Lichtenfelser Ausschüsse beraten über geplantes Bauprojekt, das Gemüter in Goddelsheim erregt

Vier mal Ja für Bebauungsplan an Allee

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Oberhalb des Koppelberges und hinter dem Neubaugebiet „Schaaker Weg“ soll das private Bauprojekt in Goddelsheim im Laufe des kommenden Jahres verwirklicht werden. Auf Wunsch der Anlieger wird ein Teil der Gebäude abgesenkt.

Lichtenfels-Goddelsheim - Das Bauvorhaben einer Privatinvestorin hat in Goddelsheim die Wellen hochschlagen lassen: Eine Bürgerinitiative macht gegen die Pläne mobil. Am Dienstag bekamen im Vorfeld von Ausschusssitzungen beide Seiten Gelegenheit, sich zu äußern.

Eine Steuerberaterin möchte in Goddelsheim einen Gebäudekomplex bauen, in dem sie mit ihrer Familie altersgerechtes Wohnen mit Arbeiten und Tourismus vereinen kann. Dafür braucht sie viel Platz - alles in allem 9000 Quadratmeter. Der fand sich für ein Projekt dieser Größenordnung im Nordosten von Goddelsheim, oberhalb des Koppelberges an der „Allee“, hinter dem Wohnbaugebiet „Schaaker Weg“ - und das rief Anwohner auf den Plan.

Was sie an den Plänen so verärgerte, dass sie sogar eine Bürgerinitiative gegründet haben, kam am Dienstagabend zur Sprache, als die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Ausschusses für Agrar, Bauen, Energie und Umwelt über den entsprechenden Bebauungsplan und die nötige Änderung eines Flächennutzungsplanes zu beraten hatten. Mit vier und drei Jastimmen bei jeweils vier und fünf Enthaltungen sprachen die Ausschussmitglieder sich dafür aus, die besagte Fläche als Wohngebiet auszuweisen und den Flächennutzungsplan zu ändern. Folgt die Stadtverordnetenversammlung am 13. Dezember der Empfehlung und stimmt auch das Kreisbauamt zu, steht dem Bauprojekts nichts mehr im Wege.

Dem Entschluss der Ausschüsse voraus ging eine intensive Diskussion über die Baupläne, die in Goddelsheim für großen Unmut sorgten. Und da die Hessische Gemeindeordnung Diskussionsbeiträge aus dem Publikum während einer Sitzung nicht erlaubt, hatte Friedrich Göge (CDU), Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, beiden Parteien im Vorfeld Gelegenheit gegeben, sich zu erklären, um damit Dampf aus dem zuletzt „sehr emotional diskutierten Projekt“ zu nehmen.

„Vollendete Tatsachen“

Für die Bürgerinitiative ergriff André Grebe das Wort: „Wir sind mit dem Entwurf nicht einverstanden“, sagte er. Das Informationsverfahren durch Planer und Stadtverwaltung sei nicht ausreichend gewesen, „wir konnten uns keine Meinung bilden“, monierte er weiter. Mit Blick auf die Größenordnung des Bauprojekts sagte er: „Ich glaube den Planungen nicht - was soll da wirklich passieren und wer trägt die Kosten?“ Die Anwohner fürchteten, dass der Bau überdimensioniert wirke, dass mehr Autoverkehr fließen werde, was die Kinder im Wohngebiet gefährde, und dass aus dem Wohngebiet ein Gewerbegebiet werden solle. Grebe forderte, die Entscheidung über den Bebauungsplan für einige Monate zu verschieben: „Sie zerschneiden sonst einen Knoten. Wir sind bereit, gerichtlich gegen die Pläne vorzugehen.“ Wilhelm Kamm von der Bürgerinitiative bemängelte, die Stadtverwaltung habe den Verfahrensweg nicht eingehalten, und sagte: „Sie haben uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Das ließen Bürgermeister Uwe Steuber und Planer Bodo Tempich nicht gelten - das übliche Verfahren sei eingehalten, die Pläne seien fristgerecht ausgelegt worden und es habe eine Info-Veranstaltung gegeben. Schließlich seien zahlreiche Einsprüche eingegangen, auch eine Unterschriftenliste gegen das Projekt sei überreicht worden.

Ihrerseits stellte die Steuerberaterin Michaela Brützel, die an der Allee bauen will, ihre Pläne vor - und entkräftete damit viele der Befürchtungen, die kursierten: Entstehen sollen ein Wohnhaus und ein Bürogebäude, in dem auch ein Anwalt Platz finden soll, ein bis zwei Ferienwohnungen sowie ein Nebengebäude für Garagen und ein umfangreiches Akten-Archiv ihres Mannes. Sieben bis zehn Arbeitsplätze sollten entstehen. Immer wieder ging sie auf Gerüchte und Ängste ein, stellte dabei auch klar, dass keine Reparaturwerkstatt errichtet werde. Das sei in einem Wohngebiet nicht erlaubt, versuchte sie den Anliegern die „Angst vor einer Trutzburg“ zu nehmen.

„Ausführlich informiert“

„Das Projekt ist für die Entwicklung von Goddelsheim wichtig. Und sämtliche Erschließungskosten trägt die Bauherrin“, warb Bürgermeister Steuber mit Blick auf die Arbeitsplätze und bat, das Projekt nicht noch weiter zu verschieben.

Lediglich die Fraktionsmitglieder der FDP, Harald Kiel und Frank Isken, griffen die Kritik von André Grebe auf, die Stadt lasse zu wenig Zeit für eine fundierte Entscheidung. Sie plädierten für eine Vertagung. Eckhard Schnatz (CDU) sah das anders: „Wir wurden von allen Seiten rechtzeitig und ausführlich informiert“, betonte er. Die CDU nehme die Bedenken der Anlieger ernst, könne aber keine stichhaltigen Gründe gegen das Bauvorhaben erkennen und begrüße, dass sich ein Dienstleistungsunternehmen in Goddelsheim ansiedeln wolle. Auch Friedrich Sauer (WGL) sah keinen Grund, nicht noch am selben Abend eine Empfehlung für die Stadtverordnetenversammlung am 13. Dezember zu beschließen.

Dorli Rauch (Grüne) erbat sich mehr Gespräche im Vorfeld, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Auf Hinweis von Friedrich Schüttler (SPD) sagte Rathauschef Steuber zu, Schritte gegen den unerlaubten Durchgangsverkehr in der Allee zu unternehmen - viele würden die Straße, die in einen Wirtschaftsweg mündet, als Abkürzung nach Immighausen nutzen. Schließlich nahm Ausschussvorsitzender Göge den Vorschlag von Bürgermeister Steuber auf, noch ein Informationstreffen am geplanten Baugebiet zu unternehmen: Es findet am kommenden Samstag um 15 Uhr statt.

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