Aktionsplan hat kaum Folgen für Korbachs „Lärmkonfliktpunkte“

Viel Lärm um fast nichts

Korbach - Wo ist der Straßenverkehr in Korbach zu laut und was kann man dagegen machen? Seit drei Jahren rechnen, planen und prüfen die Behörden. Übrig bleibt voraussichtlich der Vorschlag, ein paar Kanaldeckel so umzubauen, dass es beim Darüberfahren weniger rumpelt.

Der Straßenverkehr ist in Deutschland die Lärmquelle Nummer eins. Zwar sind moderne Autos, Laster und Busse deutlich leiser als ihre Vorgänger, durch das kontinuierlich wachsende Verkehrsaufkommen steigt die Lärmbelastung trotzdem. In einem sogenannten Lärmaktionsplan will das Regierungspräsidium (RP) in Kassel nun Vorschläge für den Kampf gegen Verkehrslärm an nordhessischen Straßen bündeln. Noch bis zum 13. September liegt der Entwurf des Papiers öffentlich aus. In der Stadt Korbach macht die Behörde drei „Lärmkonfliktpunkte“ aus: die Bundesstraße 251/252 im Bereich der Kernstadt, der Westring und die Ortsdurchfahrt Meineringhausen. Das sind Straßenabschnitte, an denen einer Modellrechnung nach mindestens zehn Anwohner unter lautem Straßenverkehr leiden. Die Grenze ist dabei bei einem Dauerschallpegel von mindestens 65 Dezibel am Tag oder mindestens 55 Dezibel nachts gezogen. Eine Belastung, die sich körperlich bemerkbar macht: Ab einem Dauerschallpegel von 60 Dezibel, vergleichbar mit einer lauten Unterhaltung, können bereits Stressreaktionen im Schlaf auftreten, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht. Das Bundesgesundheitsamt schätzt, dass zwei Prozent aller Herzinfarkte in Deutschland auf das Konto von Verkehrslärm gehen. Grundlage des Plans ist eine Lärmkarte des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLuG): 2012 wurden alle Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 8200 Fahrzeugen pro Tag erfasst. Das Ergebnis ist im Internet unter http://laerm.hessen.de einsehbar. Auch Straßenabschnitte in und rund um Korbach sind auf der Lärmkarte eingezeichnet. Dazu zählen Westring und Nordring (Landesstraße 3076), Teile der Bundesstraße 252 in Richtung Berndorf sowie die B 251 durch Meineringhausen. 2013 hat das Regierungspräsidium Anregungen und Vorschläge zum Lärmschutz von den Anwohnern der betroffenen Straßenabschnitte eingeholt, die nun in den Entwurf des Aktionsplans eingeflossen sind. Das Papier schlägt für Korbach folgende Maßnahmen vor: Umgehungsstraße: Hier schlägt der Aktionsplan Lärmschutzwälle oder -wände in Höhe Taubenrain und Strother Straße vor. Der Bund finanziert solche Maßnahmen aber nur, wenn bestimmte Lärmpegel – die sogenannten Sanierungswerte – überschritten werden. Das ist laut Straßenbaubehörde Hessen Mobil nicht der Fall. Westring: Anwohner haben hier eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht: Tempo 30, Lärmschutzfenster, ein Lkw-Fahrverbot nachts, eine Anhebung von Kanaldeckeln und eine westliche Ortsumgehung. Für Tempolimit und Lkw-Fahrverbot ist der Verkehr allerdings noch nicht laut genug, die entsprechenden Richtwerte werden unterschritten. Hessen Mobil erklärt: Zurzeit bestehe für den Straßenbaulastträger kein Handlungsbedarf. Beim Aufbringen einer neuen Deckschicht würden die Schachtabdeckungen angepasst. Meineringhausen: Hier ist bereits 2013 die Straßendecke saniert worden, der Punkt Lärmschutz ist damit für die Behörden abgehakt.Unterm Strich steht somit für Korbach das karge Ergebnis: Wird die Straße am Westring saniert, werden dabei die Kanaldeckel so umgebaut, dass es beim Darüberfahren weniger rumpelt. Noch bis zum 27. September können Bürger Stellungnahmen zum Aktionsplan einreichen – etwa über das Internetformular www.rp-kassel.hessen.de oder www.laermaktionsplan.hessen.de oder per Post an das Regierungspräsidium in Kassel. Auch das Rathaus in Korbach nimmt unter dem Stichwort „Lärmaktionsplanung“ Stellungnahmen entgegen. Von Lutz Benseler

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