Prozessbeginn: 45-Jähriger muss sich wegen Attacke unter Asylbewerbern in Dorfitter verantworten

„Von einem Messer kann keine Rede sein“

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Bei einem Streit unter Asylbewerbern in Dorfitter wurde im Mai 2014 ein 23-jähriger Mann aus Somalia lebensgefährlich verletzt. Seit gestern steht ein 45-Jähriger deswegen vor Gericht.Archivfoto: Rüssel

Vöhl-Dorfitter - Zwei Flüchtlinge geraten in einer Unterkunft in Dorfitter in Streit, am Ende ist einer von ihnen beinahe tot. Beim Prozessauftakt warfen sich Angeklagter und Opfer gestern gegenseitig vor, für die Eskalation verantwortlich zu sein.

Ein 45-jähriger Mann aus Somalia hat vor dem Landgericht Kassel bestritten, mit einem Messer einen anderen Flüchtling beinahe erstochen zu haben. „Von einem Messer kann keine Rede sein“, ließ er gestern zum Prozessauftakt über seinen Verteidiger erklären. Die Staatsanwaltschaft Kassel wirft dem 45-Jährigen versuchten Totschlag vor.

Der Mann soll im Mai 2014 in einer Asylbewerberunterkunft in Dorfitter einem anderen Flüchtling nach einem Streit zunächst mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen haben. Anschließend soll er ein Messer geholt und zweimal zugestochen haben.

Vier weitere Terminefür Verhandlung

Das 23 Jahre alte Opfer erlitt lebensbedrohliche Verletzungen. Der Angeklagte räumte gestern vor Gericht einen Streit mit seinem Landsmann ein. Er sei „unsittlich angefasst“ worden, dann habe er mit der Bierflasche zugeschlagen, ließ der 45-Jährige verlauten. Dies bestritt das Opfer. Der 23-Jährige war erst wenige Wochen zuvor in die Unterkunft gekommen. „Er war wie ein Bruder zu mir“, sagte er über den Angeklagten. Am Tattag habe man trotz einiger Streitigkeiten zuvor zunächst ein paar Bier getrunken und über das Handy des 23-Jährigen Musik gehört. Schließlich habe der Angeklagte über das Smartphone Pornos schauen wollen und ihm an den Hintern gefasst, sagte das Opfer. Es habe eine Rangelei gegeben, die beiden hätten sich mit Fäusten traktiert. Dann habe der 45-Jährige, der „Tag und Nacht betrunken“ gewesen sei, mit der Flasche zugeschlagen und das Messer geholt. Auch in einem Arztbrief, den das Opfer dem Gericht vorlegte, war von Messerstichen in Brust und Bauch die Rede.

In Dorfitter hatte der Fall im vergangenen Mai für Aufregung gesorgt. Krankenwagen und Polizeiaufgebot waren zum Einsatzort gekommen, der 23-Jährige war mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Dort war seine Situation als lebensbedrohlich eingestuft worden.

Noch am Tatort hatte die Polizei aus Waldeck-Frankenberg damals den Verdächtigen festgenommen. Seit dem sitzt der 45-Jährige in Untersuchungshaft. Zu Beginn der Verhandlung hatte der Vorsitzende Richter darauf hingewiesen, dass auch eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung und eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Betracht kommen könne. Bis Anfang Februar hat das Landgericht vier weitere Verhandlungstermine angesetzt. (dpa/resa)

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