Unfreiwilliges Ende: Pfarrerehepaar Barbara und Reinhard Grenz wird am Sonntag in Eppe verabschiedet

Verwurzelt wie die Linden im Pfarrhof

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Korbach-Eppe - Nach 21 Jahren nehmen Barbara und Reinhard Grenz am Wochenende Abschied von ihrer Kirchengemeinde in Eppe - weil die halbe Pfarrstelle gestrichen wurde. Der Abschiedsschmerz ist groß, die Erinnerung an schöne Zeiten lebendig.

Als Barbara und Reinhard Grenz vor 21 Jahren zum ersten Mal nach Eppe kamen, da begegneten sie Helmut Böhmer auf der Straße. Der heutige Kirchenälteste ahnte damals nicht, dass er das neue Pfarrerehepaar vor sich hatte und lud die vermeintlichen Touristen freundlich in die Kirche ein. „Damals sahen wir zum ersten Mal das tolle Altarfenster“, erinnert sich Reinhard Grenz. Und noch etwas entdeckte das junge Paar in Eppe: „Die Menschen waren herzlich, offen und zugewandt“, erzählen beide. Also beschlossen Barbara und Reinhard Grenz, mit ihren beiden Töchtern ihr Dorf bei Marburg zu verlassen und in Eppe neu zu beginnen - mit einer Pfarrstelle, die sie sich teilten. Sie widmete sich der Gemeinde in Eppe, er sich der Bildungsarbeit innerhalb der Landeskirche.

Und was sie an ihrem ersten Tag in Eppe feststellten, sollte sich bewahrheiten: „Egal, in welche Richtung ich das Haus verlasse, ich treffe auf nette Menschen“, sagt Reinhard Grenz. Alle Nachbarn haben einen Schlüssel für das Pfarrhaus. „Als wir aus unseren Sommerferien zurück nach Eppe kamen, waren die Erbsen geerntet und bei uns im Tiefkühlregal eingefroren“, erinnert sich das Paar.

„Wir wollten immer ein offenes Pfarrhaus“, sagt Barbara Grenz, „wir haben Privates und Berufliches nie getrennt.“ So gingen sie mitten rein ins gesellschaftliche Leben in Eppe. „Um den Menschen zu begegnen, bin ich zu jeder Feier gegangen“, erinnert sich Barbara Grenz. Beide traten in den Sportverein ein, er spielt seitdem Fußball bei den Alten Herren und sie ist in der Gymnastikabteilung aktiv.

Doch die Menschen in der Gemeinde waren es nicht mehr gewöhnt, einen eigenen Pfarrer zu haben. Zweieinhalb Jahre hatten sie ohne auskommen müssen. „Da war es die größte Herausforderung, sich als Pfarrer wieder zu etablieren“, sagt die 53-Jährige. „Und dann waren wir auch noch so Typen, bei denen man sich erst mal wundert“, ergänzt ihr Mann lachend, „ich mit meinen langen Haaren“. Ein Motor für die Gemeinde und für den starken Kirchenvorstand wollten sie sein und gleichzeitig viel Gestaltungsraum für die Menschen lassen - in der Diaspora eine besondere Herausforderung.

„Wir sind gemeinsam Christen und hier im Grenzgebiet liegt ein ökumenischer Samen“, sagt Barbara Grenz, „der muss gegossen werden“. Und so wurden zum Kindergottesdienst und zum Seniorennachmittag eben Christen beider Konfessionen eingeladen. „Und in der Krabbelgruppe waren wir nicht evangelisch oder katholisch, sondern Mütter“, sagt Barbara Grenz. Aus einem Projektchor zur Konfirmation gingen vor zehn Jahren die „Aartalstimmen“ hervor.

Neben der Ökumene widmete sich das Paar auch anderen Schwerpunkten: „Wir engagieren uns seit vielen Jahren für die Weltladenarbeit und Flüchtlinge“, sagt Reinhard Grenz. Daneben gab es manchen Kampf zu fechten, wenn es um Grundstücksangelegenheit ging, in die die Kirche dank des großen Flächenbesitzes oft verstrickt war.

2007 wurde aus der kombinierten Pfarrstelle von Gemeinde und Bildungsarbeit dann offiziell eine halbe Pfarrstelle in Eppe, drei Jahre später übernahm Barbara Grenz Zusatzaufgaben im Altenheim, um diese halbe Stelle zu erhalten. Ende 2011 wurde die Schließung der Pfarrstelle öffentlich. Die Gemeinde protestierte und bis heute sind Ärger, Traurigkeit und Unverständnis bei Familie Grenz und vielen Gemeindegliedern groß. „Es geht bei der Kirche um Normen und nicht um Inhalte“, beklagt der 53-Jährige. Und bei Berechnungsgrundlagen seien Äpfel mit Birnen verglichen worden, ergänzt seine Frau. „Wir haben bis zum Ende gehofft, die Stelle erhalten zu können“, sagt sie.

Und wie es jetzt weitergeht? „Das wissen wir noch nicht“, sagt Barbara Grenz. Erst mal bleibt die Familie in Eppe wohnen, Barbara Grenz bekommt vom Kirchenkreis Aufgaben zugewiesen. „Wir suchen nach einer neuen Stelle“, sagt Reinhard Grenz, „aber wohin der eine geht, da muss der andere auch eine realistische Chance haben“.

Für Eppe wünscht sich das Paar, dass die Gemeinde das ökumenische Leben aufrechterhält. „Kirche, das sind die Menschen“, sagt Barbara Grenz, „jeder einzelne kann seinen Teil beitragen“.

Abschiedsfeier am Sonntag

Die Abschiedsfeier mit Familie Grenz beginnt am Sonntag um 14 Uhr in der Aartalhalle in Eppe. Eingeladen sind vor allem die Menschen aus Eppe, Hillershausen und Nieder-Schleidern. Nach einer Andacht von Pfarrerin Grenz ist ein Programm vorgesehen, bevor zum Kaffeetrinken eingeladen wird. (resa)

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