In Fürstenberg und Buchenberg nutzen zwei Gruppen die Fastenzeit, um Gutes zu tun und mutig zu sein

Verzicht, Versuchung und keine Vorsicht

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Fürstenberg/Buchenberg - Es hat mit Versuchung zu tun, aber auch mit Geben und Mut. Die Fastenzeit kann unter vielen Gesichtspunkten angegangen werden. Zwei Gruppen aus Fürstenberg und Buchenberg trauen sich.

„Die Versuchung kommt bestimmt, aber dann muss man einfach nein sagen“. „Man muss in dieser Zeit eisern sein, dann bleibt auch am Ende was davon hänhen.“ Das sind Aussagen der Fastengruppe Buchenberg. Zwölf Frauen treffen sich in der Zeit von Aschermittwoch bis Ostern einmal in der Woche. Sie meditieren, sie reden, sie basteln. Es geht um Gemeinschaft - um das gemeinsam Erleben der Fastenzeit.

Ähnlich sieht das auch in Buchenberg aus, wo der Verein „Aktives Buchenberg“ zum Fasten eingeladen hat. Dass dieser christliche Brauch nicht jedermanns Sache ist, zeigt eine Umfrage auf www.wlz-fz.de. Jeder dritte möchte auf nichts verzichten. Fleisch, Fernsehen und Handy sind deutlich wichtiger als Alkohol und Süßigkeiten.

„Ich mache das nicht“

Auch in der Fürstenberger Gruppe sind es die „Klassiker des Fastens“: Süßigkeiten, der Computer, Kuchen, das Auto. Doch Fasten bedeutet mehr als nur Verzicht. Für die Rentnerinnen geht es auch darum, sich selbst und anderen etwas gutes zu tun. Dazu passt das Motto de evangelischen Kirche „Riskier was, Mensch! Sieben Wochen ohne Vorsicht“. Es geht nicht um Leichtsinnigkeit, sondern darum oft Unausgesprochenes anzusprechen, die Grenzen zu überschreiten.

Margarete Hagebusch leitet die Gruppensitzungen im Gemeindehaus in Fürstenberg. Sie hat sich vorgenommen öfter nein sagen. „Nein, ich mache das nicht. Ich nehme mir jetzt Zeit für mich.“ Es gehe beim Fasten auch um die Sehnsucht nach Mut. „Zu oft schauen wir weg statt hin, bleiben stumm, gehen den bequemen Weg“, sagt sie zur Gruppe. Ein Mitglied will eine Bekannte besuchen, die das Haus nicht mehr verlassen kann, eine andere Teilnehmerin möchte öfter Spazierengehen. Der innere Schweinehund soll beim Fasten überwunden werden, um sich selbst und anderen Gutes zu tun.

Um durchzuhalten, belohnen sich die Gruppen aus Fürstenberg und Buchenberg. Die Fürsternberger Fastengruppe gibt es seit 1996, gegründet von Elke Tenbusch-Eierdanz. Sie organisierten Frauenfrühstücke, wurden in die Kunst der Meditation eingeführt oder besuchten die Selbsthilfegemeinschaft „Die Fleckenbühler“ bei Marburg. Nächste Woche werden sie wohl einer Einladung der Buchenberger Fastengruppe folgen. Denn auch dort weiß man sich zu motivieren. Der junge Goddelsheimer Torben Schott gibt im Dorfgemeinschaftshaus ein Violinkonzert. Zu dem Auftritt am Mittwoch, 27. Februar, um 18.30 Uhr sind auch alle Nicht-Fastenden eingeladen. Der Eintritt kostet zwei Euro.

Zehn Teile für den Müll

In Buchenberg hat sich zum ersten Mal eine Gruppe in dieser Form zum Fasten zusammengetan, Marie-Luise Humpert organisiert die wöchentlichen Treffen. Sie selbst hat früher schon in Fürstenberg mitgemacht. Und wie in Lichtenfels stehen auch im Vöhler Ortsteil Fleisch und Süßigkeiten ganz oben auf der Streichliste. Eine Teilnehmerin will in jeder Fastenwoche zehn Teile in den Müll werfen. Und der Start verheißt Gutes: „Bei unserem zweiten Treffen waren aller sehr motiviert. Viele haben sogar noch einiges mehr unternommen als geplant, um anders zu leben“ freut sich Marie-Luise Humpert über den gelungenen Auftakt.

Noch haben die Fastenden in Buchenberg und Fürstenberg fünf Wochen vor sich. Die Zeit, in der das Stück Fleisch so saftig wie selten und die Süßigkeiten wie nie zuvor wirken, werden wohl noch kommen. Doch das wissen die Gruppenmitglieder. Und durchzuhalten lohnt sich. Wegen der gemeinsamen Gespräche, des Balsams für die eigene Seele - und wegen Kaffee und Kuchen zum Ende der Aktion.

Wer schon fastet, dies aber lieber in der Gruppe tun möchte, der kann sich in Fürstenberg bei Maragete Hagebusch unter der Nummer 05636/1390 oder in Buchenberg bei Marie-Luise Humpert unter der 05635/1473 melden.

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