Korbach

Vize-Konsul mit Stadt im Dialog

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- Korbach (jk). Nach dem Brandanschlag auf ein Wohnhaus türkischer Familien zeigt Korbach demonstrativ Stärke und Zusammenhalt. Daran appellierte am Mittwoch auch der türkische Vize-Konsul Ömer Bedir.

Angst, Wut, Hilflosigkeit, aber auch viel Mitgefühl – das waren die Emotionen am Tag nach dem Brandanschlag in der Briloner Landstraße. Unbekannte hatten in der Nacht auf Dienstag ein Auto direkt vor der Haustür in Flammen gesetzt. Ein wacher Hausbewohner und der Einsatz der Feuerwehr verhinderten womöglich eine Tragödie: Drei türkische Familien mit 14 Personen wurden gegen 2 Uhr im Schlaf vom Feuer überrascht (wir berichteten). Innerhalb der türkischen Gemeinde in Korbach sorgte der Anschlag für Alarm. Auch überregional hatte sich die Tat schnell herumgesprochen.

So kam am Mittwoch eigens der türkische Vize-Konsul Ömer Bedir (Frankfurt) zu Gesprächen in die Kreisstadt. Am Nachmittag informierte sich Bedir zunächst bei der Polizeidirektion über den Stand der Ermittlungen. Danach ging es zur großen Runde bei Ramazan Özgan ins Wohnzimmer: Bürgermeister Klaus Friedrich, Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland, Kripo-Chef Günter Schnegelsberg, der Korbacher Polizeichef Reiner Sauerland, dazu Erwachsene und Jugendliche aus der türkischen Gemeinde analysierten die Situation.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, betonte ein Korbacher Türke mit Verweis aufs Grundgesetz: „Aber es hätten in dieser Nacht 14 Menschen sterben können. Das ist nicht zu dulden.“ So war die Besorgnis deutlich spürbar. Signal gegen Gewalt Der Vize-Konsul sprach sein Mitgefühl aus und appellierte: Alle Korbacher, ob Deutsche oder Ausländer, seien gefordert, wachsam zu sein. Im gleichen Zuge dankte er Polizei und Stadt derweil für intensive Bemühungen: „Das zeigt, dass Sie uns nicht alleine lassen.“

Rathauschef Friedrich unterstrich die hohe Bedeutung der Präventionsarbeit in Korbach: „Meine erste Reaktion nach dem Brandanschlag war Wut. Wir wollen und dulden in unserer Stadt keine Gewalt“, bekannte Friedrich mit Nachdruck. Und Kripo-Chef Schnegelsberg versicherte: „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um diesen Fall aufzuklären – und damit sich so etwas nicht wiederholt.“

Spuren am Tatort und das durch den Brand zerstörte Auto hat die Polizei sichergestellt. Ermittler seien derzeit mit Hochdruck an der Arbeit. „Ich hoffe, dass wir zeitnah ein entsprechendes Ergebnis haben“, erklärte Schnegelsberg – um dann die Täter zu überführen. Die türkischen Bewohner vermuten, dass ein „Molotow-Cocktail“ den Brand vor der Haustür auslöste. Genaue Angaben zum „Brandbeschleuniger“ hatte Schnegelsberg indes noch nicht. Überdies betonte die Polizei, dass die Täter keine Drohungen gegen weitere ausländische Nachbarn ausgesprochen hätten. Auf der Flucht habe einer der vermutlich drei Männer zwar Beleidigungen gegen Ausländer gerufen, aber nicht mit weiteren Anschlägen gedroht.

Dabei verwies Schnegelsberg auf die Vernehmung der Zeugen. Fazit eines türkischen Korbachers: Fremdenfeindliche Parolen habe er in der Kreisstadt durchaus häufiger erlebt – aber über all die Jahre niemals Gewalt. „Wichtig ist, dass wir alle hier friedlich miteinander leben. Und wir hatten hier in Korbach immer einen guten Dialog.“ So soll es auch bleiben, darin sind sich Rathauschef, Polizei, Vize-Konsul und die große türkische Gemeinde in Korbach völlig einig. Deshalb brachte die sachliche Runde im Wohnzimmer von Ramazan Özgan ein sehr friedliches Signal.

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