Korbacher Künstlergruppe „artur“ stellt im Wolfgang-Bonhage-Museum aus

Vielseitige Menschen, vielfältige Bilder

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Sie laden ein zur Ausstellung „Menschenskinder“ im Korbacher Wolfgang-Bonhage-Museum : Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Helmut Mander, Gisela Kaiser, Christina Behringer, Carola Petersen, Roman Koksch, Sabine Neuhaus, Museumspraktikantin Yulia Schefner, Wolfgang Baraniak und Henning H. Drescher. Vorn: die drei Holzmasché-Figuren von Carola Petersen.Foto: -sg-

Korbach - „Menschenskinder“ heißt die neue Ausstellung der Korbacher Künstlergruppe „artur“. Sie beginnt am Sonntag im Museum.

Die Greisin blickt die Betrachter direkt an. Ihre Falten sind weiße Linien, die sich von den dezent farbig gestalteten Gesichtspartien abheben. So entsteht ein ausdrucksstarker Kopf mit einem eigenen Charakter. - Zwei schwarze Körper aus Keramik stehen Rücken an Rücken aneinander, voneinander abgewandt, aber untrennbar verbunden. - Drei schlichte weiße Figuren aus Holzmasché stehen lässig nebeneinander. Jede blickt in eine andere Richtung. Sie sind nur oberflächlich miteinander verbunden.

So verschieden die mehr als sechs Milliarden Menschen dieses Planeten sind, so vielseitig ist auch ihre künstlerische Darstellung. Das beweist die neue Ausstellung, die am nächsten Sonntag, 18. Mai, im Wolfgang-Bonhage-Museum eröffnet wird: Die heimischen Künstler zeigen ihre „Menschenskinder“.

Die Idee zu der Ausstellung sei bereits 2012 entstanden, sagt Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen. Die acht Künstler zeigten acht verschiedene Herangehensweisen. „Es ist eine gute Ausstellung geworden.“

Werke von acht Künstlern

Wolfgang Baraniak bevorzugt Konzeptkunst und Minimal Art. Er stellt vier Fotoarbeiten aus. Zwei seien schon 2007 mit seinem Sohn entstanden, erklärt er. In seinem Projekt „Ein Jahr - es geht vorbei“ greife er einen neuen Trend im Internet auf: Nutzer stellen „Selfies“ genannte Selbstportraits ins Netz. Das komplette Jahr 2013 über hat er täglich 24 Selbstbilder aufgenommen, die mehr als 9000 Digitalfotos hat er zu einem Film zusammengestellt, den er auf einem Bildschirm in Non-Stop-Technik vorführt. Dabei entstehe der „Eindruck einer Rede“, erklärt er. Da er auch Internet-Beauftragter des Kreises sei, strebe er einen „bewussten Medienbruch“ an, erläuterte er: Statt im weltweiten Netz seien diese „Selfies“ nur im Museum zu sehen. Damit verbinde er den Appell, im Internet „verantwortungsbewusst mit seinen Portraits“ umzugehen.

Helmut Mander aus Zierenberg stellt im Museum sechs Keramikfiguren aus. Er habe den Ausstellungstitel wörtlich genommen, erklärt er. Seine „Menschenskinder“ drücken Einsamkeit oder Freude aus, eine Figur tanzt anmutig, andere sind in Zweisamkeit miteinander verbunden. Mander arbeitet seit 1998 an Skulpturen, seit 2004 hat er eine eigene Werkstatt, in der er experimentiert.

