Neues Angebot im K20 gefällt Publikum und Interpreten · Reizvolle Geschichten hinter der Musik

Viel Persönliches beim ersten Open Stage

Geschichten und Musik im K20 – Publikum und Interpreten hat‘s gefallen. Die „offene Bühne“ bestiegen (rechts, von oben nach unten fortlaufend): Robert Knaack, Frank Becker, Dieter Runkel, Kooshan Bahzeri, Karina, Carsten Schollmann, Nadine Fingerhut, Vera Filipponi, Basti Hamel mit Madlen. Fotos: Hennig

Korbach. - Das erste Open Stage im K20 kam beim Publikum wie bei den neun Interpreten, die überwiegend eigene Songs oder eigenständige Cover-Versionen vortrugen, sehr gut an.

Etliche der Performances gewannen durch den persönlichen Faktor und die Geschichten hinter der Musik zusätzlichen Reiz. Ältester Interpret auf der Bühne war Heinz Becker mit seiner Mundharmonika, der mit seinen 86 Jahren und Sohn Frank an der Gitarre auch die zum Teil mehr als 70 Jahre jüngeren Fans zum Mitklatschen motivierte. Bei seiner deutschen Version des „Orange-County-Special“ von Johnny Cash ließ das Country-Duo aus Goddelsheim die Dampflok lebhaft keuchen und zischen und brachte den Saal zum Kochen.

Der Spaßfaktor stand von Anfang an im Mittelpunkt. Gleich zu Beginn bildete Basti Hamel ein spontanes Duo mit Madlen, die eigentlich zum Zuhören gekommen war. Der eigens für diesen Anlass gegründeten Formation gelangen mit dem lyrischen „Falling slowly“ (Glen Hansard) und „Zombies“ mit Gänsehautfaktor (Cranberries) zwei eindrucksvolle Duette.

Mit seinem hellen Tenor und sehr persönlichen Liedern fand Robert Knaack aus Kassel gleich den direkten Draht zu den Zuhörern. „Zu zweit“ behandelte in einer leidenschaftlichen Steigerungskurve die Gefühle eines Paares, das noch nicht lange zusammen ist und sich vorzeitig mit der Aussicht auf Zuwachs konfrontiert sieht. Die Regungen des Kindes im Mutterleib spielen in die Entscheidung „Gemeinsam, wenn man will“ mit hinein.

Als einziger „Elektriker“ des Abends hatte Dieter Runkel aus Asel ein Alleinstellungsmerkmal beim Debüt in einer neuen Stilrichtung. Der bislang in Blues- und Metalformationen bekannt gewordene Gitarrist überzeugte in dem meditativen Instrumental „Eagle in the sky“ und der perlenden „Rainbowbridge“ auch mit seiner sanften Seite.

„Ich will meine Gefühle mit euch teilen“, sagte Kooshan Bahzeri während seines Auftritts. Als der junge Musiker aus dem Iran vor einem Jahr nach Deutschland kam, kaufte er sich als Erstes ein ihm vollkommen unbekanntes Instrument. Sein Bühnendebüt im K20 zeugte von inzwischen gewachsener Vertrautheit mit der Gitarre, mit der er sich virtuos bei seinen Liedern über Freude und Trauer begleitete.

Jüngste und mutigste Interpretin war Karina, die nach einem Monat mit der Ukulele zum ersten Mal vor Publikum spielte und bei den populären „A-weema-weh“-Chören von „The lion sleeps tonight“ spontan begeisterte Mitsänger an den Tischen fand.

Bei klassischen Liederabenden und Solopartien in Oratorien und Kantaten hatte Vera Filipponi schon zahlreiche Auftritte in Korbach und Umgebung. Vor dem Hintergrund des nächsten Klassik-Highlights beim Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns gab die Sopranistin einen Einblick in ihre persönliche Liedermacherwerkstatt mit emotionalen Momentaufnahmen wie dem euphorischen „Bereit für ein Leben zu zweit“ oder der lyrischen Vertrauensballade „Große Hände“.

„Und der Weg ist noch immer das Ziel und niemand sagt dir, wohin es geht“, lautete die Bilanz von Carsten Schollmanns Talking Blues „Wie die Jahre vergehen“. Das dialektische Liebeslied „Mein kleiner Untergang“ und der flotte Blues „Als die Welt zusammenbrach“ waren von einem feinsinnigen Humor geprägt.

„Wenn es am Boden zu kalt wird, hebe ich ab“ lautete Nadine Fingerhuts entschiedenes Plädoyer gegen engstirnigen Pragmatismus und seine Begleiterscheinungen in „Tu es mit Herz“. Bei der Alternative „Tod oder Freiheit“ ging die Singer/Songwriterin aus Vöhl noch einen Schritt weiter.

Das abschließende Duett mit Basti Hamel passte optimal ins Outlaw-Profil und knüpfte zugleich an die Country-Klänge des „Man in black“ aus der frühen Phase des Abends an. Bei Bob Dylans Billy-the-Kid-Ballade „Knockin’ on heaven’s door“ sang denn auch Frank Becker begeistert mit.(ahi)

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