„Rock am Ringhof“ · 300 Besucher beim Open-Air-Konzert im Kloster Flechtdorf · Vicky Rohde verlässt

Vier Stunden Livemusik mit „Cazara“

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„She moved through the fair“: Thomas Schwill im Duett mit der Flechtdorfer Pfarrerin Claudia Frank.

Diemelsee-Flechtdorf - Mit einem Musik-Marathon mit über 50 Titeln und mehr als vier Stunden Live-Musik gestalteten „Cazara“ den Ausstand von Sängerin Viktoria Rohde, die aus Studiengründen ihren Abschied nimmt.

Rund 300 Fans hatten sich auf den Weg ins Kloster Flechtdorf gemacht, um Vicky zum letzten Mal als Frontfrau der Soul-Rock-Fusion-Formation zu erleben. Anna Kesper, die zuvor schon als Backup ihre Feuertaufe erlebt hatte, gibt ihr offizielles Debüt beim Altstadt-Kulturfest in Korbach.

Mit sphärischen Synthiesounds und den zarten Klängen der Tin Flute eröffnete Thomas Schwill den Abend mit dem getragenen irischen Volkslied „She moved through the fair“, das die Flechtdorfer Pfarrerin Claudia Frank und damit gewissermaßen auch Gastgeberin zur Begrüßung anstimmte. Zum mit viel Sax-Drive gewürzten „Hardrock-Café“ fegte Vicky Rohde erstmals über die Bühne, die mit ihrer rockigen Röhre den heftigen Blues „Black Velvet“ zum ersten Highlight des Abends gestaltete.

Eigenständige Hommage

Ganz großen Anteil an diesem frühen Höhepunkt hatten auch die Solos von Saxofonist Thomas Fischer und Gitarren-Kanzler Kesper, der mit seiner persönlichen Langfassung von „Hey Joe“ und quirligen Läufen zum ersten Mal auf sehr persönliche Art Gitarrengott Jimi Hendrix huldigte, ohne, wie auch bei späteren Tributes an andere Größen auf sechs und mehr Saiten, allzu sklavisch auf dessen Spuren zu wandeln. Mit dem ebenfalls von ihm gesungenen „Redhouse Blues“ folgte später eine weitere eigenständige Hommage an den phänomenalen Gitarristen.

Eher laid back ging es bei der musikalischen Verbeugung vor Old Slowhand Eric Clapton zu, der unter anderem mit „Lay down Sally“ zu seinem Recht kam. Mit „Smoke on the water“ sang und spielte der Kanzler später einen weiteren Klassiker mit großartigen Riffs. Der Hardrock-Klassiker mit dem unverwüstlichen Riff bot Drummer André „the Eel“ Schneider auch Auslauf für ein großartiges Schlagzeugsolo.

Der persönliche Zugang und die individuelle Interpretation gab vielen von anderen Coverbands verschlissenen Klassikern aus unterschiedlichen Genres frischen Glanz. So gestaltete Thomas Schwill seine Interpretation der ’87er-Version von „Here I go again“ mit viel, viel Opernglanz und entsprechender Gestik und blieb später bei der rockigen Neufassung von Puccinis „Nessun Dorma“, deren Rollenverteilung Assoziationen an Freddie Mercury/Montserrat Caballés „Barcelona“ weckte, seinem Genre treu. Namensvetter Thomas Fischer, der sich mit AC/DCs „You shook me all night long“ schon entsprechend positioniert hatte, übernahm währenddessen den Part des Rockers. Der singende Saxofonist, der zwischendrin auch mit dem elektronischen Blaswandler Akzente setzte, erwies sich nicht nur auf seinem Instrument als musikalisches Chamäleon. Auch mit der Stimme wurde das Energiebündel allen Stilen gerecht und positionierte sich damit gewissermaßen als männliches Gegenstück zu Vicky Rohde, die mit ihm den Bluesrocker „All right now“ im Duett sang.

Duett im Sternenregen

Genügend Gelegenheiten zum Mitsingen und Mittanzen befanden sich ebenfalls auf der Setlist, mit Titeln wie „Over the hills and far away“, „Ironic“ oder „Jump“ zündeten Cazara weitere Stimmungsstufen.

„Nothing else matters“ geriet auch optisch zum unvergesslichen Moment, denn während unten die Lichter ausgingen, stand Vicky Rohde oben in einem Rundbogen im Rampenlicht und sang ihren Part in wechselndem Licht. „We’ve got tonight“ im Sternenregen geriet zum symbolträchtigen letzten Duett zwischen Vicky Rohde und Thomas Fischer, doch auch nach Marius Müller-Westernhagens „Steh auf“ war noch nicht wirklich Schluss. Während ihre Kollegen bereits mit dem Abbau begannen, intonierte Vicky Rohde mit der Unplugged-Version „Mercedes-Benz“ eine allerletzte Hommage an Janis Joplin, die mit „Me and Bobby McGhee“ und „Piece of my Heart“ mehrere großartige Vorlagen für das Abschiedskonzert der Frontfrau geliefert hatte.

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