„Gitarrengötter“ Frank Haunschild, Ali Neander und Tilmann Höhn in Vöhl:

Vielsaitigkeit ist Trumpf beim Synagogen-Konzert

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Virtuose Gitarrenkänge auf bis zu 46 Saiten – Frank Haunschild, Ali Neander und Tilmann Höhn spielten sich durch zahlreiche Stile und begeisterten dabei die Gitarrenfans.

Vöhl - Die alte Synagoge war Schau- und Hörplatz eines Gipfeltreffens dreier Gitarrengötter mit unterschiedlichem musikalischen Hintergrund. „A very special evening with Frank Haunschild, Ali Neander und Tilmann Höhn“ lautete die Ankündigung, entsprechend abwechslungsreich verlief der Auftritt der drei Ausnahmemusiker vor ausverkauftem Haus.

Dabei hatte der Andrang der Gitarrenfans den Anfang um zwanzig Minuten verzögert.

„Es ist schön wieder hier sein. Das ist wie nach Hause kommen“, freute sich Tilmann Höhn über das Heimspiel mit seiner „Männergruppe“. Der stilistisch extrem vielseitige Saitenkünstler (Hotel Bossa Nova, Frankfurt City Blues Projekt) war schon in unterschiedlichen Konstellationen im kulturellen Mittelpunkt der Edersee-Gemeinde aufgetreten und hatte die Zuhörer immer wieder mit technischen Raffinessen und außergewöhnlichem Instrumentarium begeistert.

Als besonderer Leckerbissen bei seinem von zart bis rockig reichenden Solo erwies sich dieses Mal seine Aliquot-Gitarre, die über sechs normale Saiten, vier Bass-Saiten und acht Aliquot-Saiten verfügt. Nomen est omen hieß es beim lebensfrohen „Ali’s waltz“, zu dem er seinen musikalischen Mitstreiter Ali Neander (Rodgau Monotones) auf die Bühne holte. „Little Guitar‘s Lullaby“ geriet dagegen so richtig laidback, bevor es mit Frank Haunschild als „Elektriker“ bei „Where is Charly?“ richtig funkig wurde. Beim Liebeslied „Amore“ zeigte sich der dritte im Bunde von seiner sanften Seite. Für die Begleitung von Höhns „Petit Valse“ wechselte Haunschild zum Bass.

Jedes Stück war gleichbedeutend mit einem Stilwechsel. Mit „Minor Blue“ schlug das Trio ein intensives Blueskapitel auf, das nahtlos in eine ausgiebige Jam-Session überging. Mit seiner Hommage „Abercrombie’s Waltz“ zollte Haunschild dem „fragilen, melancholischen Melodiker“ John Abercrombie, mit dem er mehrfach zusammen gespielt hatte, Respekt. Mit der nahe gehenden Jazz-Ballade „Say Goodbye“ erwies der Gitarrist einem todkranken Freund den letzten Respekt, denn dieser hatte sich ein Lied für seine Beerdigung gewünscht.

Bei „Three Wishes“ fungierte der Multiinstrumentalist als „Percussion Wizard“, während seine Mitspieler lebhafte Melodien auf der Gitarre zauberten. Auch „The Universe“ hielt, was der Titel versprach: Beim ausgiebigen Ausflug in die Weltmusik setzte Tilmann Höhn mit der Aliquot-Gitarre besondere Akzente.

Damit war die Reise durch das musikalische Universum noch lange nicht zu Ende. „The End of the Universe“ lautete der Titel der letzten Zugabe, bei der abschließenden Klangcollage setzten die drei Musiker ihr gesamtes Improvisationstalent ein.

Das Triokonzert mit bis zu 46 Saiten fand im Rahmen des Gitarrenfestivals der Erlebnisregion Edersee statt. Weitere Veranstaltungen der Reihe sind der Auftritt von Peter Autschbach, der am kommenden Samstag im Ratskeller Niederurff in Bad Zwesten spielt. Susan Weinert und Badi Assad bestreiten das Abschlusskonzert am 25. Oktober in der Wandelhalle Bad Wildungen. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. (Armin Hennig)

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