg hält „Eon Mitte“ Anteile an der Energiegesellschaft Frankenberg (EGF) und besitzt Konzessionsrechte in weiteren südlichen Gemeinden.

Expansion von EWF

Ende 2011 sind in vielen Städten und Gemeinden indes die Konzessionsverträge mit dem bisherigen Energieversorger abgelaufen. Als Folge hat der heimische Versorger Energie Wal-deck-Frankenberg (EWF) seine Drähte inzwischen bis nach Breuna, Wahlsburg und Trendelburg im Landkreis Kassel ausgestreckt (wir berichteten).

Im Landkreis Kassel haben „Eon Mitte“ sowie 16 Städte und Gemeinden zudem ein neues Versorgungswerk gegründet, das zu 51 Prozent in kommunaler Hand ist. An den eigenständigen Stadtwerken Kassel wiederum ist die Münchener Thüga AG beteiligt - die zugleich Anteile (46,3 Prozent) an EWF hält. So gleicht die Landkarte der Energieversorger inzwischen einem Flickenteppich.

Wer kauft die Eon-Anteile?

Mit dem Verkaufsangebot der Konzernholding Eon AG für „Eon Mitte“ sind nunmehr drei Varianten denkbar:

lDie Landkarte bleibt wie gehabt, weil „Eon Mitte“ (73,3 Prozent Eon AG) komplett von einem anderen Unternehmen aufgekauft wird. Ein Strom-Multi, etwa RWE, darf aus kartellrechtlichen Gründen den Zuschlag allerdings nicht erhalten.

lAls zweites Modell gibt es hinter den Kulissen offenbar Gedanken um eine große nordhessische Energiegesellschaft. Dort könnten sämtliche Landkreise und die Thüga AG ihre Versorgungsnetze einbringen.

lDritte Variante wäre die Zerschlagung von „Eon Mitte“ und eine Aufteilung der Gebiete auf die anderen regionalen Versorger - ob EWF, Kassel oder Stadtwerke Marburg.

Anteilseigner an „Eon Mitte“ sind derzeit zu insgesamt 26,7 Prozent die Stadt Göttingen sowie zwölf Landkreise - von Northeim in Niedersachsen bis Marburg-Biedenkopf in Mittelhessen. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte vor Jahren seine Anteile auf rund 0,2 Prozent reduziert, gehört aber dennoch weiter zu den Verhandlungspartnern. Gespräche eines kommunalen Arbeitskreises mit der Eon AG über mögliche Anteilskäufe laufen.

Vieles ist offen, aber eines schon klar: Eine große nordhessische Lösung mit allen politischen Verflechtungen dürfte kaum im Sinne von EWF und Landkreis sein. „Gegen eine solche Variante wäre die bisherige Eon Mitte noch ein Musterbeispiel an Flexibilität“, kommentiert ein heimischer Experte.

Hintergrund

Zurück zu EAM, so heißt die Devise des Marburg-Biedenkopfer Landrats Robert Fischbach. Er ist Vorsitzender des Kommunalausschusses bei „Eon Mitte“, vertritt die Interessen von Städten und Kreisen als Anteilseigner. EAM stand für „Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland“ mit Sitz in Kassel.

Verschiedene kommunale Stromversorger und die frühere PreussenElektra AG (Hannover) hatten das gemeinsame Unternehmen 1929 gegründet. Im gleichen Jahr ging die PreussenElektra im größeren Konzern der „Vereinigten Elektrizitäts- und Bergwerks-Aktiengesellschaft“ VEBA AG auf, in der Preußen seine staatlichen Beteiligungen zusammenfasste. 1923 hatte das deutsche Reich seine „Vereinigten Industrieunternehmungen“ in der VIAG zusammengefasst. Sitz des Konzerns war zuletzt München, bevor VEBA und VIAG im Jahr 2000 zur neuen Eon AG (Düsseldorf) verschmolzen.

Im gleichen Zuge wurden die Töchter PreussenElektra und Bayernwerk zur Sparte „Eon Energie“ (München) fusioniert. Aus der alten EAM wurde die neue „Eon Mitte“, an dem der Eon-Konzern 73,3 Prozent hält . „Arrondieren“ heißt dabei das Zauberwort der kleineren regionalen Versorger beim geplanten Verkauf von „Eon Mitte“ – also die Gebiete möglichst zusammenhängend erweitern.

Für Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) rücken somit etwa die an „Eon Mitte“ gebundenen südlichen Gemeinden im Landkreis und die Stadt Frankenberg mit EGF strategisch in den Blickpunkt. Devise: ein Landkreis, ein Energieversorger. Immer mehr Städte und Gemeinden im Kreis haben sich zuletzt auch finanziell am kommunalen Zweckverband der EWF beteiligt – der aktuell 53,7 Prozent an EWF hält.(jk)

Kommentare