Henning H. Drescher zeigt in seiner neuen Werkreihe „Natur zwei“ überwiegend großformatige Materialbilder auf Leinwand. Der bekannte Maler und Graphik-Designer gestaltet auf der Grundlage von Acryl Bildelemente mit Materialien wie Quarzsand, Bitumen, Gips oder Wachs. „Aus einfachen Formen entstehen imaginäre Landschaften, geographische Schichtungen oder die Illusion mythischer Grundrisse,“ beschreibt er. „Meine Bilder sind geerdet.“

Sabine Neuhaus stellt ausdrucksstarke Portraits vor. In einer ersten Serie zeigt sie fünf Aquarelle von Menschen in Frontalansicht, „die Gesichtszüge sind in Farbflächen aufgelöst“, sagt sie, „jeder Persönlichkeit ist ein Farbspektrum zugeordnet.“ Die zweite Serie besteht aus drei mit Kohle und Kohlestaub gezeichneten Portraits von Menschen mit verschiedenem Alter und verschiedenen Stimmungen. Augen, Nase und Mundpartie dominieren die Bilder und geben ihnen die Wirkung, die Köpfe hat Neuhaus nicht komplett ausgestaltet, sie bleiben fragmentarisch.

Christina Behringer präsentiert figürliche Arbeiten zum Thema. Nicht die Physiognomie der Menschen sei ihr wichtig, sondern Gesten und Haltungen, die Zuordnung in einer Gruppe, sagt sie. So verbeugt sich eine ihrer Figuren höflich. Behringers Technik sind Materialdrucke auf hellem Karton.

Carola Petersen hat vier Werke für die Ausstellung zusammengestellt. Da die Begegnung mit Menschen unterschiedlich sei, habe sie auch unterschiedliche Materialien verwand, erklärt sie. So zeigt sie eine Holzstele mit dem Titel „Alt“, der Kopf ist nur angedeutet. In einer Collage hat sie Postkarten zusammengestellt, die in Großstadt-Kneipen auf den Toiletten hängen - „Klolagen“ hat sie die Arbeit entsprechend genannt. Außerdem hat sie für eine Installation mit Häkelarbeiten überzogene Kleiderbügel ihrer Großmutter angeordnet, dazu arrangiert sie ein altes Foto, sie als Kind mit ihrer Oma zeigt. Die vierte Arbeit sind die drei Figuren aus Holzmasché.

Roman Koksch legt den „Menschenskindern“ originelle wie skurrile Fragen vor, die er aus Alltagssituationen entwickelt hat, Beispiel: „Ab wann bin ich alt?“ Oder: „Wächst die Ökobilanz einer Briefmarke mit der Entfernung des Adressaten?“ Sein Motto lautet: „50 nie gestellte Fragen suchen eine Antwort“. Die sollen die Besucher auf Zetteln aufschreiben und aufhängen oder auf der Homepage des Museums ausfüllen.

Gisela Kaiser steuert zwei großformatige, in blau gehaltene Ölbilder auf Leinwand und sechs Ölbilder auf Papier bei. „Meine Bilder verwehren sich dem direkten Zugang“, sagt sie. Sie zeigten „spontane abstrakte Motive“. Für diese Ausstellung habe sie menschliche Figuren angelegt und mit Ölkreide vertieft. „Ich arbeite in Serien“, hebt sie hervor, „Ich brauche mehrere Anläufe, bis ein Thema abgearbeitet ist.“

Werke der Künstler sind nicht zum ersten Mal im Museum zu sehen. Völcker-Janssen erinnert daran, dass sich zur Eröffnung des neuen Museums beim Hessentag 1997 erstmals Korbacher Künstler zusammengeschlossen und die Ausstellung „Fahnen für Korbach“ konzipiert hätten- fünf von ihnen sind auch bei der neuen Schau dabei. 1998 präsentierten die Künstler die Ausstellung „Aufwind“ im Museum.

Seit April 2002 besteht die Künstlergruppe „artur“, die regelmäßig ihre neuen Werke zeigt, auch in den Korbacher Partnerstädten. Mit „Menschenskinder“ ist sie zum dritten Mal zu Gast im Museum.

Stadtrat Günther Trachte eröffnet die Ausstellung am Sonntag um 11.15 Uhr im Museum. Erläuterungen gibt Wolfgang Baraniak. Die musikalische Gestaltung übernehmen „Die Aktöre“.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Juli dienstags bis sonntags von 12 bis 16.30 Uhr im Wolfgang-Bonhage-Museum zu sehen.

Von Dr. Karl Schilling

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