Greta Liedtke kehrt nach einem Jahr aus Sambia zurück

„Vom Rand in die Mitte der Gesellschaft“

Korbach - Greta Liedtke lernte während ihres Freiwilligendienstes das Leben in Sambia kennen. Bei der ALS-Akademie berichtete sie von ihrem „Leben als Exot“.

Von einem „Auslandseinsatz der besonderen Art“, wie es Schulleiter Robert Gassner formulierte, kehrte Greta Liedtke am Montag in ihre alte Schule zurück. Ein Jahr nach ihrem Abitur berichtete sie an ihrer alten Schule im Rahmen der ALS-Akademie von ihrer Freiwilligenarbeit in Sambia. Mit einer entspannenden Lockerheit erzählte sie von ihren Anfängen in Mpulungu am Tanganjikasee. Sie begrüßte ihre Gäste mit der sambischen Nationalhymne, wie es dort bei großen Veranstal-tungen üblich ist. Sie hatte im August vergangenen Jahres den Schritt zur Freiwilligenarbeit in Sambia unter dem Motto „Ein Jahr leben als Exot“ gewagt. Vor ihrem Entschluss, das Leben in einem anderen Land für ein Jahr kennenzulernen, habe sie nicht viel über Sambia gewusst und erst in der langen Vorbereitungsphase mehr erfahren.

Stelle mit Verantwortung

In Sambia angekommen, arbeitete sie an einer Schwesternschule und half zunächst bei der Essensausgabe und beim Unterrichten der Babyclass - der jüngsten Kinder von drei bis sechs Jahren. „Ich hatte erwartet, in Sambia viel Eigeninitiative zeigen zu müssen“, erzählt sie. Doch ganz im Gegenteil habe sie ihren Tatendrang bremsen und sich in die Strukturen einleben müssen. Nach einiger Zeit übernahm sie die Stelle der Schulsekretärin und hatte damit nicht mehr viel mit dem Unterrichten der Kinder zu tun. Mit ihrer neuen verantwortungsvollen Stelle und dem Platz im Vorzimmer der Schulleiterin habe sie sich aber schnell angefreundet, und auch im alltäglichen Umgang sei sie dadurch etwas höher angesehen gewesen. Besonders gut habe ihr an der Schule der passionierte Unterricht gefallen, mit dem die Schwestern den Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen wollten. Greta berichtet, sie habe sich anfangs mit ihrer Situation im Schwesternhaus arrangieren müssen, da sie als Jüngste und Auswärtige hier das letzte Glied in der Hierarchie war. Mit strengen Regeln und gelegentlichen Bevormundungen habe sie schon das eine oder andere Mal zu kämpfen gehabt, doch sei ihr der Hausfrieden stets wichtiger gewesen als längere Verabredungen.

Insgesamt sei aber gerade das Leben mit den Schwestern in diesem Jahr das Prägende ge-wesen. Die touristische Faszination verflog hingegen mit Blick auf die junge Bevölkerung, die geringe Lebenserwartung und die HIV-Problematik sehr schnell. Generell sei aber auch die Mentalität der Menschen in Sambia völlig anders. Während sie selber gerne um den See gewandert sei und die Fischerdörfer um Mpulungu besucht habe, sei für die Einheimischen diese bewusste und freiwillige körperliche Anstrengung manch-mal unverständlich gewesen.

„Völlig andere Mentalität“

„Die Menschen leben vielmehr im Hier und Jetzt“, resümiert sie. Die Familie und das Vertrauen auf Gott sind allgegenwärtig, während die Privatsphäre nicht so wichtig ist. Dementsprechend habe sie einen großen Mentalitätsunterschied erlebt. So würde in Sambia das Weltgeschehen niemanden interessieren und die Uhren sichtbar anders laufen. Auf Fragen nach der Zeit folge meist die Standardauskunft „anytime from now“ - ab jetzt irgendwann. Auch Wertesys-tem und Schönheitsideal seien komplett anders, und so habe sie ihre eigenen Werte neu ausrichten müssen.

Durch die blonden Haare und die helle Hautfarbe sei sie in Sambia von Beginn an der Exot gewesen. Besonders kleine Kinder hätten daher stets einen obligatorischen „Körpercheck“ durchgeführt und die Gliedmaßen mit den eigenen verglichen. Die sambischen Männer hingegen seien sehr zurückhaltend gewesen, und so habe sie in dieser Richtung keinerlei Probleme gehabt.

Greta erklärt, Mpulungu sei wegen des angrenzenden Tanganjikasees für sie „einer der schönsten Plätze der Welt“. So sei sie am Ende mit ihrer Exotenrolle glücklich gewesen und habe es in einem Jahr geschafft, „vom Rand der Gesellschaft vollkommen integriert in ihre Mitte zu wandern und viele neue Freunde zu finden.“

Mit einem langanhaltenden Applaus bedankten sich die Zuhörer für die Impressionen von einem interessanten, aber kaum bekannten Land. Im Anschluss waren die Zuhörer zu einem gemütlichen Beisammensein mit Bildern, Musik und Getränken eingeladen, um mehr über ihr Leben in Sambia zu erfahren.

Von Tobias Schreiber

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