Ehrenamtlicher Deutschunterricht für Asylsuchende

Vokabeln pauken für ein neues Leben

Fürstenberg - Wer in einem anderen Land sein Leben aufbauen möchte, muss die Sprache beherrschen. In Fürstenberg haben sich Ehrenamtliche mit Volkshochschule, Stadt und Kirche zusammengetan, um die dort lebenden Asylbewerber Deutsch zu lehren.

„Was ist das?“ fragt Johanna Schilberg und hält ein Bild hoch. „Das ist eine Zwiebel“, sagt einer ihrer Schüler. „Ist eine Zwiebel Obst oder Gemüse?“ fragt die Lehramtsstudentin aus Korbach weiter. „Das ist Gemüse“ kommt als richtige Antwort zurück. Im Deutschunterricht, den Johanna Schilberg, Sina von Eynern (Goddelsheim), Anna-Lisa Schmidt (Korbach) und Nina Wendel (Goddelsheim) seit dem 12. August zwei Mal die Woche nachmittags in Fürstenberg anbieten, konzentrieren sie sich ganz und gar auf Alltagssprache. Zusammen mit Übersetzer Dhahri Hmidal lehren sie alles – vom Alphabet über Grußformeln und Uhrzeiten bis hin zu Vokabeln, die beim Einkaufen oder Arztbesuch unerlässlich sind. Und das alles machen die fünf ehrenamtlich. Der Landkreis hatte in der Vergangenheit mehrere Deutschkurse über die Kreisvolkshochschule für Asylbewerber angeboten – etwa in Wrexen, Bad Arolsen, Korbach, Bad Wildungen und Frankenberg. Bislang nicht aber in Fürstenberg, wo seit Frühjahr 2014 26 Asylbewerber im Fürstenberger Hof, einem ehemaligen Hotel, untergebracht sind. Sina von Eynern sei auf die Idee gekommen, solch einen Kurs auch in Fürstenberg anzubieten, damit die Asylbewerber möglichst schnell Deutsch lernen können, erklären ihre Freundinnen. Als die sich bereit erklärten, ehrenamtlich bei dem Unterrichtsprojekt mitzumachen, fragten sie bei Wilma Wendel, Programmbereichsleiterin der Kreisvolkshochschule an, die wiederum in Kontakt mit Bürgermeister Uwe Steuber und Pfarrer Klaus Nobiling trat. Das Resultat: Die Stadt Lichtenfels erklärte sich bereit, Materialkosten zu übernehmen, die Kirchengemeinde stellte zwei Räume im alten Pfarrhaus zur Verfügung, die VHS gab Lehrbücher und die vier Lehramtsstudentinnen starteten mit Beginn ihrer Semesterferien am 12. August ehrenamtlich mit dem Deutschunterricht. Sie führen die Stunden mit großem Eifer gemeinsam durch, treffen sich außerdem regelmäßig, um den Unterricht vorzubereiten. Ihnen hilfreich zur Seite steht Dhahri Hmida, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt und das Deutschprojekt als Übersetzer und in der Hausaufgabenhilfe sinnvoll begleitet. Kamen zu Beginn erst 15 Asylbewerberinnen und -bewerber zum Unterricht, wuchs die Zahl schnell auf 26, erklärt Nina Wendel. Das Interesse der Asylanten, Deutsch zu lernen, sei groß. Ein junger Mann hätte im Gottesdienst Tonaufnahmen gemacht, um sie später zu Hause immer wieder abzuhören, gibt Uwe Steuber einen Eindruck von der Ernsthaftigkeit der Menschen wider, die sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen möchten. „Alle 26 Bewerber nehmen das Angebot dankbar an, sind sehr bemüht, kommen regelmäßig zum Unterricht und erledigen fleißig ihre Hausaufgaben“, erklären die Studentinnen. Was ihnen besonders gefällt: „Trotz der kulturellen Vielfalt sind alle untereinander sehr aufgeschlossen, helfen sich gegenseitig und gehen sehr positiv miteinander um“, sagt Nina Wendel anerkennend. Die Asylbewerber kommen unter anderem aus Pakistan, Syrien, Eritrea, Albanien, Mazedonien und Serbien und „wir sind froh für den Unterricht“, betonen sie. Drei der Bewerber spielen zudem regelmäßig Fußball im Ort und ermöglichen so, dass eine Mannschaft zusammen kommt, berichtet Daniel Fein aus Fürstenberg. „Ich freue mich sehr, dass so ein Projekt bei uns stattfindet und danke allen, die das ehrenamtlich ermöglicht haben“, sagt Bürgermeister Steuber. „Das Haus steht für solche Aktionen offen und wir setzen das Signal: Dafür sind wir als Gemeinde da“, betont Pfarrer Klaus Nobiling. „Leider ist unser Engagement bis Ende September begrenzt. Danach beginnt das neue Semester“, erklärt Anna-Lisa Schmidt. Für die Asylsuchenden ist das schade. Es werden daher Frauen und Männer gesucht, die das Projekt in Fürstenberg weiterführen.Interessenten können sich an Wilma Wendel von der Kreisvolkshochschule wenden unter Telefon 05631/977314. Von Marianne Dämmer

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