„12 Tenors“ bezaubern zum zweiten Mal das Korbacher Publikum · Songs zum Mitmachen und Mitlachen

Vokale Magie und mitreißende Komik

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Nach dem dritten Knopf war Schluss mit dem Strip: Die 12 Tenors ließen auch ihr komisches Talent aufblitzen.

Korbach - Die zwölf Tenöre hatten schon vor gut zwei Jahren die ausverkaufte Korbacher Stadthalle in ihren Bann gezogen. Und nicht wenige waren wieder gekommen.

Schon beim Einmarsch der Tenöre zu „Funiculi Funiculi“ klatschen die Zuhörer eifrig mit, ehe einer nach dem anderen für seinen Vers das Gesicht dem Publikum zuwandte, während sich die begleitenden Viel-Harmoniker im Profil zeigten. Eines war von Anfang an unübersehbar und unüberhörbar: In den zurückliegenden zwei Jahren haben die „12 Tenors“ spürbar in Sachen jugendlichem Charme zugelegt, ohne an stimmlicher Substanz zu verlieren. Neben den bewährten Zugpferden Karl Davies, Alexander Herzog, Johannes Beetz und Adam Bayou hinterließ der junge Schotte Michael MacAveety nicht nur optisch einen starken Eindruck.

Der junge Sänger übernahm erstmals in „You raise me up“ eine musikalische Führungsrolle. Die einfühlsam interpretierte Westlife-Ballade geriet mit von Strophe zu Strophe wechselnden Interpreten zu einer Lehrstunde in tenoraler Vielfalt, der Adam Bayou mit seinem hellen Timbre in der vierten Strophe zum glänzenden Höhepunkt verhalf.

Mit viel Schmelz und noch mehr Komik hatte der pfundige Alexander Herzog zuvor die Ahnenreihe der Boygroups mit „Veronika der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists eröffnet. Mit den Beach Boys, den Beatles, Queen oder Michael Jackson standen weitere Pop-Ikonen auf dem Programm, die mal als oder in einer Boy-Group begonnen hatten. Die gesungene Geschichte der Boygroups erwies sich als ein thematischer roter Faden. Die Weiterentwicklung des vielstimmigen Surfer-Sounds zur überwältigend orchestrierten Riesenwelle bei „Good Vibrations“ gehörte zu jenen Momenten, in denen die zwölf Tenöre unvergleichlich gut klangen und in ihre eigene Dimension vordrangen.

Beeindruckende orchestrale Vielfalt bewies das Dutzend Tenöre auch bei „Music“ von John Miles und dem grandios choreographierten Michael-Jackson Medley mit „Chef“ Carl Davies als umtanzter King of Pop beim Show-Gipfel der ersten Hälfte.

Der Bondhit „Golden Eye“ mit seinem Pistolen-Ballett geriet zum szenisch auffälligen Gegenstück nach der Pause. Staunen und Bewundern war eine der drei Säulen des Events um die zwölf Stimmen, Songs zum Mitmachen und Mitlachen sorgten für viel Spaß beim Publikum, das immer wieder mit Beifallswellen reagierte, die sonst erst vor der Zugabe ertönen.

Die Einladung zum Mitsingen beim Refrain von Delilah wurde einhellig angenommen. Bei der optischen Umsetzung der italienischen Version des Tom-Jones-Klassikers überboten sich die Akteure als schmachtende Latin Lovers beim Ständchen unter dem Balkon ihrer Angebeteten und zeigten dabei durch die Bank ihr komisches Potenzial.

Beim mit viel Humor inszenierten Sängerwettstreit zwischen Alexander Herzog und John Ellis, die wie Boxer ihr Lager um sich scharten, ging es um fundamentale Tenor-Tugenden wie Höhe und Ausdauer. In Sachen Strahlkraft konnte der Nürnberger bei „O Sole Mio“ punkten, beim Volumen war der Australier beim neapolitanischen Fischerlied im Vorteil. Das als Schiedsgericht angerufene Korbacher Publikum fällte beim Beifall ein salomonisches Urteil.

Beim anschließenden „Nessun dorma“ konnte sich Herzog dann als höhensicherer Pavarotti-Nachfolger profilieren, mit seiner baritonalen Färbung hatte Ellis schon früh mit „Solveigs Lied“ einen unvergesslichen lyrischen Moment gesetzt. Bei „Bohemian Rhapsody“ und „We will rock you“ übernahm der sonst zurückhaltende „Boss“ Carl Davies dann die vokale Führungsrolle - und bei letzterem auch das Publikum in die Pflicht. Mittrampeln, Mitklatschen, Mitsingen war beim offiziellen Ende der Vorstellung angesagt.

Ein szenisches und komisches Highlight hatten sich die Zwölf aber noch für die Zugabe aufgespart: „You can keep your hat on“ mit Patrick Smyth als strippendem Nachfolger von Joe Cocker, der es allerdings beim dritten Knopf gut sein ließ.

In bester Tradition des britischen Humors nahmen die Tenöre die lautstarken Wünsche nach Zugabe auf die Schippe: Denn als erste Reaktion schickte sich der gewichtige Alexander Herzog an, blank zu ziehen, ehe seine Kollegen eilends die Blöße mit einem Jacket bedeckten. Mit „Time to say Goodbye“ klang die gelungene Mischung aus Show, Komik und Belcanto endgültig aus.

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